Wärmewende im Gasnetz: "Dann bricht der Biomethan-Markt weg"

Die Marktbedingungen für Biogas und Biomethan verändern sich gerade. (Symbolbild)
Von Julian Korb
Die Zukunft von Biomethan im deutschen Energiesystem steht auf der Kippe. Zwischen der Umsetzung der EU-Gasmarktrichtlinie, der Reform des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und dem Auslaufen der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) bis Ende 2025 muss die Politik zentrale Weichen für eine klimaneutrale Gasversorgung stellen. Beim Energiewende-Kongress 2025 der Deutschen Energie-Agentur (Dena) wurde deutlich: Ohne einen verlässlichen Rahmen, droht die Energiewende im Wärmemarkt ins Leere zu laufen.
Die Bundesnetzagentur, Netzbetreiber und Biogasbranche warnten übereinstimmend vor einer regulatorischen Lücke, die Investitionen in neue Anlagen ebenso gefährdet wie den Weiterbetrieb bestehender Einspeisungen. "Wir müssen aufpassen, dass der Markt jetzt nicht wegbricht", sagte Michael Schneider, Geschäftsführer der Energienetze Bayern. Wenn der § 33 der Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) entfalle, gebe es keinen Mechanismus mehr, um Anschlusskosten zu wälzen – jedes Projekt werde dann zu einer Einzelfallentscheidung.
EU-Richtlinie verändert die Spielregeln
Die Umsetzung des EU-Gaspakets ab 2026 wird nicht nur den Marktzugang, sondern auch die Rolle erneuerbarer Gase im Gesamtsystem neu definieren. "Die bisherige Gasnetzzugangsverordnung läuft Ende 2025 aus, und wir haben noch keine Nachfolgeregelung", erklärte Anne Zeidler, Vorsitzende der Beschlusskammer 7 bei der Bundesnetzagentur.
Zwar soll die neue Festlegung "in Sachen Zugang von Biogas", kurz "ZuBio", einen Rahmen für den Zugang von Biomethan zum Netz schaffen, doch viele Privilegien, die den Anschluss bislang erleichtert haben, seien künftig nicht mehr möglich. Netzbetreiber könnten künftig aus Gründen der Netzsicherheit oder der wirtschaftlichen Effizienz den Transport von Biogas verweigern.
Damit wächst der Druck auf den Gesetzgeber, zeitnah eine nationale Anschlussregelung zu schaffen. Denn ohne stabile Kostenverteilung und klare Rechtsgrundlage droht der Ausbau von Biomethan zu stagnieren – und mit ihm ein wichtiger Bestandteil der Wärmewende.
Biomethan als regionale Brückenlösung
Während der Hochlauf von Wasserstoff in vielen Regionen noch ungewiss ist, könnte Biomethan eine Brückenfunktion übernehmen. "Wasserstoffverteilnetze wird es nur in Ausnahmefällen geben", betonte Ralph Kremp von BET Consulting.
In der Fläche werde das bestehende Methannetz schrittweise stillgelegt, doch Biomethan könne helfen, Teile davon weiterzunutzen. "Selbst bei einer Verdoppelung der Biomethanmengen erreichen wir nur 10 bis 15 Prozent der heutigen Methanvolumina. Aber regionale Biomethan-Cluster können die Netzkosten deutlich dämpfen", so Kremp.
Diese Cluster – lokale Netze, in denen Einspeisung und Verbrauch räumlich eng beieinander liegen – könnten eine zentrale Rolle in der dezentralen Wärmeversorgung übernehmen. Gerade in ländlichen Regionen ließen sich damit kommunale Wärmekonzepte umsetzen, die sowohl erneuerbar als auch wirtschaftlich tragfähig sind.
Fehlende Planungssicherheit gefährdet Investitionen
Die Netzbetreiber sehen sich jedoch mit wachsenden Kosten konfrontiert. "Drei Viertel der Projekte, die wir prüfen, haben einen Kostendeckel von 250.000 Euro, unsere tatsächlichen Investitionskosten liegen aber beim 30-Fachen", berichtete Schneider. Kleinere Anlagen seien spezifisch besonders teuer, und viele Betreiber könnten die hohen Anschlusskosten nicht stemmen.
Gleichzeitig verlangt die Bundesnetzagentur künftig eine genauere Begründung für Netzanschlüsse, die über die wirtschaftliche Effizienz hinausgehen. Was das in der Praxis bedeutet, müsse sich erst zeigen. "Wir werden uns dem Begriff der wirtschaftlichen Effizienz in der Praxis nähern", sagte Zeidler. Die Behörde wolle verhindern, dass Biogasanlagen in unwirtschaftlichen Netzen zu sogenannten Stranded Assets werden, also Fehlinvestitionen.
Wärmewende braucht erneuerbares Gas
In der kommunalen Wärmeplanung bleibt Biomethan ein wichtiger Baustein – nicht als Ersatz für alle fossilen Gasmengen, sondern als flexibel einsetzbare, speicherfähige Energiequelle. "Wir brauchen eine dekarbonisierte Gasinfrastruktur, nicht nur für Industrie und Gewerbe, sondern auch für Haushalte", betonte Schneider. Biomethan könne dort einspringen, wo Wärmepumpen oder Nahwärmenetze an technische oder wirtschaftliche Grenzen stoßen.
Zugleich wächst der Druck auf Kommunen, in ihren Wärmeplänen realistische Pfade zur Klimaneutralität zu definieren. "Viele Wärmenetze, die derzeit in den Planungen auftauchen, werden sich wirtschaftlich nicht lohnen", sagte Berater Kremp. "Hier kann Biomethan die Lücke zwischen kurzfristig verfügbaren Technologien und langfristig elektrifizierten Systemen schließen."
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