Die Preistransparenzplattform Fernwärme wurde von AGFW, BDEW und VKU im Mai dieses Jahres ins Leben gerufen. Gleich zu Beginn deckte sie gut die Hälfte des Fernwärmemarktes ab. Die Geschäftssparte Energy Infrastructure Solutions (EIS) von Eon war nicht dabei.
"Der Aufwand, die Daten bereitzustellen, ist bei der Vielzahl unserer Wärmenetze recht hoch", teilte eine Unternehmenssprecherin damals auf ZfK-Anfrage mit. "Daher ergänzen wir sukzessive Informationen zu unseren Netzen."
"Äpfel mit Birnen"
Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen vor Journalisten wurde Birnbaum nun deutlicher: "Welche Transparenz soll da wie geschaffen werden?", fragte Birnbaum auf die ZfK-Anfrage zum Beitritt zurück. Eon tue sich schwer, "Äpfel mit Birnen zu vergleichen". Die Gefahr dieser Transparenzplattform ist aus seiner Sicht, dass dort eine Scheintransparenz hergestellt wird, beispielsweise abgeschriebene gegen nicht- abgeschriebene Anlagen.
"Wir haben deswegen eine gewisse Zurückhaltung angenommen, proaktiv alle möglichen Zahlen reinzustellen, bevor diese Plattform regulatorisch klar definiert ist". Sollte es Veränderungen durch den Gesetzgeber und Regulierer, werde Eon "allem nachkommen, was von uns gefordert wird", sagte er.
Obwohl Eon der Transparenzplattform noch fernbleibt, sind einige Beteiligungen des Essener Konzerns bereits dabei. Dazu zählt Avacon mit acht Wärmenetzen, an dem Eon mit 61 Prozent Mehrheitseigner ist. Auch Hansewerk Natur, eine 100-Prozentige Tochter von Hansewerk, ist mittlerweile mit insgesamt 111 Netzen vertreten. An der Hansewerk-Gruppe hält Eon 66,53 Prozent der Anteile.
Keine pauschalen Tarifanpassungen
In fünf seiner sieben Vertriebsgebiete hatte der Essener Konzern seine Grundversorgungstarife zuletzt im September 2023 gesenkt. Dort liegen die Arbeitspreise teils bei noch über 40 Cent/kWh. Pauschale Preissenkungen sind hier trotzdem nicht geplant.
"Es gibt verschiedenste Tarife in verschiedensten Konzerngesellschaften und an einigen Stelle wird es auch tarifliche Bewegung geben", sagte Eon-Vorstandschef Leo Birnbaum auf ZfK-Anfrage. Eine pauschale Richtung für diese Preisanpassungen gebe es nicht. So könnte es bei den Sonderkundenverträgen, die in den vergangenen Jahren von den Verwerfungen der Beschaffungskrise geschützt wurden, sogar zu Preissteigerungen kommen, betonte der Eon-Chef.
Einen Eon-Preis für alle Kunden gebe es ohnehin nicht: "das gilt auch für unsere zahlreichen Grundversorgungsgebiete mit entsprechend regional unterschiedlichen Netzentgelten“. Wegen einer eher langfristig ausgelegte Beschaffungsstrategie des Unternehmens würden sich kurzfristige Volatilitäten an Spotmärkten – wie wir sie aktuell sehen - sind nicht direkt für die Endkunden bemerkbar machen. Insgesamt konnte der Konzern die Anzahl seiner Kunden über Jahre stabil halten. Aktuell gibt Eon ihre Zahl mit rund 47 Millionen an.
Halbjahreszahlen im Zielkorridor
Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres muss Eon einen Ergebnisrückgang hinnehmen, sieht sich jedoch weiter auf Kurs. Das bereinigte Ebitda belief sich auf 4,9 Mrd. Euro, was im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2023 einem Rückgang um 14 Prozent entspricht (5,7 Mrd. Euro). Der bereinigte Konzernüberschuss erreichte 1,75 Mrd. Euro und blieb damit um 24 Prozent unter dem Vorjahreswert.
"Das investitionsgetriebene Wachstum und die gute operative Performance, die Eon im laufenden Geschäftsjahr erzielt hat, wurden durch den Wegfall dieser Einmaleffekte überlagert", hieß es dazu zu Begründung aus Essen. Mit Blick auf die Prognose für das Gesamtjahr 2024 rechnet Eon unverändert mit einem bereinigten Konzern-EBITDA zwischen 8,8 und 9 Milliarden Euro.
In den ersten sechs Monaten hat das Unternehmen seine Investitionen auf 2,9 Mrd. Euro gesteigert, was im Vergleich zum ersten Halbjahr 2023 einem Plus von rund 500 Mio. Euro entspricht. Großteil der Investitionen entfiel mit über 2,1 Mrd. Euro auf das Netzgeschäft. Hier hat Eon auch die meisten von den 2000 neuen Stellen zu vermelden.
An der Börse wurde die Geschäftsentwicklung zunächst mit einem leichten Kursanstieg honoriert, der allerdings schnell ins Minus drehte. Um 12:30 (14.08.2024) notierte die Aktie bei 12,26 Euro, was einem Minus von 1,05 Prozent entspricht. (am)
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