Preiserhöhungen, die auf intransparenten Mitteilungen beruhen, sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unwirksam.

Preiserhöhungen, die auf intransparenten Mitteilungen beruhen, sind nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW unwirksam.

Bild: © Alfons Ven/AdobeStock

Von Hanna Bolte und Julian Korb

Die Preisanpassungen bei der Fernwärme in Frankfurt sorgen weiterhin für Gesprächsstoff. Vor zwei Wochen kündigte die Verbraucherzentrale Hessen an, rechtliche Schritte gegen den Frankfurter Versorger Mainova zu prüfen. Verbraucher, die von der "Fernwärmepreis-Explosion" betroffen sind, sind von den Verbraucherschützern aufgerufen, sich zu melden.

Nach Darstellung der Verbraucherzentrale hatte Mainova im Herbst 2024 sämtliche laufende Fernwärmeverträge gekündigt – und dabei Preissenkungen in Aussicht gestellt. Im Juni erhielten viele Frankfurter Haushalte demnach einen neuen Wärmevertrag für Juli 2025, der allerdings mit 30 Prozent höheren Preisen verbunden war.

Zweifel an Rechtmäßigkeit

Wie die Verbraucherzentrale in einer Presseaussendung erklärt, hat sie Zweifel an der Rechtsmäßigkeit dieses Vorgehens und rät Fernwärmekunden, die Verträge vorerst nicht zu unterschreiben oder den neuen Preisen zu widersprechen. "Mit unserem Verbraucheraufruf wollen wir mehr Einblick in die Art und Weise der Mainova gewinnen, mit Blick auf die Kündigungen und die angebotenen Neuverträge", erklärt Rechtsanwältin Kerstin Wolf gegenüber der ZfK.

Demnach habe Mainova in den neuen Verträgen die Grundpreise angehoben. Eine Vergleichbarkeit sei wegen unterschiedlich gewichteter Grund- und Arbeitspreise nur schwer möglich. Zu der Höhe der neuen Preise könne man derzeit noch keine Stellung nehmen. "Zukünftig sollte die tatsächlich zu erwartende Preiserhöhung mit dem neuen Vertrag – von der wir ausgehen, dass sie zum Zeitpunkt der Kündigung der Mainova bekannt war – transparenter dargestellt werden", so Verbraucheranwältin Wolf weiter.

Die ZfK hatte bereits im Mai zuerst über den Fall berichtet – allerdings vor dem Verbraucheraufruf. Eine Sprecherin von Mainova argumentierte damals, das Unternehmen habe die Fernwärmepreise seit 2022 in zwei Schritten deutlich gesenkt. Mit dem neuen Preissystem würden die Preise zwar wieder steigen, blieben für Kunden aber weiterhin attraktiv.

Veränderte Preisformel

Laut einem Branchenvergleich der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW) steigt der Mainova-Mischpreis von derzeit 118 Euro auf 139 Euro pro Megawattstunde – der bundesweite Schnitt liegt aktuell bei 152 Euro.

Gegenüber der ZfK erläuterte eine Sprecherin von Mainova, die Preisformel für die Fernwärme würde zu Anfang Juli an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. So werde der Grundpreis stärker gewichtet, um die "gestiegenen Fixkosten und Investitionen im Zuge des Umbaus auf klimaneutrale Erzeugung abzubilden."

Hintergrund sind demnach auch die ambitionierten Klimaziele. In Abstimmung mit der Stadt Frankfurt stellt Mainova die Fernwärme schrittweise bis 2040 auf 100 Prozent klimaneutrale Erzeugung um. Unter anderem soll das Heizkraftwerk West bis Ende 2026 auf ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk umgerüstet werden.

Gesprächsangebot nicht angenommen

Das kommunale Unternehmen reagiert gegenüber der ZfK auch auf die Kritik der Verbraucherschützer. "Uns ist bewusst, dass dieses sensible Thema eine hohe Relevanz hat", so die Sprecherin. Man informiere "umfassend und transparent" über die Hintergründe der neuen Preissystematik. Gleichzeitig hänge das Gelingen der Energiewende maßgeblich von der Akzeptanz für die "dafür notwendigen Maßnahmen" ab. 

"Im Zuge dessen hatten wir auch dem geschäftsführenden Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen Philipp Wendt ein persönliches Gesprächsangebot gemacht", so die Sprecherin weiter. "Unsere Mail vom 20. Mai dazu blieb bisher aber unbeantwortet."

Bei steigendem Grundpreis geht das Unternehmen dabei auch von sinkenden Preisbestandteilen aus. Die sinkenden Gashandelspreise dämpfen den Arbeitspreis um rund 12 Prozent. Auch der Emissionspreis schrumpft von gut 1,6 Cent auf knapp 1,4 Cent pro Kilowattstunden.

Preisvergleich schwierig

Die Preispolitik einzelner Unternehmen bei der Fernwärmeversorgung sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Als Kritik wird fehlende Transparenz über die Preisbestandteile genannt. Bei Fernwärmenetzen handelt es sich um natürliche Monopole. Welche Entgelte die Versorger verlangen dürfen, prüfen die Kartellbehörden. Es gelten zudem bestimmte Preisänderungsklauseln.

Zudem werden Preiserhöhungen in der Fernwärme oft erst mit einem Jahr Verzögerung an Endkunden weitergegeben. Das kann dazu führen, dass die Heizkosten bei Verbrauchern steigen, obwohl die Großhandelspreise für Erdgas zurückgehen.

Mittlerweile gibt es auch eine bundesweite Transparenzplattform zur Fernwärme, die mehr als 50 Prozent des Marktes abdeckt. Mehr als 300 Unternehmen sind mittlerweile gelistet. Eine Funktion für den Preisvergleich bietet die Plattform bislang jedoch nicht an. Der Branchenverband AGFW argumentiert, dass es sich bei Fernwärme um ein Produkt mit lokal sehr unterschiedlichen Bedingungen handele, was die Vergleichbarkeit erschwere.

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

Heizkosten steigen: Vor allem Fernwärme wird teurer

Transparenzplattform: 50 Prozent des Fernwärmemarktes online

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper