Am Freitag, Punkt elf Uhr, ist sie gestartet, die erste umfassende Fernwärme-Preistransparenzplattform Deutschlands, aufgesetzt von den Wärmeverbänden AGFW, BDEW und VKU. Der Name der Plattform: "Wärmepreise.info". Ihr Hintergrundbild: eine aufgehende Sonne.
Kernstück des Projekts ist eine Preisübersicht, in der nach Angaben der Betreiber rund 200 Unternehmen mit insgesamt etwa doppelt so vielen Wärmenetzen gelistet sind.
"Es ist kein Check 24"
Eine allgemeine Suchfunktion fehlt noch. Auch eine personalisierte Eingabemaske, wie sie bei gängigen Strom- und Gasvergleichsportalen üblich ist, gibt es nicht. "Es ist kein Check 24", ordnete John Miller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Fernwärmeverbandes AGFW, ein.
Vielmehr werden Fernwärmepreise für die drei Standardabnahmefälle Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus und kleiner Industriebetrieb angezeigt. Die Preise können auf- oder absteigend sortiert werden.
Stadtwerke Hemau stechen heraus
Hinzu kommt eine Vielzahl von Zusatzinformationen. Die Versorger haben angegeben, wie häufig sie ihre Preise anpassen, wie viel Wärmeerzeugungsleistung angeschlossen ist, welche Energieträger eingesetzt werden, wie hoch der Anteil erneuerbarer und klimaneutraler Energien ist und wie hoch der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung ist.
Die bayerischen Stadtwerke Hemau sind bei Einfamilienhäusern mit einem Wärmepreis von 8,7 Cent pro Kilowattstunde (kWh) derzeit am günstigsten. Sie setzen vor allem auf Wärme aus ihrem 2008 in Betrieb gegangenen Hackschnitzelwerk. Spitzen werden durch Gaskessel abgedeckt.
Preise von vielen Faktoren abhängig
Den höchsten Preis ruft EWE Vertrieb in einem seiner Oldenburger Wärmenetzgebiete auf. Dort zahlt man für die Kilowattstunde 39,4 Cent. Als Energieträger wird hier Erdgas eingesetzt.
Grundsätzlich hängen Fernwärmepreise von vielen Komponenten ab und können je nach Wärmeerzeugung, Kundenstruktur, Wärmenetz oder Zeitpunkt der Preisfestsetzung stark variieren.
Viele große Versorger vertreten
Beim Durchblättern fällt auf, dass viele große Fernwärmeversorger aufgelistet sind. So finden sich die Berliner Wärmenetze, die früher Vattenfall gehörten und heute im Besitz des Berliner Kommunalunternehmens BEW sind, ebenso in der Übersicht wie das Fernwärmegebiet der Hamburger Energiewerke.
Die Stadtwerke München, die Kölner Rheinenergie, die Frankfurter Mainova und der Stuttgarter Fernwärmeversorger EnBW sind ebenfalls vertreten. Und auch Eon-Töchter wie die Süwag oder Avacon sind dabei.
Eon fehlt noch in der Liste
Eon selbst ist allerdings noch nicht gelistet. Nach ZfK-Informationen könnte sich dies allerdings bald ändern. Auf kommunaler Seite fehlen hier und da ebenfalls noch ein paar größere Versorger. Zu nennen sind hier beispielsweise die Städtischen Werke Magdeburg oder die Chemnitzer Eins Energie.
Nach Angaben des Fernwärmeverbands AGFW sind bereits jetzt rund 50 Prozent des bundesweiten Fernwärmeabsatzes auf der Plattform abgebildet. Weitere Unternehmen hätten signalisiert, nachzuliefern, sagte John Miller, stellvertretender Geschäftsführer beim Verband.
Im Herbst Überarbeitung geplant
Für den Herbst ist eine größere Überarbeitung der Plattform geplant. Danach sollen Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Daten direkt in das Backend einzupflegen.
Mit der neuen Plattform wollen die führenden deutschen Wärmeverbände nach eigenen Angaben einen Beitrag zu mehr Preistransparenz in der Fernwärme leisten. Ziel sei es, Verbrauchern einen Überblick über die Fernwärmepreise in Deutschland zu geben.
Kritik an Fernwärmepreisen
Die Plattform gilt auch als eine Antwort auf Verbraucherschützer, die dem Fernwärmesektor mangelnde Transparenz vorwerfen. Die Kritik war im Zuge der Energiekrise lauter geworden, weil sich zwischenzeitlich stark gestiegene Energiepreise mit zeitlicher Verzögerung auch in der Fernwärme niederschlugen.
Die Branche sieht sich jedoch zu Unrecht an den Pranger gestellt. So stellte AGFW-Präsident und MVV-Vorstand Hansjörg Roll im ZfK-Interview klar, dass die Zahl der Verbraucherbeschwerden deutlich geringer als im Strom- und Gasbereich sei. "Wir stellen hier auch keine Häufung fest, die die dezeitige Kritik rechtfertigen würde." (aba)
Hinweis: Hintergründe zum Thema Fernwärmepreise und Transparenzplattform finden Sie im aktuellen E-Paper der ZfK.
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