Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Velbert im nordrhein-westfälischen Landkreis Mettmann.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Velbert im nordrhein-westfälischen Landkreis Mettmann.

Bild: © Stadtwerke Velbert

Rekommunalisierung in Velbert: Die Stadtwerke aus dem nordrhein-westfälischen Landkreis Mettmann bei Düsseldorf befinden sich wieder vollständig in kommunaler Hand. Die Stadt hat hierzu die restlichen 30,4 Prozent der Anteile von der Westenergie zurückgekauft, die Eon-Tochter bleibt aber Dienstleistungspartner der Stadt.

Der Kaufvertrag wurde Anfang dieser Woche vollzogen, heißt es in einer Pressemitteilung. 89,9 Prozent der Anteile an den Stadtwerken werden ab sofort von der Beteiligungsgesellschaft der Stadt Velbert mbH (BVG) und weitere 10,1 Prozent von den Technischen Betrieben Velbert AÖR (TBV) gehalten.

Auch andere Städte haben Eon-/RWE-Deal zu einer strategischen Neuaufstellung genutzt

Der Einigung waren rund zweijährige Verhandlungen vorausgegangen. Die BVG hatte von der sogenannten „Change of control“-Klausel“ Gebrauch gemacht: Diese ermöglicht es der Stadt, bei einem Verkauf der Stadtwerke-Anteile durch den ursprünglichen Eigner RWE sämtliche Gesellschaftsanteile zurückzukaufen.

Einige andere Städte wie Radevormwald, Gelsenkirchen oder Neuss haben von diesem Recht Gebrauch gemacht und im Fall von Radevormwald vollständig rekommunalisiert, in den anderen Fällen die Partnerschaft und die Beteiligungsverhältnisse mit Westenergie neu sortiert. Die Rheinenergie in Köln hatte die Klausel zwar nicht gezogen, aber dazu genutzt, ein umfassendes Kooperationsvorhaben mit der Westenergie und anderen Stadtwerken im Rheinland anzustoßen.

RWE war seit 2002 an den Stadtwerken in Velbert beteiligt. Mit dem Verkauf zahlreicher Beteiligungen gingen diese Anteile 2019 auf die neu gegründete Westenergie AG, die größte Regionalgesellschaft des Eon-Konzerns, über.

Velberts Bürgermeister sieht Chancen für infrastrukturelle Weiterentwicklung

Velberts Bürgermeister Dirk Lukrafka sieht in dem Rückkauf die Chance, die strategische Ausrichtung der Stadtwerke über die BVG noch enger mit den infrastrukturellen Entwicklungszielen der Stadt Velbert zu vernetzen: „Die Stadtwerke sind bereits jetzt ein wichtiger Partner bei der Weiterentwicklung Velberts. Der erfolgreiche Breitbandausbau ist ein gutes Beispiel dafür. Ohne eigene und starke Stadtwerke müssten wir in Velbert noch lange auf ein flächendeckendes Glasfasernetz warten.“ Auch der Ausbau erneuerbarer Energien, das Vorantreiben der E-Mobilität oder das Thema Wasserstoff seien Beispiele für diese Vernetzung.“

Stadtwerke-Geschäftsführer Freitag: "Markt wird momentan völlig neu geordnet"

Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Freitag betonte den strategischen Aspekt der Kaufentscheidung: „Der Markt im Energie-, Wasser- und Telekommunikationsbereich wird momentan völlig neu geordnet. Einerseits durch die gigantischen Herausforderungen, die die Energiewende mit sich bringt, andererseits durch die Marktmacht einzelner Konzerne im Netz- und im Vertriebsbereich."

Man wolle in dieser mitunter schwierigen Ausgangslage eine Position einnehmen, die den Stadtwerken und der Stadt ausreichend Handlungsspielraum gebe. „Uns geht es um die klare Fokussierung des Unternehmens auf Velbert. Dazu müssen wir offen sein können für verschiedene Innovations- und Technologiepartnerschaften, um die Schritte hin zu einer klimaneutralen Stadt aktiv und zügig mitgestalten zu können.“

Westnetz übernimmt vorgelagertes 110-kV-Netz der Stadtwerke

Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG bedauerte, dass die Stadt Velbert ihr Rückkaufrecht aufgrund des Eigentümerwechsels an den Stadtwerken wahrgenommen hat. „Wir respektieren die Entscheidung der Stadt, die Energieversorgung künftig noch stärker in eigener Hand betreiben zu wollen. In den Verhandlungen haben wir eine vernünftige Lösung gefunden, so dass wir als Westenergie weiterhin operativ mit den Stadtwerken Velbert zusammenarbeiten und wir gemeinsam Mehrwerte für die Menschen in der Stadt entwickeln werden.“

So hat Westnetz, der Verteilnetzbetreiber des Energieunternehmens, das vorgelagerte 110-kV-Netz der Stadtwerke Velbert übernommen und ist damit für die Stromversorgung bis zum städtischen Mittel- und Niederspannungsnetz zuständig. Die Westenenergie-Tochter RWW, die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft, beliefert auch künftig weite Teile der Stadt mit Wasser. Darüber hinaus übernehmen Eon und Westenergie als Dienstleister die Abrechnung von Strom, Gas und Wasser. (hoe)

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