Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke-Kooperation Trianel in Aachen.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke-Kooperation Trianel in Aachen.

Bild: © Trianel

Inmitten historischer Turbulenzen an den Energiemärkten hat die Aachener Stadtwerkekooperation Trianel glänzende Zahlen vorgelegt. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) stieg im abgelaufenen Jahr auf 14,5 Mio. Euro (Vorjahr 11 Mio. Euro) – ein neuer Rekord. Der Umsatz verdoppelte sich auf 6,4 Mrd. Euro.

Fern scheint das Tal, das das Handelshaus noch Mitte der 2010er-Jahren durchschreiten musste. Seit dem Verlustjahr 2016 ging es stetig bergauf.

Rückstellungen und Risikovorsorge

Dabei hätte das Ergebnis sogar noch wesentlich höher ausfallen können, wie Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung, auf der Bilanzpressekonferenz erläuterte.

Stattdessen nutzte Unternehmen die Lage, um zusätzliche Drohverlustrückstellungen für das Steinkohlekraftwerk Lünen und den Gasspeicher Epe vorzunehmen (insgesamt 6,7 Mio. Euro) und angesichts stark schwankender Märkte eine allgemeine Risikovorsorge in Höhe von zwei Mio. Euro anzulegen.

Strategische Ausrichtung trägt Früchte

Die Stadtwerkekooperation sieht sich in ihrer strategischen Ausrichtung jedenfalls bestätigt. Die Kernbereiche Handel und Erneuerbaren-Projektentwicklung liefen so gut, dass sie erneut "hohe Verluste" aus der Bewirtschaftung des Steinkohlekraftwerks Lünen und des Gasspeichers Epe deutlich überkompensierten, wie es im Geschäftsbericht heißt. Die Trianel GmbH ist zu 6,3 Prozent an Lünen und zu 7,6 Prozent an Epe beteiligt.

Im Handel sei die Nachfrage insbesondere bei vorgelagerten Prozessen, im Risikomanagement, bei der Bepreisung und den Datenqualitäten hoch gewesen, sagte Oliver Runte, Geschäftsführer der Trianel. Erfreulich seien auch die Ergebnisse aus der kaufmännischen Betriebsführung und der Kraftwerksoptimierung gewesen.

Projektpipeline von 2000 MW

"Sehr zufrieden" zeigte sich Amtskollege Becker mit der Entwicklung des Projektentwicklungsgeschäfts. "Unsere Ausrichtung auf erneuerbare Energien wird weiterhin bestätigt und stellt für uns einen Wachstumsmarkt dar", sagte der Manager.

Er verwies auf eine Projektpipeline von 2000 MW in der Entwicklung. Mit der Gründung der Erneuerbarentochter Trianel Wind und Solar sowie dem Wasserstoffzentrum Hamm seien weitere Weichen gestellt worden. Zudem plane das Unternehmen, noch dieses Jahr in Österreich eine Wind- und Solartochter zu gründen.

Trianel-Chef: Gasmangellage droht "akut"

Sorgen bereitet Becker die Situation am Gasmarkt. Eine Gasmangellage drohe "akut", sagte er. Die Frage sei nicht mehr, ob die zweite Stufe des Gasnotfallplans ausgerufen werde, sondern wann.

Der Politik zollte der Trianel-Chef "großes Lob" für ihren direkten Dialog mit der Energiewirtschaft. Er würde sich aber wünschen, wenn auch der Sachverstand der Branche genutzt würde.

Kritik an Energiesicherungsgesetz

Beim bereits verabschiedeten Gasspeichergesetz ortetete Becker "unnötige dirigistische Maßnahmen." (Hier mehr zum Thema.) Beim geänderten Energiesicherungsgesetz (EnSiG) sieht er große Risiken auf Gaskraftwerke zukommen.

Denn während Gaslieferanten ihre Preise in einer Gasmangellage entlang der Lieferkette anpassen dürften (siehe §24 EnSiG), könnten Gaskraftwerkbetreiber ihre Zusatzkosten dann zwar bei der Produktion von Fernwärme weitergeben, nicht aber bei der Erzeugung von Strom. "Da ist eine Brandmauer", sagte Becker.

"Ausstieg aus Gasverstromung durch Hintertür"

Das führe dazu, dass es für Gaskraftwerkbetreiber unwirtschaftlich werde, Strom zu produzieren. Stattdessen müssten sie im Großhandel teuer nachkaufen, um ihre Verträge zu erfüllen. "Das ist ein Ausstieg aus der Gasverstromung durch die Hintertür", sagte der Manager und forderte eine entsprechende Kompensationsregelung für Gaskraftwerkbetreiber.

Im Falle des Trianel-Gaskraftwerks Hamm habe man schon gehandelt, schilderte Becker. Man habe sich dazu durchgerungen, bereits vermarktete Positionen zurückzukaufen, um Risiken von der Gesellschaft abzuwenden, erklärte er. Die damit verbundenen Belastungen bewegten sich im zweistelligen Millionenbereich. Die Trianel GmbH selbst ist zu 6,1 Prozent am Kraftwerk beteiligt und muss einen entsprechenden Teil des finanziellen Schadens schultern.

Kritik an Pönalen

"Kritisch" betrachtet Becker auch das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz, das aktuell im Bundestag beraten wird. Demnach sollen im Falle einer Gasmangellage stromerzeugende Gaskraftwerke mit Strafzahlungen, sogenannten Pönalen, belegt werden.

Zuvor hatten unter anderem auch die Chefs der Versorger Rheinenergie und N-Ergie das Vorhaben scharf kritisiert.

Mehrkosten bei Kohleeinkauf

Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine führten auch beim zweiten Trianel-Großkraftwerk in Lünen zu neuen Herausforderungen. Bis dahin seien 70 Prozent der dort verfeuerten Steinkohle aus Russland gekommen, sagte Becker. Diese habe man unter "erheblichen Mehrkosten" ersetzen müssen.

Derzeit befinde sich Lünen in Revision, erläuterte der Trianel-Chef. Dabei sei auch ein "kleiner Schaden" aufgetreten. Deshalb rechnet der Manager, dass das Kraftwerk statt Mitte Juli erst im September wieder Strom produziert.

Liquidität gestärkt

Auf Basis der aktuellen Gesetzeslage geht Becker weiter davon aus, dass Lünen noch bis in die frühen 2030er-Jahre hinein am Netz bleibt. In ihrem Koalitionsvertrag hatte die Ampel-Koalition festgehalten, einen Kohleausstieg bis 2030 anzustreben. Ein entsprechendes Gesetz wurde bislang nicht vorgelegt.

Insgesamt zeigte sich Becker zuversichtlich, dass die Stadtwerkekooperation dieses Jahr ihr 2021-Ergebnis bestätigen werde. Auch die eigene Liquidität habe das Unternehmen dank mehrerer bilateraler Abkommen mit Banken deutlich gestärkt. "Deshalb sehen wir uns für die Verwerfungen an den Energiemärkten gewappnet." (aba)

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