Geht es nach Deutschlands führenden Wärmeverbänden, soll die am Freitag gestartete Fernwärmepreis-Transparenzplattform mit so manchem Mythos aufräumen. Einer lautet da: Grüne Fernwärme ist teurer als fossile Alternativen.
Eine Korrelation zwischen grünen Energieträgern und hohen Preisen gebe es nicht, stellte John Miller, stellvertretender Geschäftsführer des Fernwärmeverbands AGFW, klar. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die Plattform, dass grüne Fernwärme schon jetzt konkurrenzfähig sein kann und fossile Alternativen preislich schlägt.
Konkurrenzfähige Hackschnitzelkessel
Beispiel Amberg in der bayerischen Oberpfalz. Der Kommunalversorger erzeugt in einem seiner Netzgebiete Nahwärme aus einem Hackschnitzelkessel. Ein typisches Einfamilienhaus zahlt demnach rund elf Cent pro kWh.
Knapp eine Autostunde von Amberg entfernt liegt Hemau. Auch hier ist ein Hackschnitzelkessel im Einsatz. Die Kilowattstunde kostet hier für ein Einfamilienhaus weniger als neun Cent pro kWh. Damit belegt Hemau im derzeitigen Fernwärmepreis-Ranking Platz eins.
Abwärme aus dem Müllkraftwerk
Mit einem hohen Erneuerbaren- beziehungsweise klimaneutralen Anteil fällt auch das oberpfälzische Schwandorf auf. Die städtische Fernwärmeversorgung bezieht ihre Wärme aus dem örtlichen Müllkraftwerk. Für Spitzenlasten kann ein Reservekessel zugeschaltet werden, der mit Erdgas oder Heizöl beheizt wird. Nach eigenen Angaben werden damit 75 bis 100 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugt.
Zur Einordnung: Laut Plattform-Glossar wird unvermeidbare Abwärme als klimaneutral eingestuft. Im kommunalen Wärmeplanungsgesetz und Heizgesetz wird unvermeidbare Abwärme auf eine Stufe mit erneuerbaren Energien gestellt.
Oberpfälzer unter sich
Auch Schwandorf spielt preislich ganz vorne mit. Nach eigenen Angaben kostet die Kilowattstunde hier weniger als neun Cent pro kWh. Damit reiht sich die Große Kreisstadt direkt hinter Hemau auf Platz zwei ein.
Zum Vergleich: Die Gaspreise für Schwandorf bewegten sich am Dienstag bei der Plattform Verivox bei neun Cent pro kWh aufwärts. Grundpreise wurden hierbei nicht berücksichtigt. Perspektivisch dürften Gaspreise mit zunehmendem CO2-Preis weiter steigen.
Steinkohle-Fernwäme bei 12 Cent pro kWh
Generell gilt, dass Fernwärmepreise anders als Strom- oder Gaspreise nur schwer miteinander vergleichbar sind. Der aufgerufene Preis hängt wesentlich davon ab, welche Energieträger eingesetzt werden, wie lange das Wärmenetz ist, wie die Kundenstruktur aussieht und welcher Beschaffungszeitraum einfließt.
Auf der Transparenz-Plattform gab lediglich ein Unternehmen an, seine Fernwärme bislang ausschließlich aus Steinkohle zu gewinnen: die Stadtwerke Speyer. Sie geben einen Kilowattstundenpreis in Höhe von 12,3 Cent pro kWh an.
Geothermie in Garching
Deutlich mehr Fernwärmeversorger nutzen ausschließlich Erdgas. Kein Unternehmen liegt hier unter der Zehn-Cent-Schwelle. Den niedrigsten Preis bieten demnach die Stadtwerke Weimar mit 12,4 Cent pro kWh. Die höchsten Preise liegen bei 40 Cent pro kWh.
Fernwärmeprojekte mit mehrheitlichem Solarthermie-Anteil sind auf der Plattform bislang noch nicht zu finden. Dafür ist ein Fernwärmenetz im oberbayerischen Garching gelistet, das zu mindestens drei Vierteln mit Erdwärme gespeist wird. Spitzen werden mit Erdgas und Leichtöl gedeckt. Der Garchinger Fernwärmepreis für ein typisches Einfamilienhaus: 11,6 Cent pro kWh. (aba)
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