Die Berliner Wasserbetriebe bauen ein riesiges Regenwasserbecken im Bezirk Mitte.

Die Berliner Wasserbetriebe bauen ein riesiges Regenwasserbecken im Bezirk Mitte.

Bild: © Julia A. Simmons

104 Stufen führen in die Tiefe, zwanzig Meter unter die Erde. Dann steht man an einem Ort, den nur wenige Menschen jemals zu Gesicht bekommen werden: das größte Regenbecken der Hauptstadt. Bei seiner Fertigstellung wird es mehr als sechs olympische Schwimmbecken fassen, das sind 16 750 Kubikmeter Wasser. Rund 40 Meter misst diese beachtliche Regentonne im Durchmesser. Hierhin haben die Berliner Wasserbetriebe (BWB) für ihre Bilanzpressekonferenz geladen. Auch wenn die anwesenden Journalist:innen in dem Bauwerk frieren, so wird doch deutlich, welche Bedeutung es für die Resilienz der Stadt haben wird.

Noch ist der Boden hier trocken – doch das wird sich bald ändern. Wenn Starkregenereignisse die Klärwerke, die Kanalisation und die Pumpsysteme der Stadt an ihre Grenzen bringen, soll das Mischwasser hierher umgeleitet werden, und zwar ab Ende dieses Jahres. Und es kann binnen 30 Minuten vollständig gefüllt sein.

Resilienz der Wasserversorgung stärken

Die Wasserressourcen Berlins sind begrenzt. Ein Großteil des Trinkwassers stammt aus dem Grundwasser, angereichert durch Uferfiltration aus den Flüssen der Stadt, Spree, Havel und Dahme. Für die Wasserversorgung der einwohnerreichsten Stadt Deutschlands braucht es somit ein komplexes System, das den verschiedenen Anforderungen gewachsen ist.

Berlins Antwort darauf ist die Schwammstadt. Die soll Wasser aufnehmen, speichern und nutzen, wo es fällt, statt es ungenutzt abzuleiten. Seit 2016 ist der Umbau zur Schwammstadt in allen Koalitionsvereinbarungen der Berliner Landesregierungen festgelegt. Das Regenbecken ist Teil dieser Umbaumaßnahmen und bildet das Finale des seit Jahrzehnten laufenden Stauraumprogramms mit einer Gesamtspeicherkapazität von über 300.000 Kubikmetern.

Rekord bei Investitionen

Neben der riesigen Regentonne stellten die Wasserbetriebe noch weitere bemerkenswerte Entwicklungen vor: 544 Millionen Euro hat das städtische Unternehmen in das Wassernetz investiert, gegenüber 539 Millionen Euro im Vorjahr. Das sind mehr als 40 Prozent des Gesamtumsatzes.

"Die Hauptstadtregion wächst, unsere Umwelt verändert sich, das stellt die Wasserbetriebe vor Herausforderungen. Denen stellen wir uns und machen jeden Tag unsere Infrastruktur robuster und die Stadt resilienter", sagte Vorstandsvorsitzender Frank Bruckmann. Die Investitionen dürften bis 2027 sogar die 600-Millionen-Marke knacken.

Knapp die Hälfte der Investitionen entfiel auf Sanierung, Erneuerung und Erweiterung von Rohren und Kanälen des rund 19 000 Kilometer langen Netzes. In diesem Bereich stiegen die Ausgaben um fünf Prozent, von 251 Millionen Euro auf 266 Millionen Euro.

Der nächstgrößere Posten mit 233 Millionen Euro sind die Klär-, Pump- und Wasserwerke, der im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gesunken ist. Dort liegt der größte Anteil beim Ausbau der Kläranlagen bei rund 80 Prozent.

Ein Defizit aus Altlasten

Ein Fehlbetrag von knapp 150 Millionen Euro scheint zunächst die Bilanz zu trüben. Doch Vorstand Bruckmann erklärt, dass es sich um einen Sondereffekt handelt: Die BWB haben einen sogenannten Goodwill aus der Zeit der Rekommunalisierung vollständig abgeschrieben. Rechne man diesen Sondereffekt heraus, sei das Ergebnis auf dem Niveau der Vorjahre, teilte Bruckmann mit. 

Der Umsatz stieg leicht auf 1,34 Milliarden Euro, das operative Geschäft lief stabil: Der Wasserverkauf nahm etwas zu, auf 216 Millionen Kubikmeter (214 im Vorjahr), und die Gebühren blieben unverändert. Das scheint ein solider Ausgangspunkt für weitere notwendige Investitionen in den kommenden Jahren zu sein.

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