Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt könnte den Erneuerbaren-Ausbau bremsen.

Der sogenannte Redispatch-Vorbehalt könnte den Erneuerbaren-Ausbau bremsen.

Bild: © Shutterstock

Union und SPD streiten weiter über die Energiepolitik. Das hat auch Umweltminister Carsten Schneider (SPD) bei der Vorstellung des Klimaschutzprogramms betont. Gefragt zu den durchgestochenen Gesetzesentwürfen antwortete er: "Diese Pläne sind kein Konsens in der Bundesregierung."  

Diesen Eindruck hat auch die Erneuerbaren-Branche: Bei einer Pressekonferenz sagte Ursula Heinen-Esser, die Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE): "Manchmal würde ich am liebsten der Bundesregierung jetzt ein Mediationsverfahren raten, dass sie sich einmal grundsätzlich einigt darüber, wo sie in der Energiepolitik tatsächlich hinwill." 

Der Verband stellte am Donnerstag Maßnahmen vor, die aus seiner Sicht zu einer konsistenten und zukunftsgewandten Energiepolitik beitragen würden. Wir haben uns die Vorschläge angeschaut. 

Beschleunigung des Netzausbaus  

Der BEE fordert eine zügige Beschleunigung des Netzausbaus. Dieser müsse mit dem Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien endlich Schritt halten. Dazu schlägt der Verband vor allem Entbürokratisierung vor: Das umständliche Planfeststellungsverfahren für geringfügige Maßnahmen soll durch ein einfaches Anzeigeverfahren ersetzt werden.  

Darüber hinaus plädiert der BEE für mehr Standardisierung statt Einzelfallentscheidungen, wie etwa standardisierte Komponenten und normierte Umweltprüfmodule. Zudem sollten weitere Maßnahmen geprüft werden, mit denen zum Beispiel mehr Investitionskapital mobilisiert werden könnte. 

Redispatch-Kosten senken statt Vorbehalt 

Der BEE folgt mit seinen Vorschlägen zum Umgang mit Redispatch-Kosten dem sogenannten Noxva-Prinzip, heißt: Netzoptimierung vor Flexibilität vor Verstärkung vor Ausbau.  

Durch Überbauung von Netzverknüpfungspunkten könne die Netzinfrastruktur besser genutzt werden. Dabei wird an einen Anschluss mehr Leistung angeschlossen, als der Netzverknüpfungspunkt transportieren kann. Flexible Anschlussmodelle ermöglichten es Erneuerbaren-Systemen, Einspeisespitzen selbst zu reduzieren. Anlagenbetreiber sollten ein Recht auf eine Überbauung haben. 

Abregelung solle am Netzverknüpfungspunkt statt an einzelnen Anlagen erfolgen, damit Energie vor dem Netzverknüpfungspunkt genutzt werden kann, etwa durch Speicher. Durch größere Flexibilität bei der Einspeisung sinke der Bedarf, Strom abzuregeln, wodurch auch die Redispatch-Kosten geringer wären. 

Lesen Sie dazu mehr: Reiches Redispatch-Vorbehalt in der Diskussion

Ebenso plädiert der BEE für ein verändertes Engpassmanagement: Engpässe sollten erst behoben werden, wenn sie auftreten, und nicht in Vorausschau. Dies könne eine flexiblere und effizientere Netznutzung ermöglichen und würde auch Kosten sparen. 

Flächendeckend intelligente Ortsnetzstationen und Batteriespeicher an Umspannwerken könnten durch Echtzeit-Monitoring und Automatisierung sowohl Redispatch-Kosten als auch Ausbaubedarf senken. 

Stärkere Digitalisierung der Netze 

Mittels flächendeckender Digitalisierung der Netze könne man die Basis für einen effizienten Netzbetrieb und dynamische Netzentgelte schaffen. Letztere könnten die Grünstrom-Nutzung anregen und Kosten sparen.  

Der Verband fordert eine Weiterentwicklung des sogenannten "N-1"-Prinzips. Mit digitaler Steuerung, Speichern und Flexibilitäten könnte die Versorgungssicherheit in einem dezentralen System gewährleistet werden.  

Das "Nutzen statt Abregeln"-Konzept findet BEE sinnvoll, "um Redispatchmengen zu reduzieren und Grünstrom besser nutzbar zu machen". Auch wenn der Verband Reformbedarf bei dem Konzept sieht, fordert er dennoch von der Bundesregierung, dieses existierende Instrument zu nutzen, statt den Erneuerbaren-Ausbau auszubremsen.  

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