Ende März hat der Stadtrat von Weißwasser nach Angaben mehrere Lokalmedien die Weichen für einen Beitritt zum Wasserzweckverband Mittlere Neiße Schöps (WZV) gestellt. Denn Ende 2022 läuft der Vertrag über die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung mit den Stadtwerken Weißwasser (SWW) aus. Im Vorfeld des Beschlusses wurde lange Zeit über die Rekommunalisierung dieser Bereiche, für die derzeit die Veolia-Tochter SWW zuständig ist, diskutiert. Bereits im April 2021 waren die Konzessionen gekündigt worden.
Der Stadtrat hat sich in dieser Angelegenheit von PwC Legal beraten lassen. PwC-Experte Friedrich Kneuper zeigte laut dem WochenKurier während einer Stadtratssitzung die Vor- und Nachteile der beiden hauptsächlich diskutierten Varianten – Ausschreibung des Wassergeschäftes oder WZV-Beitritt – für die Stadt auf. "Es gibt keine Lösung, bei der nur die Vorteile überwiegen", sagte demnach Kneuper. Allerdings spreche nach gründlicher Analyse vieles dafür, sich für den WZV-Beitritt zu entscheiden.
Gutachten von BBH
Die SWW haben nun ihrerseits die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Becker Büttner Held (BBH) mit der Erstellung einer Wirtschaftlichkeitsprüfung beauftragt. Laut einer Pressemitteilung der SWW hat BBH in dem Zusammenhang auch die seitens der PwC erstellten möglichen Kostenszenarien im Falle der Rekommunalisierung des Trink- und Abwassergeschäftes der Stadt Weißwasser betrachtet.
Die Prüfung komme zu dem Schluss, dass ein Beitritt der Stadt Weißwasser zum WZV mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen für die Stadt und ihre Bürger:innen einhergehen würde, heißt es in der Pressemitteilung der SWW: „BBH bewertet die PwC-Informationen als grundsätzlich unvollständig und fehlerhaft. Sie enthielten keinen Nachweis der Wirtschaftlichkeit und könnten nicht als Grundlage für die anstehende finale Entscheidung im Stadtrat herangezogen werden, so das Urteil der Prüfer.“
Option einer europaweiten Ausschreibung
„Wir glauben fest an die Grundidee einer funktionierenden Partnerschaft von Kommune und Privatwirtschaft, von der alle Akteure profitieren“, wird Jens-Uwe Freitag, Geschäftsführer der Veolia Environnement Lausitz und Aufsichtsratsvorsitzender der SWW, in der Mitteilung zitiert. Mit Blick auf die zum Jahresende 2022 auslaufenden Konzessionen der Trink- und Abwassersparten sei eine europaweite Ausschreibung, an der sich auch die Stadtwerke beteiligen können, „die wirtschaftlich sinnvollste Option“. (hp)



