Der Energiemarkt ist nach Einschätzung von Badenova-Vorstand Hans-Martin Hellebrand „immer noch fragil“. Die Volatilität der Preise sei in gewissen Zeiträumen weiterhin hoch und man spüre die Auswirkungen der Konflikte in der Ukraine und in Nahost.
Da es in der Branche Konsens sei, dass die höhere Schwankungsanfälligkeit bei den Großhandelspreisen für Energie anhalten wird, habe auch Badenova im Zuge der jüngsten Energiekrise die Beschaffungsstrategie nachgeschärft. „Die höhere Volatilität macht es beim Energieeinkauf erforderlich noch kleinschrittiger zu werden“, so Hellebrand auf ZfK-Nachfrage bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens am vergangenen Freitag.
Gutes Ergebnis und Rekordumsatz
Grundsätzlich halte man dabei an einer langfristigen und robusten Beschaffungsstrategie fest, mit dem Ziel, die Bezahlbarkeit und eine möglichst hohe Preisstabilität in der Energieversorgung für die Endkunden sicherstellen zu können. Die genaue Rezeptur des „Zaubertranks“ in der Beschaffung werde man aber mit Blick auf die Konkurrenz nicht verraten.
Vor allem dank eines erfolgreichen Strategie beim Energieeinkauf hat der Energieversorger im vergangenen Jahr ein „starkes Ergebnis“ von 57,4 Mio. Euro (2022: 60,4 Mio.) erzielt. Der Umsatz kletterte trotz unter anderem witterungsbedingter Absatzrückgänge bei Strom, Gas, Wasser und Wärme auf den Rekordwert von rund 1,7 Mio. Euro (2022: 1,26 Mio.).
"Gute Verbrauchsprognose, aktives Risikomanagement"
Der Gewinn für 2023 liegt auf den ersten Blick zwar um drei Mio. Euro unter dem Wert des Vorjahres, das Geschäftsjahr 2022 sei aber stark von Sondereffekten getrieben gewesen, betonte der Vorstand. Dass das Ergebnis des vergangenen Jahres letztlich deutlich über Plan liegt, sei vor allem dem Umstand zu verdanken, dass man bereits gebildete Risikopositionen respektive Risikozuschläge für Beschaffungsrisiken nicht benötigt habe.
„Das ist vor allem einer guten Verbrauchsprognose auf Basis einer Vielzahl von Datenquellen, einer zahlenbasierten und permanenten Steuerung des Beschaffungsprozesses und einem aktiven Risikomanagement zu verdanken“, erklärte Hellebrand auf Nachfrage.
Teil des Gewinns fließt in die Rücklagen
Die integriert gedachte und zahlenbasierte Kombination dieser drei Bausteine zusammen habe dazu geführt, dass man durch diese „turbulente Marktphase“ gekommen sei. Viele Stadtwerke und Regionalversorger haben im Zuge der jüngsten Energiekrise und ihrer Verwerfung eine entsprechende Risikovorsorge vorgenommen.
Vor allem „weil die Versorger im Krisenjahr 2022 eher unter- als überbeschafft hätten“ und dies bei einer gleichzeitig massiv reduzierten Nachfrage – unter anderem durch eine sehr milde Witterung und eine Steigerung der Energieeffizienz.
Das Geschäftsmodell der Badenova fuße auf einer stabilen Kundenbasis, die tendenziell leicht wachse. Von dem Gewinn fließen die geplanten 50 Mio. Euro an die 98 kommunalen Gesellschafter, darunter auch den Minderheitsgesellschafter Thüga AG. Die restlichen 7,3 Mio. Euro werden thesauriert und sollen die Innenfinanzierung stärken.
Gespräche über künftige Ergebnisverwendung mit Anteilseignern
Mit Blick auf das geplante Investitionspaket von 1,1 Mrd. Euro in die Energie- und Wärmewende ist diese Stärkung der Gewinnreserven nur ein vergleichsweise kleiner Betrag. Angesichts dieser Finanzierungsherausforderungen befinde man sich mit den Anteilseignern bereits in ergebnisoffenen Gesprächen, wie viel des Ergebnisses künftig für die Rekordinvestitionen der Badenova einbehalten werden können und wie viel in die kommunalen Haushalte fließe.
Ob Erhöhung des Eigenkapitals, Thesaurierung, mehr Fremdkapital oder Mischkapital – man werde auch bei Badenova alle Instrumente der Finanzierung prüfen. Hellebrand appellierte dabei auch an die Politik, die Branchenforderung nach einem Energiewendefonds umzusetzen (siehe separater Artikel).
Im vergangenen Jahr steigerte Badenova das Investitionsniveau um rund 30 Mio. auf knapp 120 Mio. Euro. Im Fokus stand dabei vor allem der Ausbau der Infrastruktur. Aufgrund von Lieferengpässen und Preissteigerungen habe man aber dennoch nicht in vollem Umfang das geplante Investitionsprogramm umsetzen können, so Hellebrand.
"Masterplan Klimaneutralität" als Fixpunkt der Transformation
Investiert hat der Regionalversorger im vergangenen Jahr auch in den Ausbau des Beteiligungsportfolios, etwa durch den Kauf einer Beteiligung im Umfang von 25,1 Prozent an der Kölner Software-Schmiede Epilot.
Trotz des schwierigen operativen Umfelds wurde laut Hellebrand auch der weitere Transformationsprozess der Badenova vorangetrieben. Dieser fußt auf fünf Säulen, der Fixpunkt dabei ist der intern erarbeitete „Masterplan Klimaneutralität“.
In diesem werden anhand verschiedener Szenarien die künftige Energie- und Wärmeversorgung in dem Versorgungsgebiet analysiert. Der Masterplan bildet die Grundlage für die künftige Strategie. Zeitnah sollen daraus nun weitere Maßnahmen und Handlungsschritte abgeleitet werden.
"Energiewende als Teamsport": Deutliches Mitarbeitenden-Wachstum
Badenova will bis 2035 klimaneutral werden, die Region Freiburg bis 20240. Wichtige Bestandteile des künftigen Geschäftsmodells der Badenova sind unter anderem auch langfristige Kooperationen mit dem Handwerk vor Ort sowie ein Ausbau der Angebote für die Endkunden in Richtung eines baukastenbasierten und ganzheitlichen Ökosystems.
Die Entwicklungsrichtung der Badenova gehe weg von einem klassischen Versorger hin zu einem datengetriebenen und technologisch agierenden Energiewendegestalter. Digitalisierung und eine Stärkung der internen Innovationskraft spielten dabei eine zentrale Rolle (einen aktuellen ZfK-Podcast über die Digitalisierungsstrategie der Badenova finden Sie hier).
„Energiewende ist Teamsport“, versicherte Hellebrand. Der Schlüssel zum Erfolg seien dabei die Mitarbeitenden. Der Personalbestand wuchs im vergangenen Jahr deutlich auf 1537 Mitarbeitende per Ende 2023, ein Zuwachs von über 80 Stellen. (hoe)
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