In der Debatte um Deutschlands Biomethanpotenzial widerspricht der Fachverband Biogas den Skeptikern. Im vergangenen Jahr wurden laut Geschäftsführer Manuel Maciejczyk 12,8 Terawattstunden (TWh) Biomethan hierzulande erzeugt.
Schon mit den vorhandenen Anlagen könnten leicht 15 TWh jährlich produziert werden, sagte Maciejczyk auf ZFK-Nachfrage bei einem Pressegespräch. Dies hänge vor allem von dem politischen Rahmen ab, betonte der Geschäftsführer.
Unterschiedliche Einschätzungen
Würden sämtliche Potenziale ausgeschöpft, ließen sich zusätzlich sogar "insgesamt 150 TWh" erzeugen, schreibt der Verband in den jetzt vorgestellten "Branchenzahlen 2025". Darin geht er von 78 TWh Biomethanpotenzial aus und stützt sich dabei auch auf Annahmen des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (IZES). Dazu kämen 72 TWh Potenzial an synthetischem Methan.
Bernhard Wern, Bereichsleiter Stoffströme am IZES, erklärte im Gespräch mit der ZFK dagegen: "Die Vorstellung, man könne künftig flächendeckend Gasheizungen im Gebäudebestand mit Biogas oder Biomethan betreiben, geben die Mengen schlicht nicht her."
70 statt 150 Terawattstunden
Eine Steigerung auf höchstens 70 TWh Biomethan bis 2030 hält er nur bei einer "stringenten Policy" für möglich – was den Bedarf von aktuell 320 TWh Erdgas für Raumwärme aber nicht decken würde.
Biomethan, also aufbereitetes Biogas, kann in das bestehende Erdgasnetz eingespeist werden. Spätestens seitdem die Bundesregierung in ihren Eckpunkten zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) Biomethan zu einer tragenden Säule einer klimafreundlichen Wärmeerzeugung erklärt hat, ist eine Diskussion über das tatsächliche Potenzial des Energieträgers entbrannt.
"Wir können liefern"
Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas, ist dennoch überzeugt: "Wir können liefern", betonte er in dem Gespräch. Dazu brauche es den passenden Rahmen. Da viele Biogasanlagen zudem bald die EEG-Förderhöchstgrenze von 20 Jahren erreichen, fehle oft eine wirtschaftliche Perspektive.
Der Biogasrat verwies noch im Sommer 2025 darauf, dass mindestens 1000 Anlagen von Stilllegungen betroffen seien. Die Branche hatte lange auf eine weitergehende Förderung durch das sogenannte Biomassepaket gedrängt. Doch das könnte für einige Anlagen nun zu spät gekommen sein.
Eckpunkte noch kein Gesetz
Das Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB), in dem der Verband zusammen mit anderen zusammengeschlossen ist, wertete die GMG-Eckpunkte zunächst als positives Signal, entscheidend sei jedoch die Ausgestaltung. Derweil sorgten einige Punkte darin bereits für Missverständnisse, etwa bei der Unterscheidung zwischen Grüngas/Öl-Quote und "Bio-Treppe".
Den "Branchenzahlen 2025" zufolge betrugen die Umsatzerlöse zuletzt insgesamt 9,6 Milliarden Euro jährlich. Zum Jahresende waren demnach 290 Anlagen mit nachgeschalteter Aufbereitung zu Biomethan am Netz. Das zwölfseitige PDF mit allen Daten ist online verfügbar.



