Die Harzwasserwerke versorgen zwei Millionen Menschen und Industriebetriebe in Niedersachsen und Bremen. Das Verbundsystem im Westharz besteht aus sechs Talsperren mit drei dazugehörigen Wasserwerken. Dazu kommen vier Grundwasserwerke und ein rund 525 Kilometer langes Transportleitungsnetz mit Hochbehältern und Druckerhöhungsanlagen.
Wo sind die größten Herausforderungen für Sie als Versorger für eine sichere Wasserversorgung?
Der Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen für die gesamte Branche. Mittel- bis langfristig muss sich die Wasserwirtschaft mit ihren Anlagen an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen.
Wir bei den Harzwasserwerken haben daher beispielsweise bereits im Jahr 2018 ein Forschungsprojekt (Energie- und Wasserspeicher Harz) zusammen mit niedersächsischen Universitäten und Hochschulen ins Leben gerufen, um mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten, wie sich unser System an die steigenden Herausforderungen anpassen kann.
Die Ergebnisse aus den Forschungsarbeiten werden nun in Machbarkeitsstudien genauer untersucht. Beispielsweise könnte die Granetalsperre erhöht werden, um mehr Wasser in der Talsperre speichern zu können. Auch der mögliche Bau eines zweiten Beckens oberhalb der Innerstetalsperre wird näher betrachtet, um den Hochwasserschutz und die Versorgungssicherheit zu verbessern.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um die Versorgung noch resilienter zu machen?
Besondere Maßnahmen sind für die Trinkwasserversorgung aktuell nicht notwendig. Sollten die Füllstände durch weiter anhaltende Trockenheit sinken, können die Betriebspläne an den Talsperren auf die aktuelle Situation angepasst werden.
Generell werden die Talsperren ganzjährig unter Berücksichtigung und Sicherstellung ihrer Aufgaben in der Trinkwasserversorgung, im Hochwasserschutz und bei der Niedrigwasseraufhöhung vorausschauend bewirtschaftet.
Mögliche längere Dürrephasen werden daher schon frühzeitig in die Planung einbezogen und kontinuierlich im Rahmen eines Monitoringsystems beobachtet, um frühzeitig durch geeignete Maßnahmen auf die Trockenheit reagieren zu können.
Können Sie die nötigen Investitionen finanzieren? Oder braucht die Wasserwirtschaft mehr finanzielle Unterstützung?
Mögliche Anpassungen der Infrastruktur an Talsperren und Speicherbecken sind mit hohen Investitionen verbunden. Bei der Umsetzung wären wir als Harzwasserwerke auch auf die Hilfe des Landes Niedersachsen angewiesen. Aktuell investieren wir bei einem Jahresumsatz von 80 Millionen bereits rund 30 Millionen Euro in Ersatzneubauten sowie weitere 9 Millionen Euro in die Instandhaltung unserer Talsperren und weiteren Anlagen.
Von welcher weiteren Entwicklung gehen Sie in den nächsten zehn Jahren aus?
Klar ist: Der Klimawandel ist auch bei uns in Niedersachsen und im Harz angekommen. Besonders bemerkbar wird dieses durch die schnellere Abfolge von Extremwettereignissen: 2017 gab es ein Jahrhundert-Hochwasser im Harz, nur ein Jahr später folgte eine extreme Dürre mit neuen Rekord-Negativwerten. Nach dem herausfordernden Weihnachtshochwasser 2023 befinden wir uns aktuell wieder in einer extremen Trockenphase. Die Branche muss sich daher an diese neue Realität in der Daseinsvorsorge anpassen.
Zugleich ist es auch wichtig, dass wir gemeinsam mit der Gesellschaft daran arbeiten, unser Wasser in dieser herausfordernden Zeit als wichtigste Ressource zu schützen. Dabei helfen der gemeinsame Austausch mit allen am Wasserkreislauf Beteiligten, gemeinsame Projekte oder auch Offenheit für innovative Ideen wie die mögliche Einbindung und Unterstützung von künstlicher Intelligenz in Arbeitsprozesse.
Das Interview führte Elwine Happ-Frank
Das ist Teil 3 einer mehrteiligen Serie zur Resilienz der Wasserversorgung.
Hier weitere Beiträge der Serie:
Verbundsysteme und Digitalisierung: Gelsenwassers Strategie gegen den Klimawandel
Stadtwerke Lemgo kämpfen mit Verbrauchsspitzen
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