Environmental, Social, Governance: Dafür steht die Abkürzung ESG.

Environmental, Social, Governance: Dafür steht die Abkürzung ESG.

Bild: © Tensor Spark/AdobeStock (generiert mit KI)

Die Abkürzung ESG steht für "Environmental, Social, Governance“. In ESG-Berichten offenbaren Organisationen, wie ihre Aktivitäten die Umwelt, die Gesellschaft und ihre Mitarbeiter beeinflussen. Kennzahlen sind zum Beispiel der CO2-Austoß oder der Energieverbrauch eines Unternehmens, der Anteil von Frauen in Führungspositionen, Diversität oder die geschlechtsspezifische Lohnverteilung.

Vorgeschrieben hat die Berichterstattung die EU im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive. Die Einführung des ESG-Reportings erfolgt gestaffelt, je nach Unternehmensgröße. Große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern müssen ab dem Jahr 2024 nach den neuen Anforderungen berichten, während große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern ab 2025 und kapitalmarktorientierte KMU ab 2026 in der Pflicht stehen. Der Berichtspflicht ab 2025 unterliegen in Deutschland rund 15.000 Unternehmen.

Vorteile ESG-Bericht

„Die Einführung nicht-finanzieller Ziele ermöglicht es Unternehmen, über finanzielle Kennzahlen hinauszugehen“, sagt Steffen Wagner, Partner und Head of Transport & Leisure sowie Head of Infrastructure bei KPMG, zu den Vorteilen der Berichterstattung.

KPMG hat in der Studie „Nachhaltig steuern“ ESG-Verantwortliche von deutschen Unternehmen aus vier Industrien befragt und analysiert, wie sie ihre Organisation hinsichtlich ESG-Themen ausrichten und welche Maßnahmen sie ergreifen.

Die Ergebnisse im Detail

Für die ZfK hat Steffen Wagner die Ergebnisse von Infrastrukturanbietern kommentiert. Demnach befassen sich insgesamt 92 Prozent der befragten Infrastruktur-Unternehmen mit Chancen und Risiken im operativen Geschäft und gehen bei ihren Aktivitäten über die gesetzlichen Vorgaben sowie die Mindeststandards der Stakeholder hinaus, so ein Ergebnis.

Allerdings gaben auch 46 Prozent an, Chancen und Risiken proaktiv zu managen. In anderen Bereichen war hier der Anteil signifikant höher. Wagner geht davon aus, dass dies daran liegt, dass in anderen Branchen das Erfassen von ESG-Kennzahlen auch zur Attraktivität des Unternehmens beiträgt und für Wettbewerbsvorteile sorgt. Im Infrastrukturbereich hingegen herrschen häufig auch monopolartige Marktstrukturen (ohne Wettbewerber) vor.

Das zeigt sich auch in den Umfrageergebnissen: Für 84 Prozent der befragten Infrastrukturunternehmen ist der Hauptgrund für Ihre ESG-Aktivitäten der Klimawandel. Weitere Gründe sind Kundenerwartungen und -bedürfnisse (86 Prozent) sowie Politik und Regulierung (66 Prozent). Wettbewerbsdruck hat mit 40 Prozent die geringste Bedeutung.

Größte Herausforderungen

Als größte Herausforderungen werden von den befragten Infrastruktur- und Versorgungsunternehmen die Vereinbarkeit von ESG-Themen mit der Geschäftsstrategie genannt (64 Prozent). Auch die Überwachung von Zielen und die Steuerung zur Zielerreichung wird mehrheitlich als fordernde Aufgabe wahrgenommen.

Immerhin messen 60 Prozent der Befragten der tatsächlichen Umsetzung eine hohe oder sogar sehr hohe Bedeutung bei. Bei 72 Prozent ist in der Infrastrukturbranche ESG in der obersten Managementebene verordnet, das spiegelt die Bedeutung des Themas wider.

Pflicht als Chance

Die Berichterstattung sollte auch als Chance wahrgenommen werden, sagt Wagner. „Die Beschaffung von E-Bussen zum Beispiel kann eine Chance sein, weitere regenerative Möglichkeiten auszubauen, wie eine Solaranlage auf dem Dach oder ein Speicher, der dabei hilft, den Energieeinkauf zu optimieren.“ Aus der ESG-Berichterstattung könne man daher selbst konkrete Maßnahmen für die eigene Geschäftsstrategie ergreifen.

Vorgehensweise

„Wenn das jetzt umgesetzt werden muss, sollte man aus der Pflicht eine Tugend machen“, so Wagners Rat. Zuerst sollte man eine Bestandsaufnahme machen: „Wie kann ich die Auflagen erfüllen?“ und „Was brauche ich künftig, um die Auflagen zu erfüllen?“ sollten dabei zum Beispiel Fragestellungen sein. „Man sollte aber auch klären, wer sich künftig um die Berichtserstellung kümmert – schließlich muss jeder im Team wissen, was er macht.“

Aus der Bestandsaufnahme leiten sich die nächsten Schritte ab: „Wie kann ich den Bericht erstellen? Was bedeutet das anschließend für meine Unternehmensstrategie?“. Wichtig, so Wagner, sei es, jetzt zu beginnen, da sich das Jahr 2025 bereits mit großen Schritten nähert.

Entscheidender Schritt für finanziellen Erfolg

Für Wagner stellt die Einführung des ESG-Reportings einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltiger Unternehmensführung dar.

„Klare ESG-Strategien, integriertes Management und transparente Berichterstattung können nicht nur den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, sondern auch als Grundlage für langfristigen finanziellen Erfolg dienen. Es liegt an den Unternehmen, den Weg zur Nachhaltigkeit aktiv zu gestalten und somit die Zukunft ihrer Branche zu prägen“, so Wagner. (sg)

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