Vor allem den europäischen Nachbarländern, darunter Dänemark, Estland, den Niederlanden und Schweden, wird eine Vorreiterrolle beigemessen.

Vor allem den europäischen Nachbarländern, darunter Dänemark, Estland, den Niederlanden und Schweden, wird eine Vorreiterrolle beigemessen.

Bild: © AndSus/AdobeStock

An insgesamt acht Stunden des Samstags, 6.Juli, drückten die Erneuerbaren den Strompreis an der Epex Spot ins Minus. Einen Tag später waren es sogar 18 Stunden am Stück. Die niedrige Stromnachfrage am Wochenende war einer der Gründe dafür. Laut Smard-Daten erreichte der realisierte Stromverbrauch am Samstag 54.204 MWh und am Sonntag (7. Juli) 46.427 MWh.

Der zweite Grund für den dramatischen Preisverfall war die hohe Erneuerbarenerzeugung. Die PV-Anlagen speisten am Samstagmittag über 35.000 MWh ins Netz. Spät abends lieferten Windkraftanlagen an der Spitze über 35.000 KWh. Die Einspeisung von PV- und Windkraft lag bei 44.373 MWh.

Am Sonntag blieben die Stundenpreise an der Epex Spot seit der ersten Stunde und bis 18 Uhr negativ. Erst um 19 Uhr stieg der Preis und erreichte 63,99 Euro/MWh. Um 22 Uhr erreichte der Preis sein Maximum in Höhe von 133,17 Euro/MWh. Wie volatil der Markt ist, zeigte sich spätestens am Montag, 8. Juli. Die Stundenpreise an der Epex Spot waren durchgehend positiv und abends um 22 Uhr sprangen sie auf 257,35 Euro/MWh in der Spitze.

Politik sieht Handlungsbedarf

Die Politik beschäftigt sich mittlerweile intensiv mit dem Thema Negativpreise, das mit dem fortschreitenden Erneuerbarenausbau an Bedeutung sogar noch zulegen könnte. Die Bundesregierung strebt in diesem Zusammenhang eine umfangreiche Reform des Förderregimes an. Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) will die Förderung schrittweise in einen Kapazitätsmechanismus integrieren.

Auch eine kurzfristige Aussetzung der Förderung von größeren Neuanlagen bei negativen Strompreisen ist bereits ab Anfang 2025 geplant. Des Weiteren soll die Schwelle in drei Jahresschritten auf 25 kW sinken, ab der Erneuerbarenanlagen künftig in die Direktvermarktung müssen. Auch die Schwelle für die Steuerbarkeit von EE-Anlagen durch Netzbetreiber soll abgesenkt werden.

Aus Kreisen des FDP-geführten Bundesfinanzministeriums heißt es sogar, das Ziel sei ein förderfreier Ausbau der Erneuerbaren und die vollständige Marktintegration. Dazu soll der Ausbau der Erneuerbaren perspektivisch auf eine Investitionskostenförderung umgestellt werden. Das würde eine Förderung pro Installierter Leistung bedeuten – die Förderung pro Kilowattstunde fiele damit weg.

BEE warnt vor radikalem Wechsel

"Das Experiment eines radikalen Wechsels hin zu Investitionskostenzuschüssen birgt die Gefahr der Marktverunsicherung und Investitionszurückhaltung, die in Zeiten ehrgeiziger Ausbauziele diese massiv gefährden können", warnt indes BEE-Präsidentin Simone Peter. Der Verband schlägt stattdessen die Umstellung auf eine Mengenabsicherung statt der bisherigen Zeitförderung im EEG vor.

Der steigende Erneuerbarenanteil im Energiemix muss nicht zwangsläufig eine zunehmende Anzahl von Negativpreisen bedeuten. Diese Ansicht vertritt Dirk Uwe Sauer, Professor am Lehrstuhl für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik, RWTH Aachen: "Trotz des steigenden Anteils erneuerbarer Stromerzeugung im Netz wird die Anzahl von Stunden mit negativen Strompreisen mittelfristig zurückgehen", sagte er im Gespräch mit der ZfK. (Das Interview mit Dirk Uwe Sauer lesen Sie in der aktuellen ZfK-Ausgabe.)

Batteriespeicher als Stabilitätsfaktor

Voraussetzung dafür sei natürlich, dass genügend Energiespeicher und Flexibilitäten auf den Markt kommen, die von diesen negativen Preisen profitieren wollen. Dabei zählt er dazu Wärmepumpen, Fernwärmesysteme und die Elektrolyseure. Dazu komme, dass negative Strompreise vor allem durch konventionelle Kraftwerke verursacht werden, die nicht für wenige Stunden runtergefahren werden können oder noch anderweitige Verpflichtungen wie zum Beispiel die Lieferung von Fernwärme haben. (am)

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