Motto des Weltwassertages ist in diesem Jahr „Groundwater: Making the Invisible Visible“. Was verbinden Sie damit?
Ich verbinde damit einen nachhaltigeren Ressourcenschutz. Wasser ist ein zentrales Lebensgut, für das wir alle verantwortlich sind. Auch wenn wir das Grundwasser nicht sehen können, sind wir als Gesellschaft direkt von diesem Wasserschatz abhängig. Das ist Grund genug, die Ressource Wasser nachhaltig zu bewirtschaften, damit sie auch den uns nachfolgenden Generationen zur Verfügung steht. Weil das Grundwasser durch Klimawandel, industrielle und landwirtschaftliche Prozesse und auch menschliche Tätigkeiten zunehmenden Belastungen ausgesetzt ist, muss der vorsorgende Gewässerschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe akzeptiert und bei allen wirtschaftlichen Tätigkeiten und Entscheidungen als gemeinsames Ziel anerkannt werden.
Der Emscher-Umbau war ein Kraftakt, der sich über mehrere Jahrzehnte hinzog. Als nächste große Herausforderung haben Sie die regionale Klimafolgenanpassung genannt. Gibt es dabei ein zentrales Projekt?
Bereits in den vergangenen rund 20 Jahren hat der wasserwirtschaftliche Emscher-Umbau großen Einfluss auf die Anpassung der Region an die Folgen des Klimawandels gehabt: einerseits um Überflutungen nach Starkregenereignissen zu vermeiden – andererseits um bereits renaturierte Gewässer in Hitzephasen vor dem Austrocknen zu bewahren. Ganz aktuell steht im Fokus des Ruhrkonferenz-Projekts "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" Maßnahmen, die alle dem Ziel dienen, bis 2040 mindestens 25 Prozent der befestigten Flächen vom Kanalnetz abzukoppeln und den Verdunstungsgrad bis 2040 um zehn Prozent in der Region zu erhöhen. Für den klimafesten Umbau der Städte stehen bis 2030 rund 250 Mio. Euro zur Verfügung. Damit setzen wir fort, was bereits seit 2004 erfolgreich mit Kooperationen wie der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ sowie der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ begonnen wurde – auch hier arbeiteten das Land NRW, die Kommunen sowie die Emschergenossenschaft zusammen.
Mit der Initiative „Mach mit am Fluss!“ wollen Sie Aktivitäten, die auch schon in der Zeit des Emscher-Umbaus eine Rolle gespielt haben, eine Plattform geben. Warum sind solche Partizipationsformate wichtig?
Mit unserer Initiative „Mach mit am Fluss!“ denken wir das genossenschaftliche Prinzip weiter und ermöglichen Basisdemokratie bei wichtigen Themen, die die Gesellschaft mit am meisten bewegen: Natur- und Umweltschutz sowie Klimafolgenanpassung. Neu ist das Thema „Mitmachen“ jedoch tatsächlich nicht bei der Emschergenossenschaft. Uns als öffentlich-rechtlichem Wasserverband war es schon immer wichtig, dass die Bevölkerung an den Umbauprojekten beteiligt wird bzw. von den Ergebnissen profitiert. „Mach mit am Fluss!“ ermöglicht es allen interessierten Bürger:innen, die Zukunft an der Emscher ganz wesentlich mitzugestalten.
Die Fragen stellte Elwine Happ-Frank
Weitere Gesprächspartner in der Interviewreihe zum Weltwassertag sind Hessenwasser-Chefin Elisabeth Jreisat, stellv. Vorsitzende des VKU-Leitausschuss Wasser/Abwasser, sowie Karsten Specht, OOWV-Chef und VKU-Vize-Präsident sowie Vorsitzender des VKU-Leitausschusses Wasser/Abwasser.



