Eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau bei Mariaposching ist aufgerissen und ausgetrocknet.

Eine Sandbank an der Niedrigwasser führenden Donau bei Mariaposching ist aufgerissen und ausgetrocknet.

Bild: © Armin Weigel/dpa

Im Kampf gegen den Grundwasserrückgang, gegen Trockenheit und Dürren fordern Wasser-Experten in Bayern übereinstimmend ein schnelles Gegensteuern der Wasser-, Land- und Forstwirtschaft. Ziel müsse sein, mehr Wasser auf natürlichem Wege in der Fläche zu halten und nicht schnellstmöglich abzuleiten, erklärten die Sachverständigen am Donnerstag in einer Anhörung im Umweltausschuss des Landtags.

Dazu schlugen sie beispielsweise vor: mehr natürliche Überschwemmungsflächen, den Rückbau von Kanälen, mehr Moore, Feuchtgebiete und Feuchtwiesen, dezentrale Wasserrückhaltebecken, möglichst leichtere Agrarmaschinen und eine bodenschonende Waldbewirtschaftung sowie eine Reduzierung des Flächenverbrauchs. All dies helfe sowohl gegen Dürren als auch gegen die Folgen von Starkregen.

Boden muss mehr Wasser aufnehmen

Karl Auerswald von der Technischen Universität München beschrieb den Kern des Problems: Weil Land heute anders bewirtschaftet werde, könne weniger Wasser von den Böden aufgenommen und gespeichert werden. Als Beispiele nannte er die Versiegelung von Böden und eine sehr starke Verdichtung von Agrarflächen durch immer schwerere Maschinen.

Zudem seien künstlich geschaffene Gräben heute deutlich länger als das natürliche Netz aus Flüssen und Bächen. Wasser werde deshalb viel zu schnell abgeführt, es könne nicht mehr versickern oder verdunsten. «Wir haben die Landschaft ganz enorm entwässert», sagte Auerswald.

Bildung von Tau ermöglichen

Wegen all dieser Dinge habe die Trockenheit zugenommen, was wiederum zu einer Temperaturzunahme führe und den Niederschlag mindere, sagte Auerswald. Dabei stammten in Deutschland rund 60 Prozent des fallenden Niederschlags aus der Landverdunstung.

Gleichzeitig habe auch die Menge des «abgesetzten Niederschlags» (vor allem Tau) stark abgenommen – weil Hecken, die diese Art Niederschlag stark förderten, aus der freien Landschaft weitgehend verschwunden seien. Es brauche deshalb wieder mehr Hecken – die in Nächten für Tau sorgen.

Wasser in der Fläche halten

Ziel müsse sein, mehr Wasser so lange wie möglich in der Fläche zu halten, damit es versickern könne und damit es Verdunstung geben könne, forderten die Experten übereinstimmend. Markus Disse von der Technischen Universität München sagte, es brauche ein «radikales Umdenken» in der Wasser-, Land- und Forstwirtschaft.

Beispielsweise sollte überschüssiges Wasser in niederschlagsreichen Perioden in vorhandenen Gräben zurückgehalten werden. Senken und Mulden sollten nicht aufgefüllt, sondern als Feuchtwiese belassen werden. Und die weitere Verdichtung des Bodens müsse möglichst vermieden werden.

Landwirtschaft bietet Mitwirkung an

Derlei Maßnahmen könnten – oberflächlich betrachtet – zu Lasten einer auf maximale Erträge ausgerichteten Land- und Forstwirtschaft gehen. Am Ende würden aber Dürreschäden und Ernteeinbußen verhindert, sagte Disse. Dazu ergänzte Peter Höfler vom Bayerischen Bauernverband: «Wir wissen, dass wir Teil der Problemlösung sein müssen.»

Auerswald mahnte, die «Mediterranisierung» des hiesigen Klimas komme sehr stark vom «landnutzungsgetriebenen Klimawandel». «Den haben wir ganz allein im Griff, da brauchen wir keine internationalen Abkommen.» Dennoch müssten natürlich auch die CO2-Emissionen sinken.

Viele Projekte für die Versorgungssicherheit

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagte zu der Anhörung im Landtag: «Wassersicherheit in allen Landesteilen ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben.» Man arbeite deshalb an einer Vielzahl konkreter Projekte zur Versorgungssicherheit der öffentlichen Wasserversorgung im Freistaat.

Ein grundsätzliches Ziel sei es, wieder mehr Wasser in der Fläche zurückzuhalten. «Dazu soll der Landschaftswasserhaushalt stabilisiert werden», sagte Glauber. (dpa/hp)

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