Die Energieversorgung Mittelrhein (Evm) mit Sitz in Koblenz hat sich zum Ziel gesetzt, von 2027 an klimaneutral zu arbeiten und bis voraussichtlich 2040 komplett klimaneutral zu sein. "Mit unserer Expertise im zentralen Feld Energie und den Erfahrungen unseres eigenen Engagements für nachhaltige Entwicklung beraten wir Geschäftskunden und Kommunen auf ihrem eigenen Weg zu erneuerbaren Alternativen. Wir verstehen uns als Treiber der Energiewende", sagt Mithun Basu.
Der Evm-Vorstand leitet nach einem Generationswechsel im Vorstand seit Mitte 2023 gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Hesse die Geschäfte des Energiedienstleisters. Sie stellten sich vor allem die Frage, ob und wie der Kommunalversorger den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Wärmewende umsetzten kann, ohne dabei ihre wirtschaftliche Stabilität zu verlieren.
Umfassender Strategiewechsel
Beide Vorstände sahen Anfang 2024 die Notwendigkeit eines umfassenden Strategiewechsels. Mit den Fachleuten von"FutureBusiness.Partners" (FB.P) ist das Strategiepapier "compass.30" für das gesamte Unternehmen entstanden, das die Richtung zu einer nachhaltigen Transformation vorgibt. Die Karlsruher Unternehmensberatung unterstützt seit 2022 Unternehmen aus der Energiewirtschaft beim Übergang zu den neuen Denk- und Handlungsweisen der Geschäftswelt von morgen.
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Evm soll konkrete Antworten auf die drängendsten Fragen der Energiewende liefern.
Drei entscheidende Eckpfeiler für die Transformation
Für Basu waren bei der Transformation vor allem drei Eckpfeiler entscheidend. Zum einen der Wandel von einem Weiterverteilungsunternehmen klassischer Prägung hin zu einem nachhaltigen Energiedienstleister, die Verringerung des CO2-Fußabdrucks in der gesamten Unternehmensgruppe und ein Mentalitätswandel in der Unternehmenskultur.
"An vielen Stellen war der Wille zu einer Transformation schon zuvor vorhanden, allerdings nicht das Wissen darüber, wie wir sie am besten erreichen können. Dieses Spannungsfeld wollten wir im gesamten Prozess in jedem Fall auflösen", sagt der Evm-Vorstand.
Weitere Investitionen in Windkraft geplant
So liegt beispielsweise ein bedeutender Investitionsschwerpunkt auf dem Ausbau erneuerbarer Energie. Die beiden geplanten Windparks in der Westeifel und im nördlichen Rheinland-Pfalz mit bis zu 30 Windenergieanlagen sind dabei die größten Projekte mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Mit ihnen wird die Evm künftig rund 460 Millionen Kilowattstunden Ökostrom im Jahr produzieren.
"Wir hatten schon vor Compass.30 einen 20 Jahre alten Windpark, mit einer installierten Kapazität in Höhe von 60 Megawatt. Für ein Unternehmen mit 1,2 Milliarden Umsatz war dies natürlich bescheiden. Deshalb planen wir in den nächsten fünf Jahren ein deutlich größeres Investitionsvolumen in diesem Bereich", sagt Basu.
Partizipatorischer Ansatz soll starre, unflexible Prozesse auflösen
Die Evm hat in der Vergangenheit häufig versucht, Strategieprojekte in der Hierarchie kaskadenförmig von oben nach unten zu delegieren, was zu einem sehr starren und unflexiblen Prozessverlauf führte. Die Mitarbeitenden konnten nicht mehr korrigierend eigreifen oder Unklarheiten ausräumen. Änderungen oder Unsicherheiten während des Projektverlaufs waren schwer zu bewältigen. Dies führte zu Frustration, ineffizienten Prozessen und suboptimalen Ergebnissen.
FB.P wählte deshalb in der Beratung einen partizipatorischen Ansatz, um die aktuelle Strategie der Evm zu erfassen und weiterzuentwickeln. Die Karlsruher Unternehmensberatung wirkte hier eher als Moderator und nicht ausschließlich als Wissensvermittler. "Uns war wichtig, auf bereits bestehendes Wissen zurückgegriffen und bereits in diesem frühen Stadium des Prozesses einen Schritt in Richtung einer neuen Führungskultur zu gehen, um mehr Verantwortung zu delegieren", erklärt Basu.
Werteorientierte Führung sowie Nachhaltigkeit
Der Fokus des Beratungsmodells liegt dabei nicht mehr auf kurzfristigem Erfolg, sondern darauf, Verantwortung für die Zukunft zu tragen. Dieser Beratungsansatz soll Versorgungsunternehmen in die Lage versetzen, einen Paradigmenwechsel zu vollziehen, um künftig die Transformation besser gestalten zu können.
Das Zentrum bildet eine Werte orientierte Führung sowie Nachhaltigkeit. "Managementinstrumente, die sich an vergangenen Trends orientieren, sind nicht mehr geeignet. Stadtwerke, die sich zum Erwerb dieser Future Skills bereit erklären, haben viel eher die Chance, an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken und schließlich Erfolg zu haben", erklärt FBP-Geschäftsführer Stefan Mierzowski.
Für Basu war der werteorientierte und partizipative Ansatz genau der richtige. "Mir sind lernende Organisationen immer sehr wichtig, sodass unsere Führungskräfte von den Experten lernen und die neuen Fähigkeiten in zukünftigen Projekten anwenden können. Von einer Helikopterberatung hat keiner etwas", sagt der Evm-Vorstand
Partizipative Teams erarbeiten "compass.30"
"Unser partizipativer Ansatz zielt darauf ab, die Komplexität und Unsicherheit von Großprojekten besser zu bewältigen und die Effizienz der Umsetzung zu erhöhen", sagt Mierzowski.
"Gleichzeitig übertragen wir Verantwortung und Entscheidungsbefugnisse auf diejenigen, die am nächsten am Geschehen sind. Dies trägt dazu bei, Projekte zielgerichteter und erfolgreicher umzusetzen und schafft ein engagiertes und motiviertes Arbeitsumfeld für alle Beteiligten."
Die Teams arbeiteten in agilen Strukturen und waren innerhalb eines flexiblen Rahmens entscheidungsbefugt. Sprich, sie konnten jederzeit, effizient auf Veränderungen im Projektverlauf reagieren und aktiv Verantwortung für den Projekterfolg übernehmen. Dies förderte Transparenz und eine klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten.
Ablauf in der Praxis
In 50 Workshops mit einer jeweiligen Laufzeit von zwei bis drei Stunden erarbeiteten die Teams von den jeweiligen Geschäftsfeldern her kommend eine Gesamtstrategie. Diese ist modular aufgebaut und hat die gesamte Evm-Gruppe im Blick.
Zusätzlich gibt es jedoch auch einzelne Geschäftsfeldstrategien für Finanzen, Wärme oder erneuerbare Energien. Dieses Vorgehen ermöglicht eine ganzheitliche Sichtweise und die Berücksichtigung unterschiedlicher Anforderungen. Die Gesamtstrategie wurde mithilfe einer sogenannten SWOT-Analyse – das Akronym steht für Strenghts, Weakness, Opportunities und Threats – erarbeitet, indem für 17 Strategiebereiche die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken herausgearbeitet wurden.
Im Anschluss daran analysierte und gliederte die Evm die verschiedenen Aspekte der Unternehmensführung, darunter Strategie, Struktur, Systeme, Stil, Personal, Fähigkeiten sowie gemeinsame Werte (7-S-Modell), wobei die einzelnen Aspekte miteinander verbunden sind und sich gegenseitig beeinflussen.
Die einzelnen Teams entwickelten daraus dann für jeden Strategiebereich ein Zielbild und eine Roadmap mit den wichtigsten Umsetzungsmaßnahmen. In den marktnahen Strategiefeldern wurden zusätzlich PESTEL-Analysen durchgeführt, mithilfe dieser externe Einflussfaktoren auf ein Unternehmen untersucht, klassifiziert und systematisch ausgewertet sowie Erfolgsmessgrößen ermittelt werden.
Roadmap in Fertigstellung und neue Wege
Derzeit stellt die Evm die Roadmap fertig. Basu und sein Team gleichen regalmäßig die Ziele aus dem Strategiepapier und den bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen ab. Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab. So setzt der Kommunalversorger etwa im Bereich Unternehmenssteuerung deswegen künftig nicht mehr ausschließlich auf die klassischen Finanzkennzahlen, sondern bezieht auch Markt- oder Prozesskennzahlen mit ein.



