Vor allem Messstellenbetreiber und Netzbetreiber waren auf der ZMP zum größten Teil vertreten.

Vor allem Messstellenbetreiber und Netzbetreiber waren auf der ZMP zum größten Teil vertreten.

Bild: © Frank Hirschi/Horizonte-Group

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Von:
Frank Hirschi,
Manager bei der
Horizonte-Group GmbH

Über 500 Expert*innen aus der Energiewirtschaft kamen am 21. und 22. Juni in Leipzig zusammen, um am Fachkongress ZMP des VDE FNN teilzunehmen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand nicht nur das „Zählen, Messen und Prüfen“, sondern insbesondere auch das sichere Steuern über intelligente Messsysteme und das Fortschreiten des dafür benötigten Smart-Meter-Rollouts.
 

iMSys-Hochlauf und Kupfer mit Köpfchen

Unstrittig in den Diskussionen und Vorträgen auf der ZMP war, dass auch der Netzausbau notwendig für das Gelingen der Energiewende ist. Dabei lautete das Credo jedoch „Kupfer mit Köpfchen“ – also der Einsatz von Smart Metern und Smart Grid um die Elektrifizierung und den weiteren Zubau von EE-Anlagen sowie Wärmepumpen und der E-Mobilisierung zu ermöglichen.

In einem Vortrag von Marcus Hörhammer (Voltaris) wurde hervorgehoben, dass die lange gültige Faustregel, ca. 15% der Messstellen im Netzgebiet des MSBs mit iMSys ausstatten zu müssen, überholt ist. Heutige Prognosen gehen eher davon aus, dass bis 2030 iMSys an ca. 30% der Messstellen verbaut sind. In der Branche wird auch immer wieder vom möglichen Vollrollout gesprochen.

GNDEW bringt nicht nur Vereinfachungen

In einer munteren Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Neustart mit angezogener Handbremse?“ diskutierten Dr. Christoph Scholten (BMWK), Dennis Laupichler (BSI), Thomas Rütting (Stromnetz Berlin), Dr. Malte Sunderkötter (Eon Grid Solutions) und Ingo Schönberg (PPC AG). Dabei wurde schnell deutlich, dass das GNDEW nicht nur Erleichterungen für die Branche bringt.

Was viele Expert*innen auch beim lockeren Austausch auf dem Kongress bereits aussprachen, wurde auch auf der Bühne nicht verschwiegen. Eine Überregulierung des Messstellenbetriebs in Deutschland wurde von vielen Seiten angeprangert.

Durch das Inkrafttreten des GNDEW sind einige neue, zusätzliche Regelungen und Verpflichtungen entstanden, wie beispielsweise der Auffangmessstellenbetreiber. Was entgegen manchen Medienberichten den Branchenkenner*innen bereits von Beginn an klar war, wurde durch Dr. Sunderkötter noch einmal unterstrichen: Die Aufgabe als Auffangmessstellenbetreiber ist erst einmal mit wenig Freude, aber mit hohem Aufwand verbunden. Insbesondere die Mitwirkungspflicht eines aus dem Markt scheidenden Akteurs für einen GWA-Wechsel sah der Geschäftsführer als kritisch an und befürchtet sogar gerichtliche Auseinandersetzungen.

Viele offene Fragen

Auf dem Fachkongress wurde auch bereits deutlich, dass neben den aktuell notwendigen Standard-Einbaufällen noch viele offene Fragen bzgl. des Starts für „iRLMSys“, also die iMSys-Einbaugruppe für registrierende Leistungsmessung (RLM) existieren. Die Fragestellung, ob „iRLMSys“ über CLS oder LMN (dem Lokalen Metrologischen Netz) anzubinden seien, wurde sehr rege debattiert.

Anpassungen an Sicherer Lieferkette und Eichrecht machen Prozesse schlanker

Dennoch wurden in Leipzig auch Fortschritte bei Technik und Prozessen vorgestellt. Sich abzeichnende Anpassungen des Eichrechts sowie Vereinfachungen der "SiLke" (Sichere Lieferkette) nehmen Formen an. Durch die Eichrechtsanpassungen werden insbesondere Firmware-Updates massiv vereinfacht. Und bei der SiLke wird „die letzte Meile“ bald nicht mehr Teil des CC-Zertifizierungsverfahrens, sodass die SMGw-Hersteller schlankere Prozesse haben.

Vereinfachte BSI-TR-03109-5 für „Kommunikationsadapter“

Darüber hinaus stellten Dennis Laupichler und Michael Brehm vom BSI Neuigkeiten zur Technischen Richtlinie BSI-TR-03109-5 vor. So lässt sich bereits bei der Namensänderung von „Weitere Systemeinheiten“ zu „Kommunikationsadapter“ ableiten, dass grundlegende Vereinfachungen bevorstehen. Demnach entfällt die Unterscheidung nach Produktklassen und Steuerboxen, Submetereinheiten oder weitere CLS-Einrichtungen werden als beispielhafte HAN-Komponenten angesehen, die einen Kommunikationsadapter umsetzen können.

Als Grundlage für die sichere Anbindung von CLS-Komponenten wird die „TR-5“ im dritten Quartal vorgestellt und einer Branchenkonsultation unterzogen. Im Anschluss wird der Ausschuss Gateway-Standardisierung dann über die Verabschiedung beratschlagen. Das BSI trifft dazu bereits Vorbereitungen, sodass beschleunigte Sicherheitszertifizierungen ermöglicht werden. Des Weiteren stellt das BSI eine CLS-Testplattform zu Verfügung, sodass bereits jetzt entwicklungsbegleitendes Testen von Kommunikationsadaptern ermöglich wird.

Smart-Meter-Rollout muss beschleunigt werden

Quintessenz der ZMP war, dass die Zeit eng bemessen ist, für die vielen Herausforderungen, die Messstellenbetreiber in den kommenden Jahren vor sich haben. Auch wenn die größeren MSBs bereits mehrere Tausend oder der Branchenprimus sogar mehr Zweihunderttausend iMSys in Betrieb hat, dürfte ca. ein Viertel der MSBs noch nicht mit der Ausbringung von der intelligenten Infrastruktur begonnen haben.

Ausstellende Dienstleister wie die TMZ Thüringer Mess- und Zählerwesen Service, EnBW, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft, Westenergie oder Voltaris positionierten sich für diese Akteure jedoch, um diese zu unterstützen. Was die Marktakteure im Messstellenbetrieb aktuell umtreibt, möchte die Horizonte-Group aktuell in einer neuen Umfrage für den HG-Marktblick Metering herausfinden – die kostenlose Teilnahme ist hier möglich.

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