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Von:
Stefan Baasner,
Geschäftsführer
m2g-Consult GmbH

Nachdem wir ein weiteres Jahr mit einer „Frühjahrs-eWorld“ erleben durften, das Gesetz zum Neustart der Energiewende (GNDEW) am 26.05.2023 die Weichen für den weiteren Roll-Out neu gestellt hat und die BNetzA am 16.06.2023 mit der Eröffnung einer neuen Konsultation zum netzorientiertes Steuern das „Regelwerk der netzorientierten Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen und steuerbaren Netzanschlüssen nach § 14a EnWG“ deutlich detailliert hat, waren wir gespannt auf die ZMP2023.

Gefühlt war seit 2016, dem Geburtsjahr des MsBG, nicht mehr so viel Dynamik wie zuletzt im Bereich des intelligenten Messwesens. Und so versammelte sich in der letzten Woche die geballte Kompetenz zu Ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Leitveranstaltung. Und m2g selbstverständlich mittendrin, beteiligt mit einem Fachvortrag zum Thema „Steuerung via CLS“. Gleichzeitig eines der Leitthemen bei der diesjährigen Messe.

Doch was waren die Topthemen? Wie war die Stimmung und vor allem, welche Überraschungen hatte die ZMP dieses Mal parat?

Keine extra Runde mehr bei Eichung

Am Mittwoch wurde durch Christoph Scholten (BMWK) in aller Kompaktheit Stellung zum neuen GNDEW bezogen. Neben der Vorstellung der bereits bekannten Eckpunkte und Highlights war insbesondere der Punkt zum Eichrecht besonders spannend. So sei eine Novelle des Eichrechts bereits in Arbeit. Ziel dieser Novelle ist eine deutliche Vereinfachung der Eichung von Gateways, da die technischen Richtlinien ja bereits die Funktionsfähigkeit umfassend einfordern und durch deren korrekte Umsetzung durch das BSI entsprechend bestätigt wird. Eine extra Runde durch den Prozess der Eichung müsse es demnach nicht geben. Dieser Schritt wäre ohne Zweifel sowohl prozessual als auch wirtschaftlich eine enorme Erleichterung.

Dennoch, aus Sicht der ebenfalls zu Wort gekommenen Eichbehörden wurde eher dafür geworben, SMGWs weiterhin in der Überwachung durch eben diese zu belassen. Dies sollte insbesondere in Erwägung gezogen werden, da künftig immer mehr Daten über das SMGW verschickt werden und die Auswirkungen dieses Umstandes heute nicht abschließend bewerten werden können.Daher der Vorschlag der Eichbehörden: Behörden aufrüsten, damit SMGWs vor Ort besser geprüft werden können und das Verfahren vereinfacht wird. Wir sind hier eher beim BMWK, dennoch ist der Vorschlag der Eichbehörden zumindest einen Dialog wert.

Rolle des Auffangmesstellenbetreiber in der Kritik

In den vielen Gesprächen am Rande des Plenums kann weiteren Meinungen der Branche zum Thema GNDEW zusammen. So wird nach erster Einschätzung die Rolle des Auffangmessstellenbetreibers sehr kritisch gesehen. Vor allem die hohen Kosten der Implementierung in die Systeme und den Markt. Hingegen ist der Wegfall der 3-Herstellerregelung ein Öffner für Innovationen und Mehrwertprodukte der Hersteller. Auch die Vereinfachung der SiLKe wird generell begrüßt, obwohl bei den meisten Akteuren die alten Vorgaben mit viel Aufwand umgesetzt wurden. Was besonders auffiel, viele Akteure beklagen den Mangel an geeignetem Personal zur Umsetzung der vielen Anforderungen.

Thema Steuern

Das Thema Steuern war ein überall heiß diskutiertes Thema der ZMP, garniert mit einem eigenen Fachforum. Hier wurde von der Position des FNN, über den Bericht eines Herstellers bis zum Praxisbericht eines Messstellenbetreibers das Thema Steuerung in seine Elemente zerlegt. Auch m2g hat in diesem Zusammenhang als Bindeglied zwischen Technik und MSB beschrieben, wie eine prozessuale und IT-technische Umsetzung gelingen kann und was es hierzu braucht. Im Plenum wurden zusätzlich einige aktuelle Projekte, z.B. von den Stromnetzen Hamburg, vorgestellt. Ergänzend haben Fachvorträge zu den Themen Technik, Systeme und Prozesse den gesamten Komplex beleuchtet und somit zum Highlight-Thema der ZMP2023 gemacht.

Klar wurde, dass die Branche noch sehr viel zu tun haben wird, bevor sich in der Praxis massentauglich die Steuerung über iMS realisieren lässt. GNDEW und Konsultationen der BNetzA sind hierbei wichtige Schritte in die richtige Richtung. Dennoch darf jetzt nicht erwartet werden, dass die Branche „über Nacht“ alles umsetzen kann.

TAF7 und TAF2 könnten TAF1 obsolet machen

Ein weiteres spannendes Thema war die Frage, wie es denn mit den Tarifanwendungsfällen in der Zukunft aussehen könnte. So besteht zunehmend Einigkeit, dass durch die flächendeckende Einführung des TAF7 ein TAF2 und ggf. sogar ein TAF1 entfallen könnte.

Das BSI ist für eine derartige Änderung offen, da die Branche dadurch ebenfalls weniger Komplexität umzusetzen hätte. BSI und BMWK haben hier die Prüfung des Sachverhalts für sich mitgenommen.

Beim Thema iRLMSys (=RLM-Zähler über iMS) hingegen scheinen sich zwei Fronten zu bilden. Die Branche bzw. der FNN schlägt vor, dass der RLM-Zähler über die CLS-Schnittstelle des SMGW angebunden werden könnte.

Vorteil wäre, dass die „TAF7“-Bildung weiterhin im Zähler erfolgen könnte, falls das SMGW ausfällt. Somit wären die Daten noch im Zähler vorhanden. Demgegenüber favorisiert das BSI den LMN-Ansatz. Hier wird der RLM-Zähler wie die mMe über die LMN-Schnittstelle angebunden. Aus Sicht der Branche ein Ansatz mit hohem Anpassungsbedarf, der auch nicht zeitnah umgesetzt werden kann. Es wird spannend sein zu sehen, wohin letztlich die Reise geht.

Das generelle Gefühl bei der diesjährigen ZMP war: es gibt viele Themen mit denen sich die Unternehmen beschäftigen müssen, zum Teil herrscht noch Unklarheit wie diese umgesetzt werden müssen (z.B. TAF7, Eichrecht, Abrechnung).

Es gab aber auch wichtige Informationen, wie z.B. der Ausblick auf die TR-5, den Umgang mit RLM-Zähler oder die Zukunft des Steuerns. Im Kopf geblieben ist aber auch ein Gespräch mit einem gMSB und einem Zitat, dass stellvertretend für viele Akteure stehen dürfte: „Bevor wir irgendwas steuern oder Zusatzdienstleistungen anbieten, würde ich mich freuen, wenn wir mehr als 50 Geräte im Feld hätten.“ Soviel zur Realität des Roll-Outs in Deutschland. Und als dann schon gut die Hälfte der Besucher:Innen auf dem Heimweg waren, platzte eine abschließende Info-Bombe, die zu vielen frustrierten Gesichtern führte.

Wirtschaftlichkeit iMSys

Eine der größten Hürden der vergangenen Jahre für eine schnelle Verbreitung intelligenter Messsysteme war insbesondere die Wirtschaftlichkeit. Mit dem GNDEW wurde bekanntlich die Systematik etwas geändert. Die reine Preisobergrenze (POG) bleibt zwar insgesamt gleich, jedoch wird nur noch ein geringer Teil direkt zwischen dem Messstellenbetreiber und dem Endkunden bzw. Lieferanten direkt verrechnet. Der größere Anteil wird vom Verteilnetzbetreiber (VNB) getragen.

Soweit so gut. Nun stellt sich seit Ende Mai jedoch die Frage, wie denn der Verteilnetzbetreiber diese Kosten umlegen kann. Der Ball hierzu liegt bei der BNetzA. Die Erwartung der (regulierten) Branche: Die POG des VNB wird vollständig als sogenannte dauerhaft nicht beeinflussbare Kosten auf die Netznutzer umgelegt. Doch nun kam die BNetzA aus der Deckung und hat entsprechend klargestellt, dass dies vorerst nicht passieren wird. Vielmehr wird auf die 5. Regulierungsperiode (2029-2033) verwiesen, da der Rahmen für die 4. Regulierungsperiode bereits im Basisjahr 2021 – ohne das neue GNDEW – gesetzt wurde. Evtl. gibt es auch alternative Lösungen, die jedoch im Dialog mit der Branche erarbeitet werden sollen. So oder so, damit dürfte die Wirtschaftlichkeit des Roll-Outs in der nun startenden 1. Phase des GNDEW mit erheblichen Fragezeichen belastet werden. Die ZMP2023-auf jeden Fall ein Highlight der Branche. Wir sehen uns in 2 Jahren!

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