Olaf Hermes, Chef der Stadtwerke Bonn (SWB), hat dem Aufsichtsrat des Unternehmens seinen Rücktritt angeboten. Mit einer Vertrauensfrage reagiert er auf das offenbar zerrüttete Verhältnis mit dem kommunalen Eigentümer. Als "unerwünschte Person" müsse er Schaden von den Stadtwerken und seinen 2600 Mitarbeitenden abwenden, sagte er laut einer Presseaussendung seines Unternehmens. Nur so sei eine offene Bewertung der Situation durch das Gremium möglich.
Die "Flugplatz-Affäre"
Ursprung des Konflikts ist ein Nachbargrundstück des Flugplatzes Hangelar bei Bonn. Dieses soll zum Verkauf stehen. Die Flugplatzgesellschaft, deren Hauptanteilseigner die Stadtwerke sind, hat ein Ankaufsrecht und erwägt, davon Gebrauch zu machen. Allerdings soll es einen weiteren Interessenten geben, den Busunternehmer Eberhard Penz. Während die Bonner Stadtspitze vermeintlich die Flugplatzgesellschaft davon abhalten wollte, das Grundstück zu kaufen, sind die Stadtwerke gegen einen möglichen Erwerb durch Penz.
"Es handelt sich um einen Flugplatz und damit eine kritische Infrastruktur, die wir nicht in private Hände abgeben wollen", ordnete ein Stadtwerkesprecher den Sachverhalt auf ZFK-Nachfrage ein.
Einfluss aus dem Rathaus?
Laut SWB soll es zu versuchten Einflussnahmen auf die Stadtwerke-Führung gekommen sein, unter anderem durch den Bonner Co-Dezernenten Christian Siegberg, den Landrat Sebastian Schuster und den Oberbürgermeister Guido Déus. Alle drei sind CDU-Mitglieder.
So soll laut SWB Siegberg "klare Erwartungen zum Abstimmungsverhalten an die Vertreter der Stadtwerke Bonn" bezüglich des Verkaufs kommuniziert haben. Alle drei bestreiten laut "WDR" den Vorwurf, sich in den Verkaufsprozess eingemischt zu haben. Auf ZFK-Nachfrage hatte die Pressestelle der Stadt Bonn bis zum Redaktionsschluss keine Rückmeldung gegeben.
Fakt ist, dass Stadtwerke-Chef Hermes bei der Kanzlei Feigen & Graf eine unabhängige Compliance-Überprüfung des Sachverhalts beauftragte. Die Prüfung bestätigte laut SWB eindeutig, dass das Handeln der Stadtwerke-Verantwortlichen pflichtgemäß gewesen sei. Mit dem Ergebnis ging Hermes nun in die Offensive und stellte bei der Sondersitzung des Aufsichtsrats am 11. März die Vertrauensfrage.
Wirft Hermes wirklich hin?
Auch wenn das Vertrauen zwischen Stadtwerke-Chef und Stadtoberhaupt offenbar schwer beschädigt ist, ist ein versöhnliches Ende noch nicht ganz ausgeschlossen. Diesen Freitag soll zwischen Hermes und Oberbürgermeister Déus eine persönliche Aussprache stattfinden, wie die ZFK erfuhr. Dann soll die Entscheidung fallen, ob Hermes als SWB-Chef weitermacht.
Wie der Sender "Radio Bonn/Rhein-Sieg" am Donnerstag berichtete, soll Déus zugegeben haben, dass die Kommunikation in diesem Fall nicht gut gelaufen sei. Zudem soll er Hermes eine vorzeitige Verlängerung seines Vertrags bei den Stadtwerken angeboten haben.





