Bei einem waren sich zumindest alle Bundestagsfraktionen mit Ausnahme der AfD einig: Ein Wasserstoff-Kernnetz ist für die Zukunft Deutschlands unverzichtbar. In diesem Sinne geht es also in die richtige Richtung.

Bei einem waren sich zumindest alle Bundestagsfraktionen mit Ausnahme der AfD einig: Ein Wasserstoff-Kernnetz ist für die Zukunft Deutschlands unverzichtbar. In diesem Sinne geht es also in die richtige Richtung.

Bild: © Uwe Zucchi/dpa

Von Ariane Mohl

Es sind keine guten Zeiten für grünen Wasserstoff: Vor wenigen Wochen meldeten die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm überraschend das Aus für ihr Projekt "H2-Factory". Das kommunale Unternehmen wollte eigentlich in der Ulmer Innenstadt eine zwei bis drei Megawatt-Elektrolyse-Anlage errichten, um grünen Wasserstoff zu produzieren.

Doch daraus wird nun nichts: "Die gesetzten Projektziele konnten von den Projektpartnern nicht gemeinsam erreicht werden", so die Begründung. Auf Nachfrage wird ein Stadtwerkesprecher konkreter: Aufgrund der aktuellen Unsicherheit beziehungsweise Komplexität in der Förderlandschaft seien die Risiken für die Umsetzung des Projekts einfach zu groß gewesen.

Das kommunale Unternehmen hatte noch Glück im Unglück. Der Projektstopp kam in der Planungsphase. Man habe zwar gewisse Aufwendungen gehabt, dabei aber auch viel gelernt – Wissen, das man nun für künftige Projekte nutzen wolle, heißt es aus Ulm.

Projekt noch nicht komplett abgehakt

Aufgeben wollen die Stadtwerke ihre Wasserstoffpläne allerdings nicht. Das kommunale Unternehmen sucht aktuell nach neuen Standorten. An der an sich simplen Grundidee wollen die Stadtwerke festhalten: Elektrolyseure erzeugen Wasserstoff durch das Spalten von Wasser in dessen Bestandteile. Das neue Konzept soll nach Stadtwerke-Angaben aber mit mehreren Kunden arbeiten statt mit nur einem einzigen Abnehmer.

Zudem hofft der Kommunalversorger weiter auf Fördergelder für das Projekt "H2Bridge". Die Idee: Im Ulmer Norden soll eine 10 Megawatt starke Elektrolyse-Anlage errichtet werden, die Wasserstoff unter anderem für den Verkehrssektor erzeugen soll. Kommt der Förderbescheid, soll die Anlage "netzdienlich" betrieben werden, sprich: Der Stromüberschuss im Netz soll effizient genutzt werden.

Hängepartie in der Uckermark

Warten auf den Förderbescheid – davon kann auch die Regionale Planungsgesellschaft Uckermark-Barnim ein Lied singen. Sie verantwortet das Netzwerk "H2Wasserstoffregion Uckermark-Barnim", das bislang vom Brandenburger Wirtschaftsministerium gefördert wurde.

Doch die fließen nicht wie geplant. Offenbar kann der Antrag auf die Verlängerung des Projekts erst genehmigt werden, wenn die letzte Förderperiode abgerechnet ist. Durch die Hängepartie und der ungewissen Zukunft haben sich bereits die ersten Mitarbeiter aus dem Projekt verabschiedet, schreibt die Regionalpresse.

Während die Brandenburger noch hoffen dürfen, können die Hannoveraner nur noch die Scherben zusammenkehren.  Das ambitionierte Vorhaben, aus Klärwasser grünen Wasserstoff zu gewinnen, ist dort im vergangenen Jahr gescheitert. Der Grund: die Kosten liefen komplett aus dem Ruder.

Die Stadt hatte anfangs mit 25 Millionen Euro geplant. Daraus wären dann schlussendlich 136 Millionen Euro geworden, wenn die Projektverantwortlichen nicht die Notbremse gezogen hätten. Trotzdem bleibt die Stadt auf einem Schaden von rund 10 Millionen Euro sitzen – viel Geld in einer Zeit, in der die kommunalen Kassen leerer sind denn je. Der bei der Wasserstoffproduktion abfallende Sauerstoff hätte für die Abwasserreinigung verwendet werden sollen – eigentlich ein innovativer Ansatz, der als Blaupause für andere kommunale Unternehmen hätte dienen können. Doch ohne deutlich niedrigere Herstellungskosten für grünen Wasserstoff werden solche Projekte wohl selbst mit Fördermitteln kaum zu stemmen sein. 

Eon bleibt skeptisch

Auch einer neuen Studie des Energiekonzerns Eon zufolge verläuft der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft langsamer als ursprünglich geplant. Viele Projekte haben demnach Schwierigkeiten, die Produktionskosten mit der Zahlungsbereitschaft potenzieller Kunden in Einklang zu bringen.

Von Eon ausgewertete Daten zeigen, dass ein großflächiger Einsatz von kohlenstoffarmem Wasserstoff erst später erforderlich sein wird als im EU-Referenzszenario angenommen. Die Nachfrage könnte also bis 2030 deutlich niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet.

Im Energy-Playbook-Szenario liegt die Wasserstoffnachfrage 2030 bei weniger als 10 Prozent der 20 Millionen Tonnen, die im Repower-EU-Plan vorgesehen waren. Ein signifikantes Wachstum der Wasserstoffnachfrage wird erst ab den 2030er-Jahren erwartet.

Eon selbst hat bereits seine Konsequenzen gezogen. Das Essener Unternehmen hatte Ende vergangenen Jahres bestätigt, bei seinen Wasserstoffaktivitäten auf die Bremse zu gehen.

Stellenabbau beim Elektrolyseurhersteller

Vor rund zwei Wochen hatte der Elektrolyseurhersteller Quest One bekanntgegeben, dass er an den Standorten Augsburg und Hamburg Stellen abbauen will. Man müsse die Kapazitäten an die aktuelle Marktsituation anpassen, so die Begründung.

Die Wasserstoffwirtschaft entwickele sich nur schleppend, das Marktumfeld werde herausfordernd bleiben, so Unternehmenschef Michael Meister.

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