Tiefrote Zahlen im öffentlichen Nahverkehr haben das Ergebnis der Wuppertaler Stadtwerke zum zweiten Mal in drei Jahren ins Minus gedrückt.
So beendete der Kommunalkonzern das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust von 3,7 Mio. Euro. Der Umsatz stieg dagegen wegen Preissteigerungen in allen Bereichen von 880 Mio. auf 968 Mio. Euro, wie das Unternehmen mitteilte.
Auch 2019 negatives Ergebnis
Im Vorjahr hatten die Stadtwerke noch einen Gewinn von 5,1 Mio. Euro erwirtschaftet.
2019 hatte der Konzern ein negatives Ergebnis von 22,5 Mio. Euro bekanntgegeben. Hauptgrund dafür waren damals millionenschwere Rückstellungen für das Steinkohlekraftwerk. (Die ZfK berichtete.)
ÖPNV-Verlust bei 67 Mio. Euro
Auch im zweiten Pandemiejahr blieben die Fahrgastzahlen in Bus und Schwebebahn deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Zählten die Stadtwerke 2019 noch 86 Mio. Fahrgäste, waren es im abgelaufenen Jahr nur noch 59 Mio.
Die Folge: Das Defizit im Mobilitätssektor belief sich auf 66,7 Mio. Euro. 2020 waren es 61,2 Mio. Euro gewesen.
Teurere Neukundentarife
Herausfordernd war 2021 auch im Energieversorgungsbereich. Insbesondere massiv gestiegene Strom- und Gaspreise im Großhandel machten den Wuppertalern wie anderen Versorgern zu schaffen.
Infolge von Kündigungswellen anderer Lieferanten fielen im Dezember zudem rund 3000 Gas- und 4000 Stromkunden in die Grundversorgung der Stadtwerke. Auch um Bestandskunden vor deutlichen Preissteigerungen zu schützen, führte das Unternehmen teurere Tarife für Neukunden ein.
Versorgungssparte steigert Ergebnis
Noch heute werde rund ein Drittel von ihnen von den Stadtwerken grundversorgt, sagte Vorstandschef Markus Hilkenbach auf ZfK-Nachfrage. Der Rest sei in Wahltarife der Wuppertaler oder zu einem anderen Versorger gewechselt.
Insgesamt legte steigerte die Versorgungssparte ihr Ergebnis im Vorjahresvergleich leicht von 65,9 Mio. auf 67,4 Mio. Euro. Während der Stromabsatz pandemiebedingt leicht sank, stieg der Gas- und Fernwärmeabsatz vor allem wegen niedrigerer Temperaturen in der Heizperiode.
Hochwasser verursacht Millionenschaden
Gefordert waren die Stadtwerke auch im Zuge des Juli-Hochwassers in Westdeutschland. Hilkenbach bezifferte den dadurch verursachten Schaden an der Infrastruktur auf etwa 3,5 Mio. Euro.
Zufrieden zeigte sich der Manager mit der Entwicklung des Abholservices im Nahverkehr. Im Herbst 2020 hatten die Wuppertaler blaue Cabs samt einer "Hol mich"-App in der 350.000-Einwohnerstadt eingeführt, um das bisherige ÖPNV-Angebot gerade in den Außenbereichen zu ergänzen. (Die ZfK berichtete.) Noch sei der Service ein Zuschussgeschäft, sagte Hilkenbach. Die Nachfrage allerdings sei stark gestiegen.
Hilkenbach rechnet für 2022 mit positivem Ergebnis
Finanziell sieht der Vorstandschef seinen Konzern im Moment gut aufgestellt. Zudem zeigte er sich zuversichtlich, dass die Stadtwerke künftig wieder schwarze Zahlen schreiben würden.
Dies gelte bereits für das laufende Geschäftsjahr. "Stand heute sieht es ganz gut aus."
Preisrunde im vierten Quartal
Zugleich bereitete er Kunden seines Unternehmens auf Tariferhöhungen bei Strom und Gas im vierten Quartal vor.
Die Stadtwerke hätten sich zu gut 85 Prozent für das Folgejahr eingedeckt, sagte Hilkenbach. "Durch unsere solide Beschaffungsstrategie sind wir aber auch noch weit weg von dem, was wirklich an den Energiemärkten gerade los ist." (aba)



