"Wir werden keine Betaversionen ausliefern – die neue Version ist im Jahr 2023 komplett mit allen Funktionen für die Praxis verfügbar", so iS Software.

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Bild: © AndSus/AdobeStock

Mit Hochdruck arbeitet die Stadtwerkebranche an den notwendigen IT-Umstellungen zur Umsetzung der Gas- und Wärme- sowie der Strompreisbremse für Haushaltskunden und Haushaltskundinnen ab 1. März. Eine ZfK-Umfrage zeigt: Viele Stadtwerke sind auf der Zielgeraden und halten eine Realisierung bis zum Beginn des kommenden Monats für möglich, verweisen dabei aber auch auf ihre Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Es wird aber mancherorts, wie von VKU und BDEW angekündigt, auch zu Verzögerungen kommen. In Düsseldorf etwa dürften diese offenbar einige Wochen betragen.

"Noch sind wir optimistisch, dass sich die Energiepreisbremsen auch vor dem Hintergrund des kurzfristigen Zeitplanes umsetzen lassen“, sagt stellvertretend für die Branche Andrea Vogt, Sprecherin der Geschäftsführung der Stadtwerke Troisdorf. Man werde alles versuchen, um die Kundinnen und Kunden Ende Februar über die künftigen Abschlagshöhen zu informieren und die vorgesehene Frist einzuhalten. "Wir können es aber nicht versprechen, da es nicht in unserer Hand liegt. Hier sind wir von unserem IT-Dienstleister abhängig“, schränkt Vogt ein. Im Fall der Stadtwerke Troisdorf ist das Schleupen.

Man dürfe nicht vergessen, dass die IT sich hier mit gänzlich neuen Anforderungen konfrontiert sehe und man sich nicht an bestehenden Mustern orientieren könne. „Einschränkend müssen wir daher erwähnen, dass es zu Fehlern kommen kann. Bei jedem wichtigen IT-Projekt werden Testphasen eingeplant, in denen man das System auf Herz und Nieren prüft. Diesmal haben wir die Zeit nicht zugestanden bekommen und so muss gegebenenfalls bei Fehlern im laufenden Betrieb nachgebessert werden“, verdeutlicht die Troisdorfer Stadtwerkechefin.

Troisdorf: Im Geschäftskundenbereich müssen Daten teils manuell eingepflegt werden

Die Energiepreisbremsen würden immense Kapazitäten im Unternehmen binden. Nicht alles könne vollautomatisch abgebildet und müsse stattdessen teils manuell eingepflegt werden. Dies gelte insbesondere im Geschäftskundenbereich, wo individuelle Parameter und Einzellösungen berücksichtigt werden müssten.  

Im Austausch mit den Kunden stelle man hingegen einen steigenden Unmut und auch Frust fest, da das Verständnis für die Komplexität der Sachlage nicht vorhanden sei und auch nicht sein könne. Der Andrang im Kundenzentrum bewege sich auf einem noch nie dagewesenen Niveau. Um längeren Wartzeiten entgegenzuwirken, versuche man möglichst flexibel zusätzliche Ressourcen einzusetzen (einen aktuellen Podcast mit Andrea Vogt, in dem es auch um den Andrang in den Kundenzentren geht, finden Sie hier).

In Krefeld, Duisburg, Pforzheim und bei EWE ist man optimistisch – aber mit Einschränkungen

Zuversichtlich mit Blick auf die Umsetzung der Preisbremsen zum 1. März und einem fristgerechten Versand der Kundenanschreiben zu den künftigen Abschlagshöhen zeigen sich die Stadtwerke Krefeld, Duisburg, Pforzheim (SWP) und auch der Regionalversorger EWE. „Sollte die Software-Erweiterung nicht die notwendigen Anforderungen abdecken, sind IT-Eigenentwicklungen notwendig, die dann in kürzester Zeit umgesetzt werden müssen“, schränkt man in Duisburg aber ein.

Auch in Krefeld und Duisburg erwartet man ein weiteres deutliches Ansteigen der Kundenanfragen und hat hier entsprechend Vorsorge getroffen. Die Kürze der Umsetzungszeit durch den Gesetzgeber ist laut EWE die größte Herausforderung. "Das macht es schwierig, die verschiedenen Kundenszenarien (beispielsweise Umzüge, Neubauten, besondere Konstellationen im Lieferantenwechsel) zu integrieren“, so ein Sprecher.

Düsseldorf verzichtet vorerst auf Abbuchung des Märzabschlags

Auch für das Abrechnungsteam sei die aktuelle Aufgabe sehr herausfordernd. heißt es aus Pforzheim. Durch zusätzliche Aufgaben, wie Jahresabschlussrechnungen, komme es zu Überlastungssituationen. „Auch im Abrechnungsteam haben wir daher neue Mitarbeiter eingestellt und die Ressourcen deutlich aufgestockt“, versichert ein SWP-Sprecher.

Die Stadtwerke Düsseldorf werden hingegen ihre privaten Gaskundinnen und -kunden laut einem Bericht der Rheinischen Post erst einige Wochen nach dem 1. März über ihre neuen Abschlagshöhen postalisch in Kenntnis setzen können. Da sich die Gutschrift für Januar und Februar verzögert, soll erst Mal gar kein neuer Abschlag eingezogen werden.

„Die Stadtwerke Düsseldorf haben sich entschieden, die März-Abschläge erst dann abzubuchen, wenn die dafür notwendigen Softwaretools implementiert sind und wir die Kund:innen über ihre neuen Abschläge informieren konnten. Unser Ziel ist es, die Schreiben noch im März zu versenden“, wird eine Sprecherin zitiert. Die Düsseldorfer arbeiten laut dem Artikel mit einer mit Software des deutschen Herstellers SAP.

Zurückhaltende und knappe Statements aus München und von der Mainova

Die Stadtwerke München wollen auf Anfrage Verzögerungen nicht auschließen. Grund hierfür sei unter anderem die Komplexität der Berechnungen und die hohe Anzahl der zu versendenen Informationen. Es werde dadurch aber keiner Kundin und keinem Kunden ein Nachteil entstehen, heißt es weiter. Zurückhaltend und knapp ist auch das Statement der Mainova. Für alle Haushaltskunden würden die Preisbremsen rückwirkend zum 1. Januar umgesetzt, die entsprechenden Rechnungen würden in den nächsten Wochen versandt.

Sachsenenergie rechnet mit Verzögerung bei Kundenanschreiben

„Aufgrund der fehlenden IT-Implementierung ist eine individuelle Kundeninformation zur individuellen Entlastung im Februar höchstwahrscheinlich nicht mehr realisierbar“, heißt es hingegen beim Regionalversorger Sachsenenergie in Dresden. Bei dem Unternehmen sind  insbesondere Haushaltskunden von der Gas- und Wärmepreisbremse betroffen, die Strompreise würden hingegen bei fast allen Privatkunden unterhalb der Strompreisbremse von 40 Cent liegen, teilt das Unternehmen mit.

Die Schwierigkeit liege bei der Implementierung neu zu entwickelnder IT-Lösungen in die bestehende Software. „Dabei muss die IT-Lösung die Übertragung der Preisbremsen auf die verschiedenen Vertragsarten und die Berücksichtigung von Sonderfällen, wie Umzüge oder Kündigungen, abdecken“, so eine Sprecherin.

EnviaM und Mitgas: "Höchste Priorität liegt auf Gaskunden"

So schnell wie möglich wollen die Eon-Töchter enviaM und Mitgas ihre individuellen Kundeninformationsschreiben an die rund 170.000 Gas- und 1,1 Millionen Stromkunden versenden. „Wir wollen, dass die Kunden von den Entlastungen so schnell wie möglich profitieren. Die Maßnahmen laufen bei Mitgas und enviaM parallel. Dennoch liegt die höchste Priorität zunächst auf den Gaskunden, da dort die Spanne der Preisbremse wesentlich höher als bei den Stromkunden ausfällt und eine schnelle finanzielle Entlastung für die Haushalte sehr wichtig ist“, sagt enviaM-Vertriebsvorstand und Mitgas-Geschäftsführer Patrick Kather.
 
Während sich die Entlastung je nach Verbrauch und Produkt bei Gaskunden im Schnitt zwischen rund 47 und 140 Euro pro Monat bewege, betrage die Preisbremse für Stromkunden zwischen rund 5 und 27 Euro, teilt der Energieversorger aus Chemnitz mit.

BEMD: "Energiemarktdienstleister überlastet"

Die IT-Unternehmen abrbeiten laut einer Pressemitteilung des Bundesverbands der Energiemarktdienstleister seit Monaten an der Belastungsgrenze und "darüber hinaus". "Es zeigt sich, dass die staatlichen Hilfen zu deutlichen IT-Systemanpassungen und zu einer sehr hohen Komplexität in den Massenprozessen in Richtung Kunde und Marktpartner führen", schreibt der Verband in einer Pressemitteilung. So seien bespielweise Umzüge oder Kündigungen künftig deutlich aufwendiger.

Auch völlig neue Prozesse im Rahmen des Datenaustausches zwischen den Marktpartnern Lieferant und Netz seien einzuführen und möglichst zu automatisieren. "Selbst die nach außen recht simpel wirkende Umsetzung der Soforthilfen im Dezember führte zu erheblichen Aufwänden, da eine Vielzahl von unterschiedlichen Anwendungsfällen zu berücksichtigen war".

BEMD-Geschäftsführer: "Staat muss künftig eigene Lösungen schaffen"

Die BEMD-Mitgliedsunternehmen berichteten darüber hinaus von deutlich "gestiegenen Kund:innenanfragen", die Kontakte hätten sich teils verdoppelt. Auch der Beratungsbedarf der Kund:innen habe sich in den letzten Monaten deutlich erhöht, was zu längeren Gesprächszeiten mit den Kund:innen führe. Auch würden die notwendigen Prozessanpassungen nicht unerhebliche Schulungsaufwände in den Unternehmen nach sich ziehen.

„Die Bundesregierung hat mit der Abwicklung der Soforthilfen und der Preisbremsen Kernaufgaben des Staates an die Energieversorger übertragen und sehr kurze Umsetzungsfristen gesetzt. Für die Zukunft muss der Staat hier eigene Lösungen schaffen. Eingriffe in die sehr komplexen Abwicklungsprozesse zwischen den Marktpartnern der Energiewirtschaft sind zu vermeiden", betont Dirk Briese, Geschäftsführer des BEMD. Der Verband teile deshalb die bereits Ende vergangener Woche geäußerte Einschätzung des BDEW ausdrücklich. (hoe)

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