"Die Bereitschaft und das Bewusstsein den Netzausbau als Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende anzusehen, ist enorm gestiegen", sagt Hans-Jürgen Brick, CEO von Amprion, im ZfK-Interview.

"Die Bereitschaft und das Bewusstsein den Netzausbau als Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende anzusehen, ist enorm gestiegen", sagt Hans-Jürgen Brick, CEO von Amprion, im ZfK-Interview.

Bild: © Amprion

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft VIK hat ja anlässlich des Störfalls  im europäischen Stromnetz am 8. Januar davor gewarnt, dass aufgrund der Abnahme gesicherter Leistung und der Zunahme fluktuierender erneuerbarer Energien das Stromnetz künftig nicht mehr so stabil ist. Ist das zu weit hergeholt?

Auf der einen Seite können wir natürlich die Sorgen des VIK nachvollziehen. Aber wir stehen ja erst am Beginn der Energiewende und dem damit verbundenen fundamentalen Umbau des Systems. Wir als Netzbetreiber bereiten uns darauf vor, mit den fluktuierenden Einspeisungen umzugehen, beispielsweise durch Innovationen im Netzbetrieb. Dort, wo bisher Kraftwerke waren, versuchen wir die fehlenden Schwungmassen durch rotierende Phasenschieber zu ersetzen. Das Thema hier ist Spannungshaltung. Dafür rüsten wir auch unsere Umspannanlagen mit so genannten Statcom-Anlagen nach – digitalisieren sie also. Natürlich greifen wir häufiger in den Netzbetrieb ein, aber das ist auch unsere Aufgabe als Netzbetreiber.

Doch gibt es noch zentrale Stellschrauben, um die Versorgungssicherheit mittelfristig noch besser zu stützen?

Für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit sind aus unserer Sicht drei Elemente notwendig: Neben der Systemstabilität benötigen wir ein bedarfsgerecht ausgebautes Netz sowie ausreichend Erzeugungskapazität. Gerade die Offshore-Windenergie trägt wesentlich zur Verstetigung der erneuerbaren Erzeugungsleistung bei. Im Netzentwicklungsplan ist darüber hinaus ein Zubau von Gaskraftwerken im Umfang von etwa 16 GW bis 2030 eingeplant. Hier ist wichtig, dass wir die Entwicklung dieser Erzeugungskapazitäten verfolgen, in den Szenarien für den Netzentwicklungsplan zugrunde legen und dann entsprechend nachsteuern. Das ist freilich die Aufgabe der Politik. Wir können hier nur auf mögliche Risiken hinweisen. Wir haben als Netzbetreiber gelernt, mit den Erneuerbaren Energien umzugehen. Die Systemdienlichkeit dieser Anlagen lässt sich sicher noch verbessern. Der fluktuierenden Einspeisung begegnet man aber perspektivisch am besten auch durch einen entsprechend flexiblen Verbrauch auf der Lastseite.

Sehen Sie denn eine größere Akzeptanz und ein besseres Verständnis in der Öffentlichkeit für die Bedeutung der Netze für die Energiewende. Haben die politischen Initiativen zum Netzausbau etwas bewirkt?

Die Bereitschaft und das Bewusstsein den Netzausbau als Bestandteil einer erfolgreichen Energiewende anzusehen, ist enorm gestiegen. Doch unsere Aufgabe ist weiterhin, für den Netzausbau als wichtigen Baustein für ein sicheres, regeneratives und klimafreundliches Energiesystem bei den Bürgern zu werben. Wir merken jedenfalls: Je mehr wir uns öffnen, desto mehr Menschen können wir mitnehmen. Dabei veranstalten wir beispielsweise Tage der Offenen Tür, bieten Bürgersprechstunden an oder schaffen mit unserem Info-Mobil auch in kleineren Orten die Möglichkeit zum direkten Dialog - ergänzend zu digitalen Angeboten.

Das Interview führten Klaus Hinkel und Hans-Christoph Neidlein

Lesen Sie mehr vom Interview mit Hans-Jürgen Brick in der aktuellen Februarausgabe der ZfK.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper