Von Lucas Maier
Bereits im Januar hat der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) eine Studie zum Investitionsbedarf in der (Ab-)Wasserwirtschaft veröffentlicht. Rund 800 Milliarden Euro müssen in den kommenden 20 Jahren bundesweit investiert werden, so das Ergebnis.
Die Kosten pro Jahr werden sich von heute 10 Milliarden auf 40 Milliarden Euro vervierfachen. Der VKU forderte zu Jahresbeginn bereits staatliche Hilfen. Nun hat sich der hessische Landesverband des VKU die Kosten für sein Bundesland angeschaut. Die Auswertung wurde von Becker Büttner Held BBH durchgeführt. Das sind die Ergebnisse.
Rund 20 Prozent der Unternehmen befinden sich in Hessen
Bei der Umfrage nahmen bundesweit 94 Unternehmen aus der Wasserwirtschaft teil. Davon sind 21 in Hessen ansässig. Dabei waren rund 60 Prozent reine Trinkwasserversorger, jeweils 20 Prozent entfielen auf reine Entsorger und solche, die beides abdecken. Der Großteil der Betreiber hat eine Netzlänge unter 500 Kilometer zu verantworten.
Die Rehabilitätsrate (Reha) im mittleren Segment für die nächsten zehn Jahre liegt in Hessen beim Abwasser unter dem Bundesdurchschnitt, bei der Trinkwasserversorgung deutlich höher. Über die Rate wird angegeben, wie viel Prozent des Netzes pro Jahr erneuert oder saniert wird. Der mittlere Bereich gibt den Anteil am hessische Gesamtnetz an, der eine Reha-Rate von 1 bis 1,5 Prozent aufweist.
Bei den Reha-Raten über 1,5 Prozent liegt Hessen im Abwasserbereich sogar weit über dem Bundesschnitt. Während es gesamt lediglich 17,9 Prozent sind, weist Hessen 50 Prozent auf. Beim Trinkwasser liegt der Wert in dieser Kategorie mit 17,6 Prozent unter dem Bundesschnitt von 21,7 Prozent.
Alte Netze in Hessen
In der Studie wurde zudem beleuchtet, welche Anteile im jeweiligen Netz vor 1965 gebaut wurden. Dabei zeigt sich, das Hessen sowohl im mittleren (20 – 40 Prozent) als auch im höheren Segment (über 40 Prozent) sowohl im Wasser als auch im Abwasserbereich höher liegt als der Bundesdurchschnitt.
Leitungen teurer als im Bundesschnitt
Der Preis pro Meter Trinkwasserleitung ist in Hessen höher als im Bundesdurchschnitt. Der Gesamtschnitt liegt mit 11,4 Prozent Leitungen unter 400 Euro pro Meter 6,1 Prozent höher als in Hessen. Bei der höchsten Kategorie, in der der Meter Leitung über 600 Euro liegt, weist Hessen einen Anteil von 63,2 Prozent auf. Im Bundesdurchschnitt sind es hingegen nur 41,4 Prozent.
Beim Abwasser liegt Hessen in der niedrigsten Kategorie, unter 600 Euro pro Meter, mit zehn Prozent nahezu auf dem Wert des Bundesdurchschnitts. In der höchsten Kategorie, über 800 Euro pro Meter liegt Hessen mit 50 Prozent leicht unter dem Bundesschnitt von 53,8 Prozent.
Die anstehenden Investitionen für Abwasser
Rund 46 Milliarden Euro beträgt der Investitionsbedarf beim Abwasser in Hessen bis 2044. 64 Prozent davon entfallen auf das Abwasserentsorgungsnetz. Für die Behandlung des Abwassers entfallen rund 18 Prozent. Auf Regenentlastungsanlagen entfallen rund 19 Prozent.
Bis zum Jahr 2034 wird laut der Erhebung ein Investitionsvolumen von rund 19 Milliarden Euro fällig. Auf das Netz entfallen davon rund 9,5 Milliarden Euro. Im darauffolgenden Jahrzehnt steigt der Investitionsbedarf auf dann rund 27 Milliarden Euro. Insgesamt ergibt sich daraus eine durchschnittliche Investitionshöhe von 2,3 Milliarden Euro pro Jahr für den Abwasserbereich.
Die anstehenden Investitionen für Trinkwasser
Im Bereich des Trinkwassers braucht es in Hessen bis 2044 ein geschätztes Investitionsvolumen von rund 18,5 Milliarden Euro. 74 Prozent entfallen dabei auf das Versorgungsnetz, der Rest auf Aufbereitungs-, Speicher- und Gewinnungsanlagen.
Das Volumen bis 2034 beläuft sich auf rund 11,2 Milliarden Euro. Im darauffolgenden Jahrzehnt, also von 2035 bis 2044, sinkt das Volumen auf rund 7,4 Milliarden Euro. Im Durchschnitt beträgt das Investitionsvolumen pro Jahr rund 0,9 Milliarden Euro.
Klimawandel kostet bares Geld
Laut VKU werden sich die Investitionsvorhaben nicht direkt als Belastungen auf die Bürgerinnen und Bürger auswirken. Hintergrund ist, dass die Investitionen über die Jahrzehnte der Nutzung abgeschrieben werden und sich somit auf alle Nutzergruppen verteilen. "Dennoch werden sich die Investitionen auf lange Sicht auch in steigenden Entgelten für Wasser und Abwasser niederschlagen", stellt der Verband klar.
Die Auswirkungen des Klimawandels, etwa durch erforderliche Anpassungen der Infrastruktur oder den Umgang mit Starkregen und Trockenperioden, machen rund zehn bis 15 Prozent der Kosten aus. "Viele Anlagen in Hessen sind zwar in einem guten Zustand, doch ein erheblicher Teil der Infrastruktur nähert sich dem Ende seiner Lebensdauer", erklärt Martin Heindl, Geschäftsführer der VKU-Landesgruppe Hessen. "Gleichzeitig müssen wir unsere Netze und Anlagen fit für die Zukunft machen – das heißt: klimaresilient, leistungsfähig und nachhaltig." Dafür müssten die politischen Weichen jetzt gestellt werden. Heindl appelliert deshalb an die Landesregierung, zusammen mit der kommunalen Wirtschaft an Lösungen arbeiten.
Die ganze Studie finden Sie hier.


