Kommunale Wasserstoffprojekte werden auch in der Energiekrise weiterverfolgt.

Kommunale Wasserstoffprojekte werden auch in der Energiekrise weiterverfolgt.

Bild: © Adobe Stock/scharfsinn86

Grüner Wasserstoff gilt als ein Schlüssel für ein klimaneutrales Energiesystem. Noch ist er allerdings teuer: sowohl in der Produktion als auch das Produkt – trotzdem setzen Stadtwerke vermehrt darauf. Die abermalige Energiekrise werten sie als Bestätigung ihrer Strategie, wie Beispiele aus Kiel, Paderborn, Trier, Wertheim und Wunsiedel zeigen.

So treiben etwa der kommunale Energiedienstleister Westfalen Weser, die Stadtwerke Lichtenau und die Stadt Lichtenau ihr gemeinsames Wasserstoffprojekt "Schlafender Riese" weiter mit Hochdruck voran, bestätigten die Partner auf Nachfrage. "Nach heutigem Stand rechnen wir mit einem regulären Produktionsbeginn im vierten Quartal 2027", teilten sie mit.

Name ist Programm

Dabei ist der Name Programm: Im nordrhein-westfälischen Lichtenau soll zunächst ein Elektrolyseur mit zehn Megawatt (MW) Leistung errichtet werden. Bei positivem Projektverlauf sei es jederzeit möglich, am Standort weitere fünf Megawatt Leistung zu ergänzen. "Insgesamt sind wir sehr optimistisch, künftig auch Vorhaben mit deutlich größerer Leistung umzusetzen."

Wie die Partner betonen, würden die aktuellen geopolitischen Entwicklungen die Bedeutung einer verlässlichen, bezahlbaren und zugleich klimafreundlichen Energieversorgung unterstreichen. Wasserstoff könne dabei eine zentrale Rolle spielen. "Deshalb halten wir konsequent an unseren Plänen fest und wollen aktiv zum Markthochlauf von grünem Wasserstoff in Ostwestfalen‑Lippe beitragen."

Trier sieht sich bestätigt

Mit einem Megawatt deutlich kleiner dimensioniert, aber mindestens genauso ambitioniert ist das Projekt der Stadtwerke Trier am Standort Bitburg (Rheinland-Pfalz). "Die geplante Anlagengröße von circa einem Megawatt ist für uns als mittelgroßes Stadtwerk eine angemessene Leistung, um als Forschungs- beziehungsweise Pilotvorhaben einen Einstieg in die Technologie zu finden", heißt es auf Anfrage.

Auch hier sieht sich das Unternehmen in seiner langfristigen Strategie bestätigt: "Regional verfügbares Biomethan aus Biogas oder Wasserstoff unterstützt uns dabei, unabhängiger von globalen Märkten für CO2-intensive, fossile Energieträger zu werden." Die Anlage soll im dritten Quartal 2027 in Betrieb gehen. Und: Je nach Marktentwicklung sollen weitere folgen.

Planungssicherheit gefordert

Die Stadtwerke Wertheim möchten ebenfalls im kommenden Jahr einen 10-MW-Elektrolyseur in Betrieb nehmen und damit ihre Energieversorgung vergrünen. "Wir stehen kurz vor Abschluss der Genehmigungsplanung", sagte Geschäftsführer Thomas Beier im April im ZFK-Interview. Ende 2027 soll die Produktion von grünem Wasserstoff im baden-württembergischen Wertheim starten.

Zwar habe sich seine Grundüberzeugung dazu nicht verändert, "aber wir sehen, dass das Thema stark von äußeren Faktoren abhängt – geopolitische Entwicklungen, Energiepreise, politische Prioritäten", so Beier. Ohne Förderung sei ein solches Projekt derzeit kaum darstellbar. An die Politik gerichtet fordert er verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, statt "häufige Richtungswechsel".

Die Technologien für eine rein regenerative Energieversorgung sind alle da und sie ist die einzige Lösung, die uns zugleich Versorgungssicherheit, ökologische Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit bietet.

Nicht weit entfernt, im bayerischen Wunsiedel, setzen die lokalen Stadtwerke gleichermaßen auf Alternativen zu Öl und Gas, darunter Windparks, Fotovoltaikanlagen und Biomasse. Ebenso im Fokus: Batteriespeicher und Wasserstoff.

Geschäftsführer Marco Krasser erklärte in einer Mitteilung der SWW Wunsiedel im März: "Die Technologien für eine rein regenerative Energieversorgung sind alle da und sie ist die einzige Lösung, die uns zugleich Versorgungssicherheit, ökologische Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit bietet."

Kiel hält Kurs

Und im Norden? Dort arbeiten beispielsweise die Stadtwerke Kiel daran, ihr "Küstenkraftwerk" auf Wasserstoff umzustellen. Und dass, obwohl Kiel nun nicht wie ursprünglich geplant an das sogenannte Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen wird – ein Einschnitt in die Planung.

Technikvorstand Jörg Teupen sagte der Nachrichtenagentur dpa vor einigen Wochen, sein Unternehmen halte weiter an der geplanten Transformation fest. Realistisch sei das bis 2035 aber nur, "wenn jetzt die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden und auch Mengen ins Transportnetz hereinkommen."

Mehr zu dem Wasserstoffprojekt "Schlafender Riese" in Lichtenau erfahren Sie hier.

Das Interview mit Thomas Beier von den Stadtwerken Wertheim lesen Sie hier.

Hintergründe zu den Wasserstoffplänen in Wunsiedel erfahren Sie hier.

Und Details zum Kieler "Küstenkraftwerk" finden Sie hier.

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