772 Rolltreppen betreibt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) – und alle sind unterschiedlich. Das längste Exemplar am U-Bahnhof Karlsplatz (Stachus) misst 56,5 Meter, am steilsten hinauf oder hinunter geht es auf einer Rolltreppe am Marienplatz. Die Steigung dort beträgt 35 Prozent. Nur in puncto Geschwindigkeit gleichen sich die Münchner Anlagen, sie bewegen sich mit 0,5 Metern pro Sekunde voran. Ausnahme: Während des Oktoberfests wird am Bahnhof Theresienwiese auf 0,6 Meter pro Sekunde beschleunigt.
In der Regel geht es für eine Rolltreppe nach 30 bis 50 Jahren zur Verschrottung, eine Stufe hat bis dahin durchschnittlich 350.000 Kilometer zurückgelegt. Mit dem Austausch ist die MVG pausenlos beschäftigt. Die drei ersten "Modernisierungspakete" sind abgeschlossen:
Seit 2005 wurden rund 550 alte durch neue Rolltreppen ersetzt. Momentan und noch bis Ende 2026 läuft das vierte Modernisierungspaket mit weiteren 123 zu erneuernden Rolltreppen – eine Investition von rund 40 Millionen Euro. "Wir sind auf einem guten Weg und haben bereits 97 Anlagen ausgetauscht", sagt Abteilungsleiter Mario Princip.
Sensoren erfassen die Umgebung, sodass wir viele unterschiedliche Fehlerbilder erkennen können. Die Steuerung übermittelt dazu detaillierte Meldungen an die Zentrale.
Mario Princip, Abteilungsleiter Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)
Die neuen Modelle müssen strengere Sicherheitsanforderungen erfüllen als die alten. Princip nennt ein Beispiel: Zwischen den Stufen und dem Sockel der Balustrade gibt es kleine Spalten, damit sich die Stufen bewegen können. In diesen Spalten können sich Fahrgäste einklemmen. Um das Risiko zu verringern, sind spezielle Abweiser am Sockel angebracht. Die Technik schreitet immer weiter voran.
"Früher waren es vergleichsweise einfache Geräte. Die Schützsteuerungen, über einzelne Kontakte angebunden, lieferten nur wenige Meldungen." Seit 2015 baut die MVG bei jedem neuen Exemplar eine selbst entwickelte Steuerung ein, die die Rolltreppen zu vernetzten Maschinen macht.
"Sensoren erfassen die Umgebung, sodass wir viele unterschiedliche Fehlerbilder erkennen können. Die Steuerung übermittelt dazu detaillierte Meldungen an die Zentrale." Der Handwerker, der dann zwecks Fehlerbehebung zur Haltestelle eilt, weiß dadurch genau, welches Werkzeug er mitnehmen muss. Weiterer Vorteil der eigenen Steuerung: Egal, von welchem Hersteller die Rolltreppe stammt, es ist immer dieselbe Steuerung eingebaut. Für das Personal eine "klare Verbesserung" gegenüber früher, da es mit einem einheitlichen System arbeiten kann.
Arbeiten unter Zeitdruck
Auch in Bielefeld wurden in den letzten Jahren viele Rolltreppen erneuert. Von Herbst 2023 bis August 2025 waren es 19 Stück an den drei Haltestellen Hauptbahnhof, Jahnplatz und Wittekindstraße. Den Austausch führten die Bielefelder Beteiligungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft (BBVG), Eigentümerin der meisten Stadtbahnanlagen, und das Verkehrsunternehmen "moBiel", eine Tochter der Stadtwerke Bielefeld, durch. Die neuen Modelle sind deutlich energieeffizienter, unter anderem weil sie Frequenzumrichter eingebaut haben.
Der Austausch ist immer eine Nachtaktion. Während der Betriebspause, zwischen 1:30 und 4 Uhr, muss alles über die Bühne gehen. Zuerst wird die neue Rolltreppe vom Betriebshof in Sieker in drei Teilen auf einer Lore in die Tunnelhaltestelle gefahren. Die Fahrt dauert eine halbe Stunde. Vor Ort werden die Teile dann abgeladen. Da der Platz begrenzt ist, kann es da schon mal knifflig werden, so Projektleiter Marko Micanovic. "Wir arbeiten mit Hydraulikpressen und Muskelkraft. Alle müssen hochkonzentriert und effizient sein, schließlich ist der Zeitdruck groß."
Um 4 Uhr soll die alte Rolltreppe schon wieder in Sieker sein. Bei den Nachtaktionen sind viele Stellen involviert: Betriebsleitung, Verkehrszentrale, Fahrdienst, Fahrleitung, Instandhaltung. Die Rufbereitschaft ist informiert, falls etwas Unvorhergesehenes passiert.
Micanovic kümmert sich um die Kommunikation zwischen den beteiligten Gewerken. Die erste dieser konzertierten Aktionen im Jahr 2023 fand er besonders aufregend, viele waren das erste Mal dabei. Mit jedem weiteren Austausch kam aber immer mehr Routine dazu, irgendwann hat jeder Handgriff gesessen. "Meine anfänglichen Sorgen, dass etwas schiefgehen könnte, legten sich schnell."
Asbestfund macht es komplizierter
Bei SWB Bus und Bahn in Bonn ist Florian Montcenis als Fachbereichsleiter Technische Gebäudeausrüstung für 76 Anlagen zuständig. Diese werden in regelmäßigen Abständen geprüft, bewertet und dann eine nach der anderen ausgetauscht. 2023 waren es neun Stück. Kosten: 3,4 Millionen Euro.
Einige der ausgetauschten Rolltreppen stammen aus der Zeit, als der erste Tunnelabschnitt im Bonner Zentrum gebaut worden war – in den späten siebziger Jahren. "Sie haben teils über 40 Jahre ihren Dienst getan. Und hätten vielleicht auch noch ein paar Jahre länger gehalten, aber für die alten Modelle sind keine Ersatzteile mehr erhältlich."
Vor Kurzem war eine Rolltreppe an der Haltestelle "Museum Koenig" dran, insgesamt Austausch Nummer 70. Ein besonderer Fall, denn im Bodenbelagskleber des älteren Modells war Asbest gefunden worden. Also musste man einen "Schwarzbereich" errichten, ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Beim Entfernen des Asbests kam ein spezieller Filter zum Einsatz, der Luft absaugt und so verhindert, dass der Schadstoff aus dem "Schwarzbereich" herausdringt.
"In der Regel dauert der ganze Austausch sechs Wochen"
Montcenis selbst hat schon über 30 nächtliche Austauschaktionen hinter sich. Ein Bauzug transportiert die Einzelteile, die bis zu fünf Tonnen wiegen, vom Betriebshof in Beuel zur Haltestelle, wo sie abgeladen werden. Die alte Anlage geht anschließend zurück nach Beuel.
Der komplette Austausch ist aber viel mehr als diese Nachtaktion.
Florian Montcenis, Fachbereichsleiter Technische Gebäudeausrüstung bei den SWB Bus und Bahn Bonn
"Der komplette Austausch ist aber viel mehr als diese Nachtaktion." Schon gut zehn Tage vorher ist der Rolltreppenbereich abgesperrt. Dann wird zuerst einmal Platz geschaffen: Bahnsteigschilder, Sitzbänke und Mülleimer werden demontiert, um mehr Arbeitsraum zu haben.
Die Handwerker beginnen, die alte Anlage abzubauen und in kleinere Teile zu zerlegen. Nach dem An- und Abtransport vergehen weitere Wochen, in denen die neue Anlage zusammengesetzt und in Position gebracht wird. Nach der abschließenden Sachverständigen-Abnahme setzt sich die Fahrtreppe erstmals in Bewegung. In der Regel dauert der ganze Austausch sechs Wochen. "Wenn es gut läuft, sind es nur fünf", so Montcenis.
Made in Germany
Für die neuen Rolltreppen gibt es immer eine Ausschreibung, Bewerber sind auch deutsche Firmen: TKE, vormals ThyssenKrupp Elevator, aus Hamburg oder Geyssel aus Köln. Die US-Amerikaner sind mit Otis vertreten, die Schweizer mit Schindler. Das Rennen hat in den letzten Jahren oft TKE gemacht.
"Die produzieren sogar noch in Deutschland", so Montcenis. Die neuen Rolltreppen – mit Radar, LED-Beleuchtung und einem Schleich- und Ruhemodus ausgestattet – müssen jeweils exakt an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Da gibt es unterschiedliche Höhen, die zu überwinden sind. Und die Entfernungen zwischen den beiden Auflagepunkten der Anlage sind auch von Haltestelle zu Haltestelle unterschiedlich. "Deshalb ist jede Anlage ein Unikat."
Jetzt stehen nur noch sechs Erneuerungen an. Da sich diese Rolltreppen im jüngeren Tunnelabschnitt im Süden Bonns befinden und aus den neunziger Jahren stammen, sind weitere Asbestfunde unwahrscheinlich. Montcenis hofft, dass Ende 2026 alles vorüber ist. Dann kehrt, zumindest was die Rolltreppenerneuerung angeht, wieder etwas Ruhe ein.



