Zwei Gastgeber und ein Ehrengast: (von links) VKU-Präsident Ulf Kämpfer, Bundeskanzler Olaf Scholz und VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Zwei Gastgeber und ein Ehrengast: (von links) VKU-Präsident Ulf Kämpfer, Bundeskanzler Olaf Scholz und VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.

Bild: © VKU/Bildschön_Trenkel

Zu Beginn waren es zehn. Zehn kommunale Unternehmen, die sich zusammenschlossen, um ihre Interessen in einem Nachkriegsdeutschland zu vertreten, das noch nicht einmal einen eigenen Staat hatte, dafür aber vier Besatzungszonen.

75 Jahre später sind es mehr als 1570 – so viele wie noch nie –, die Mitglied im Verband kommunaler Unternehmen sind, einem der einflussreichsten Lobbyverbände im politischen Berlin. Wie einflussreich der VKU ist, zeigte sich an diesem Donnerstag nicht zuletzt durch die Präsenz eines Mannes, der in diesen Tagen vor allem hinter verschlossenen Türen zu finden ist, bei Budgetverhandlungen mit Robert Habeck und Christian Lindner: Bundeskanzler Olaf Scholz von der SPD.

"Rekommunalisierungswelle spricht Bände"

Die erste große Rede an diesem Donnerstagnachmittag hielt jedoch ein anderer norddeutscher Sozialdemokrat: Ulf Kämpfer, Kieler Oberbürgermeister, seit Ende 2022 zudem VKU-Präsident.

Und der ließ es sich nicht nehmen, den großen Bogen zu spannen: vom Deutschland in Trümmern und den Anfängen der Kraft-Wärme-Kopplung in den 1960er-Jahren über den Bedeutungsgewinn des Umweltschutzes in den 1970er- und 1980er-Jahren bis hin zur Liberalisierung der Energiemärkte vor der Jahrtausendwende. "[Da] schien das Ende der Stadtwerke gekommen", sagte er. Es kam bekanntlich anders. "Die Rekommunalisierungswelle [einige Jahre später] spricht Bände."

"Lebendige Stadtwerkelandschaft" nicht nur im Westen

Kämpfer erinnerte daran, dass eine "lebendige Stadtwerkelandschaft", wie sie heute in Ostdeutschland zu finden sei, nach dem Mauerfall "keineswegs ausgemacht" gewesen sei. Lange Zeit habe es so ausgesehen, dass sich große Konzerne auch in der Daseinsvorsorge das Land unter sich aufteilen würden. "Gott sei Dank ist es damals so nicht gekommen."

Er erinnerte daran, dass auf die kommunale Unternehmen in Zeiten der Corona- und Energiekrise Verlass gewesen sei. "Wasser und Strom waren immer da. Abwasser und Abfall wurden zuverlässig entsorgt. Die kommunalen Unternehmen waren und sind ein Stabilitätsanker für das Land, für die Daseinsvorsorge und für die Menschen. Sie haben das Land am Laufen gehalten."

Klares Bekenntnis zu Demokratie und Freiheit

Und er erinnerte daran, dass die Arbeit des VKU parteipolitisch neutral sei. "Aber sie ist nicht wertelos und sie ist auch nicht unpolitisch, sondern entschieden parteiisch: für die freiheitliche demokratische Ordnung. [...] Diese Freiheit verteidigen wir gegen Angriffe – von wem auch immer sie kommen mögen."

Das täten kommunale Unternehmen auch im eigenen Interesse. "Feinde der Demokratie sind auch immer Feinde der kommunalen Selbstverwaltung."

Liebing entwirft Zukunftsszenario

Einen Blick weit nach vorn warf VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Sein Ziel: ein "schönes Szenario" aufzeichnen. "2049 wird unsere Energieversorgung zu 100 Prozent klimaneutral sein", sagte er. "Windräder und Solaranlagen liefern den Strom, Geothermie, industrielle Anlagen oder thermische Abwärme der Abfallverbrennung heizen unsere Wohnzimmer."

Elektroautos würden lautlos und abgasfrei durch die Städte schnurren und nachts als flexible Speicher dienen. "Wasserstoff hat sich zu einem entscheidenden Energieträger gemausert. [...] Und ohne digitale Technologie läuft dann schon lange nichts mehr."

Liebing: "Ziel ist gesetzt"

In den Innenstädten ziehe immer mehr Grün und Blau ein, um auf Extremwetter wie Dürre oder Starkregen reagieren zu können. "Überhaupt gehen wir viel effizienter mit der kostbaren Ressource Wasser um." Dasselbe gelte im Abfallbereich. Dieser habe sich längst zur perfekten Kreislaufwirtschaft entwickelt. "Kommunale Unternehmen sind dann keine Müllentsorger mehr, sondern Rohstoffbeschaffer."

Ob das alles in dieser Dimension und in diesem Tempo machbar sei, werde sich noch herausstellen, räumte Liebing ein. Zweifel mögen manche haben. "Aber das Ziel ist gesetzt. Wir wollen die klimaneutrale Gesellschaft schaffen, weil wir es uns nicht auf Dauer erlauben können, unseren Wohlstand heute auf Kosten künftiger Generationen zu schaffen."

Scholz bedankt sich

Anlässlich des 100. Geburtstags würde übrigens selbstverständlich wieder die Bundeskanzlerin oder der Bundeskanzler Deutschlands zum VKU sprechen, sagte Liebing noch selbstbewusst. Und vielleicht würde er dann ähnliche Worte wählen, wie es am Donnerstag Scholz tat.

Der schlug angesichts von Wärme-, Strom- und Verkehrswende als Motto "einfach mal machen" vor. "Was es heißt, einfach mal zu machen, das haben Sie in den vergangenen 75 Jahren wieder und wieder gezeigt. Und deshalb bin ich sicher: Wir sind auch für die Zukunft gut aufgestellt. Es kann und es wird gut ausgehen für unser Land. Diese Zuversicht ist berechtigt. Da haben auch Ihre Arbeit und die Arbeit Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großen Anteil daran. Schönen Dank dafür."

Hinweis: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens hat der VKU eine eigene Internetseite mit zahlreichen Videos, Bildergalerien, Leitbild und ZfK-Sonderbeilage eingerichtet. Hier geht's direkt zur Seite.

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