Eine neue Studie warnt davor, Großbatteriespeicher zu stark einzuschränken. (Symbolbild)

Eine neue Studie warnt davor, Großbatteriespeicher zu stark einzuschränken. (Symbolbild)

Bild: ©  Schönergie/Jennifer Weyland

Batteriegroßspeicher leisten einen messbaren Beitrag zur Effizienz und Stabilität des deutschen Stromsystems. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Beratungsunternehmen Neon Neue Energieökonomik und Consentec. Die Analyse, erstellt im Auftrag der Unternehmen Kyon Energy, Lichtblick, Eco Stor und Fluence, bescheinigt Großbatterien einen klar positiven Wohlfahrtseffekt – und warnt zugleich vor regulatorischen Fehlanreizen.

Demnach senken Batteriegroßspeicher die Gesamtkosten des Stromsystems, indem sie Strom in Zeiten hoher Nachfrage bereitstellen, Preisspitzen dämpfen und kurzfristige Flexibilität schaffen. Sie verdrängen teure konventionelle Erzeugung, reduzieren CO₂-Emissionen und erhöhen die Versorgungssicherheit. Diese Effekte wirken bereits heute, da Speicher überwiegend marktdienlich eingesetzt werden und ihre Leistungen über Strompreise abgebildet sind.

Kaum ökonomische Signale

Gleichzeitig identifiziert die Studie ungenutztes Potenzial auf der Netzseite. Großbatteriespeicher könnten gezielt zur Entlastung von Stromnetzen beitragen, erhalten dafür bislang jedoch kaum ökonomische Signale. Netzengpässe und lokale Belastungen spiegeln sich weder in Marktpreisen noch in Netzentgelten wider. In der Praxis optimieren Speicherbetreiber daher primär ihre Energiekosten – nicht die Netzauslastung.

Vor diesem Hintergrund warnt die Studie vor pauschalen regulatorischen Eingriffen. Einschränkungen der kurzfristigen Vermarktung, uneinheitliche Anschlussregeln oder starre betriebliche Vorgaben könnten die marktdienliche Flexibilität von Speichern deutlich reduzieren. Der dadurch entstehende Wohlfahrtsverlust könne größer sein als der potenzielle Netznutzen, den solche Maßnahmen eigentlich heben sollen.

Vergütung für systemdienliches Verhalten

Die Autoren plädieren daher für einen ganzheitlichen Blick auf die Systemdienlichkeit von Batteriespeichern. Entscheidend sei nicht eine isolierte Netzdienlichkeit, sondern der Gesamtbeitrag zu Markt- und Netzeffizienz – und damit zur Senkung der Systemkosten.

Empfohlen werden gezielte, transparente und investitionsfreundliche Anpassungen im Strommarktdesign. Dazu zählen zeit- und ortsvariable Preissignale, bundesweit einheitliche Netzanschlussregeln sowie Marktmechanismen, die netz- und systemdienliches Verhalten sachgerecht vergüten.

Diskussion um dynamische Arbeitspreise

Die Ergebnisse der Studie fallen in eine Phase intensiver regulatorischer Diskussionen. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die bislang geltende weitgehende Netzentgeltbefreiung für Stromspeicher im Rahmen des sogenannten Agnes-Prozesses zu überprüfen. Künftig sollen Speicher grundsätzlich an Netzentgelten beteiligt werden, um Anreize für systemdienliches Verhalten zu setzen. Vorgesehen sind unter anderem dynamische Arbeitspreise, die sich an der Netzsituation orientieren.

Die Studienautoren sehen diese zwar grundsätzlich als geeignetes Instrument, um netzdienliches Verhalten von Batteriespeichern anzureizen. Zugleich warnen sie jedoch ausdrücklich vor einer vorschnellen Einführung. Unzureichend differenzierte oder kurzfristig wirksame Entgeltsignale könnten die marktdienliche Flexibilität von Speichern erheblich einschränken und damit mehr volkswirtschaftlichen Schaden verursachen, als sie netzseitig Nutzen stiften.

Auch die Speicherbranche kritisiert, dass die von der Bundesnetzagentur skizzierten Modelle bislang kaum Investitionssicherheit bieten und zentrale Voraussetzungen wie bundesweit einheitliche Regeln und verlässliche Vorlaufzeiten offenlassen.

"Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Batteriegroßspeicher sind ein Gewinn für das gesamte Stromsystem", sagt Lion Hirth, Gründer und Geschäftsführer von Neon Neue Energieökonomik. Entscheidend sei nun, die regulatorischen Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass sowohl Markt als auch Netze von der Flexibilität der Speicher profitieren können.

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