Von Elwine Happ-Frank
Die Wasserversorgung in Deutschland genießt weiterhin ein hohes Vertrauen bei den Verbraucher:innen. Wie der aktuelle Datenreport 2024/25 der vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) unterstützten Langzeitstudie "Qualität und Image von Trinkwasser in Deutschland" zeigt, bewerten über 87 Prozent der Befragten ihr Leitungswasser als "sehr gut" oder "gut". Neun von zehn Verbrauchern stufen das deutsche Leitungswasser als sauber, rein und wohlschmeckend ein.
Diese positive Bewertung spiegelt sich auch in der tatsächlichen Nutzung wider: Über 95 Prozent der Befragten nutzen Leitungswasser unmittelbar als Trinkwasser, fast drei Viertel davon mehrmals täglich oder jeden beziehungsweise fast jeden Tag.
Auch der Service der Wasserversorger wird überwiegend positiv bewertet. Über 71 Prozent der Befragten vergeben die Noten "sehr gut" oder "gut", insgesamt zeigen sich mehr als 83 Prozent mindestens zufrieden. Im Vergleich zu den Vorjahren sei allerdings ein leichter Rückgang zu verzeichnen, während die Zahl der eher unzufriedenen Kunden auf insgesamt 9,7 Prozent leicht zunimmt, stellt der VKU fest.
Dennoch zeichnen sich die Wasserversorger in Deutschland laut der VKU-Studie im Branchenvergleich mit absoluten Spitzenwerten aus – sowohl im Hinblick auf Qualität und Kundenwahrnehmung als auch bei den Leistungen. In einem Ranking zur Daseinsvorsorge belegen die Wasserqualität mit 87,8 Prozent und der Service der Wasserversorger mit 72,1 Prozent die Plätze eins und zwei bei der Kundenzufriedenheit.
Verbraucher überschätzen Kosten für Leitungswasser
Beim Thema Kosten zeigt sich ein differenziertes Bild. Die tatsächlichen Kosten für Leitungswasser werden teilweise deutlich überschätzt oder sind den Verbraucher:innen schlicht nicht bekannt. 42 Prozent der Befragten wissen nicht, was sie für Wasser bezahlen, weitere 13 Prozent machten keine Angaben.
Nur knapp über 43 Prozent gaben an, die Höhe der Rechnung genau oder zumindest annähernd zu kennen. Als Hauptgrund wird angeführt, dass der Betrag nicht eindeutig in der Nebenkostenrechnung aufgeschlüsselt ist (35,7 Prozent). Immerhin 27,3 Prozent kümmern sich überhaupt nicht um diese Kosten und 10 Prozent interessieren sich nicht dafür.
Bei einer Schätzung für den Preis von 1000 Litern am eigenen Wohnort nennen 34,6 Prozent zwei bis drei Euro, 18,2 Prozent einen bis zwei Euro und 14,8 Prozent drei bis fünf Euro. 1,5 Prozent meinen, dass ein Kubikmeter Trinkwasser zehn Euro und mehr kosten würde.
Trotz der teilweise fehlenden Kostentransparenz wird das Preis-Leistungs-Verhältnis positiv bewertet. Fast die Hälfte der Befragten (47,8 Prozent) bezeichnet es als "sehr gut" oder "gut", 85,1 Prozent halten es für mindestens angemessen. Dass qualitativ einwandfreies Trinkwasser den Menschen viel wert ist, zeigt die Zahlungsbereitschaft: 24,4 Prozent der Befragten würden 151 bis 200 Euro pro Person und Jahr bezahlen, 21,8 Prozent 101 bis 150 Euro pro Person und Jahr.
Sorgen um die zukünftige Wasserqualität
Besorgniserregend sind jedoch die Zukunftsaussichten aus Verbrauchersicht. Obwohl die Kunden um den Wert des Wassers wissen und die aktuelle Qualität sowie Sicherheit der Versorgung sehr positiv bewerten, befürchtet eine große Mehrheit von 70,3 Prozent, dass sich dies in Zukunft verschlechtern könnte.
Als Gründe für diese Zukunftssorgen werden am häufigsten der Klimawandel, Einträge aus dem täglichen Konsum wie Plastik sowie Einträge aus der Industrie und der Landwirtschaft genannt. Es folgen die Nitratbelastung und Arzneimittelrückstände. Recht gering ist mit 4,6 Prozent die Befürchtung, dass die Wasserversorgung privatisiert werden könnte.
Die Studienergebnisse zeigen damit einerseits die starke Position der Wasserversorger und das hohe Vertrauen der Verbraucher, machen andererseits aber auch deutlich, dass die Kommunikation über zukünftige Herausforderungen und die notwendigen Investitionen in die Versorgungssicherheit an Bedeutung gewinnen wird.


