Matthias Sasse, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo

Matthias Sasse, Geschäftsführer der Stadtwerke Lemgo

Bild: © Looping Media

Die Stadt Lemgo in der Region Ostwestfalen-Lippe hat etwa 40.000 Einwohner. Die Stadtwerke fördern jährlich mehr als 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser aus 15 Brunnen.

Wie machte sich die Hitzewelle im Frühsommer in Ihrem Versorgungsgebiet bemerkbar?

Der heiße Juni führte bei uns zu trockenerem Erdreich, insbesondere in Wasserversorgungsbereichen, in denen keine Fernwärme oder andere Medien verlegt sind. Die Temperatur stieg zwar noch nicht auf ein Niveau, das die Trinkwasservorschriften nicht mehr erfüllt, aber wir beobachteten die Entwicklung genau. Zudem verzeichneten wir, wie bereits in den Vorjahren, bei hohen Temperaturen eine verstärkte Wasserentnahme für die Befüllung privater Pools und zur Bewässerung der Gärten.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Versorgung resilienter zu machen?

Wir arbeiten kontinuierlich an der Automatisierung unseres Gesamtsystems, dabei fließen Erkenntnisse über das Verbraucherverhalten und Herausforderungen in die Fahrweisen des Netzes ein. Darüber hinaus modernisieren wir unsere Versorgung durch neue Projekte sowohl im Bereich der Wassergewinnung als auch bei der Speicherung, wie zum Beispiel die Installation weiterer UV-Anlagen, hydrogeologische Beobachtungen aller Gewinnungsanlagen sowie die Vergrößerung und Sanierung unserer Trinkwasserspeicher.

Wo sind die größten Herausforderungen für Sie als Versorger für eine sichere Wasserversorgung?

Eine zentrale Herausforderung ist das hohe Abnahmeverhalten der Bürger:innen, was wir versuchen durch verschiedene Wege etwas zu steuern. Hierfür fahren wir zum Beispiel in diesem Sommer eine mediale Wassersparkampagne mit City-Lights, Video-Podcasts und Social-Media-Präsenz, haben aber auch Fachvorträge unter anderem zum Thema Wassersparen und Führungen zu unseren Gewinnungsanlagen, um die notwendigen Bemühungen und Investitionen vor Ort zeigen zu können, initiiert.

Auch eine Trinkwasserampel auf unserer Webseite haben wir in diesem Sommer neu eingeführt, sie zeigt den Lemgoer:innen auf, wie die aktuelle Wassersituation in der Stadt ist und ob Maßnahmen in den Haushalten ergriffen werden müssen.

Zudem gilt es, den wachsenden Anforderungen durch Industrieansiedlungen und Landwirtschaft gerecht zu werden, um die Versorgung dauerhaft sicherzustellen. Hier arbeiten wir bereits seit über 30 Jahren erfolgreich in der Kooperation Landwirtschaft-Wasserwirtschaft im Kreis Lippe mit.

Können Sie die nötigen Investitionen finanzieren? Oder braucht die Wasserwirtschaft mehr finanzielle Unterstützung?

Aktuell und in den kommenden Jahren sind erhebliche Investitionen notwendig, um unsere Netze und Anlagen zu erhalten sowie an den Klimawandel anzupassen. Diese Investitionen können jedoch nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden, was zu nicht auskömmlichen Ergebnissen für die Wasserversorger führt. Ein wesentlicher Hintergrund ist die starke und pauschale Regulierung durch die Kartellbehörde. Dabei werden vergangene Durchschnittspreise herangezogen, um die aktuellen Preise zu vergleichen. Dies führt dazu, dass Kostensteigerungen erst verzögert über Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergegeben werden können.

Zudem werden die individuellen Gegebenheiten der einzelnen Wasserversorger nicht ausreichend und angemessen berücksichtigt. Aus diesem Grund sind dringend zusätzliche finanzielle Mittel oder Änderungen in der Preisregulierung erforderlich, um auch in Zukunft eine sichere und qualitativ hochwertige Wasserversorgung gewährleisten zu können.
 
Von welcher weiteren Entwicklung gehen Sie in den nächsten zehn Jahren aus?

Wir gehen davon aus, dass weitere Investitionen in Millionenhöhe notwendig sein werden, um die Versorgung auch zukünftig zukunftsfähig zu gestalten. Diese Investitionen sind essenziell, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.

Das Interview führte Elwine Happ-Frank.

Das ist Teil 2 einer vierteiligen Serie zur Resilienz der Wasserversorgung.

Hier weitere Beiträge der Serie:
Verbundsysteme und Digitalisierung: Gelsenwassers Strategie gegen den Klimawandel
Harzwasserwerke trotzen Jahrhundertwasser und Extremdürre

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