Vor Ort wird die Wasserversorgung am besten mit regionalen Lösungen gesichert.

Vor Ort wird die Wasserversorgung am besten mit regionalen Lösungen gesichert.

Bild: © lovelyday12/AdobeStock

In den nächsten 20 Jahren muss die kommunale Wasserwirtschaft in Deutschland 800 Milliarden Euro investieren, um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in der gewohnten Qualität und Sicherheit am Laufen zu halten. Das geht aus einer Studie der Rechtsanwaltskanzlei Becker Büttner Held im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) hervor, die im Vorfeld der VKU-Verbandstagung, vom 11. und 12. März in Berlin, veröffentlicht wurde.
 
Bereits heute investiert die Branche jährlich zehn Milliarden Euro, um ihre Netze und Anlagen zu erhalten und an den Klimawandel anzupassen. Die Studie zeigt jedoch, dass die Investitionen auf durchschnittlich 40 Milliarden Euro pro Jahr steigen müssen, um zukünftige Herausforderungen zu meistern.

Bis 2045 ergibt sich daraus eine Gesamtsumme von 800 Milliarden Euro, wobei etwa 65 Prozent auf die Abwasserentsorgung und 35 Prozent auf die Trinkwasserversorgung entfallen, stellt der VKU fest, der etwa 90 Prozent der Wasserversorger und 45 Prozent der Abwasserentsorger in Deutschland vertritt.

Gründe für den steigenden Investitionsbedarf

Die Infrastrukturen kommen vielfach an das Ende ihrer Nutzungsdauer und müssen gleichzeitig an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst werden. Deswegen kommt die Wasserwirtschaft jetzt in einen zweiten Investitionszyklus, in dem sie die langfristige Erneuerung und Instandhaltung ihrer Systeme plant.

Dabei muss die Branche gleichzeitig die Veränderungen der klimatischen Rahmenbedingungen berücksichtigen sowie die Infrastrukturen für länger anhaltende Trockenphasen und häufigere Starkregenereignisse anpassen. Beides geht Hand in Hand und lässt sich häufig nicht trennscharf voneinander abgrenzen. Die Gutachter schätzen die zusätzlichen Investitionskosten dennoch allein für die beschleunigten Anpassungen an den Klimawandel auf 10 bis 15 Prozent der Gesamtsumme von 800 Milliarden Euro.
 
Die Investitionen werden sich auch auf die Entgelte für Bürger und Wirtschaft auswirken. Theoretisch bedeutet dies einen Investitionsbedarf von 10.000 Euro pro Kopf in den nächsten 20 Jahren. Allerdings werden die Kosten über die Nutzungsdauer der Anlagen und Netze abgeschrieben und von allen Nutzern der Infrastruktur getragen, sodass die Kunden jährlich nur einen Teil der Investitionen tragen.

Forderung nach Absenkung der Mehrwertsteuer für Trinkwasser

Um diese Herausforderungen zu meistern, fordert VKU-Vizepräsident Karsten Specht: "Wer über ein Sondervermögen für Investitionen in öffentliche Infrastrukturen spricht, der muss dabei auch Wasser und Abwasser berücksichtigen. Das prognostizierte Investitionsvolumen von 800 Milliarden Euro wird nicht allein durch die Kunden zu stemmen sein. Deswegen muss ein Sondervermögen auch für Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur zur Verfügung stehen."
 
Bund und Länder seien nicht nur aufgerufen, passgenaue Förderinstrumente bereitzustellen, sondern auch, kostendämpfende Maßnahmen zu ergreifen. "Dazu gehören unter anderem die europarechtlich mögliche Absenkung der Mehrwertsteuer für Trinkwasser, die Rückführung von Wasserentnahmeentgelten und Abwasserabgaben in die Infrastruktur, die Etablierung der Herstellerverantwortung im Bereich der Trinkwasserversorgung sowie eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren", stellt Specht fest. (hp)
 
Die Studie finden Sie hier.

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