Wie sinnvoll ist die Förderung privater Solaranlagen? Die Branche ist sich uneins. (Symbolbild)

Wie sinnvoll ist die Förderung privater Solaranlagen? Die Branche ist sich uneins. (Symbolbild)

Bild: © slavun/AdobeStock

Mehr als ein Drittel der installierten 112 Gigawatt Photovoltaikleistung in Deutschland entfällt auf kleine Anlagen unter 30 Kilowatt (kW). Der inoffizielle Referentenentwurf zur EEG-Novelle sieht vor, dass neue Anlagen unter 25 kW keine Marktprämien mehr erhalten sollen. Beim Ökostromversorger EWS trafen sich Branchenvertreter, Wissenschaftler und Politiker zur Debatte: Quo vadis kleine PV?

Verena Fluri vom Fraunhofer ISE legte die Ausgangslage nüchtern dar: Die Direktvermarktung verschlechtere in allen untersuchten Szenarien die Wirtschaftlichkeit neuer Kleinanlagen. Um die höheren Kosten aufzufangen, sei eine rund 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig.

Wirtschaftlichkeit unter Druck

Konkret verlängere sich die Amortisationszeit um zwei bis drei Jahre – was bei ohnehin knapp rentablen Anlagen bedeuten kann, dass sie sich innerhalb der 20-jährigen EEG-Vergütungsdauer nicht mehr refinanzieren. "Eine Abschaffung der Einspeisevergütung würde zum aktuellen Zeitpunkt zu einem Einbruch der Installationszahlen führen", so Fluri.

Die Marktforscher rechnen dabei für 2045 mit einem Arbeitspreis von rund 24 Cent pro Kilowattstunde – gegenüber heute etwa 33 Cent. Für Haushalte mit mittlerem Kostenniveau und hohem Eigenverbrauch errechnete das ISE bereits heute Amortisationszeiten von knapp 19 Jahren.

Ein Viertel würde auf PV-Anlage verzichten

Dass die Sorgen berechtigt sind, zeigt auch eine aktuelle, repräsentative Umfrage im Auftrag des Solaranbieters 1Komma5Grad: Demnach würden 27 Prozent der Befragten bei einem zusätzlichen Netzanschlussbeitrag von rund 1000 Euro – wie ihn das geplante Netzpaket ermöglichen würde – komplett auf eine Solaranlage verzichten.

Weitere 37 Prozent würden die Investition zumindest aufschieben. "Solarstrom vom eigenen Dach ist die klimafreundlichste und wirtschaftlichste Energieversorgung. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage darf die Investition in erneuerbare Energien nicht durch neue Bürokratie und Gebühren erschwert werden", sagte Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer des Hamburger Unternehmens.

Infrastruktur hinkt hinterher

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer: Nicht die Marktintegration an sich ist falsch – sondern das Tempo. BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sprach sich grundsätzlich für die Direktvermarktungspflicht aus, plädierte aber für einen Start nicht vor 2030 statt des geplanten Endes 2028.

Entscheidend sei die Einrichtung der Datenplattform Mabis-Hub und ein funktionierender Smart-Meter-Rollout: "Wenn sich die Amortisation nur um zwei bis drei Jahre verlängert, ist das immer noch eine gute Investition."

Alexander Sladek, Vorstand des Ökostromversorgers EWS, brachte das strukturelle Dilemma der Direktvermarkter auf den Punkt: Günstige Angebote für Kleinanlagen seien wegen der hohen Fixkosten kaum darstellbar. "Es wird an der einen Stelle nun etwas abgeschafft, ohne dass an der anderen Stelle nachgeschärft wird."

Katrin Uhlig, Energiefachpolitikerin der Grünen, mahnte, erst die bürokratischen Hürden zu senken, den Smart-Meter-Rollout zu vollenden und dann über Direktvermarktung nachzudenken. Und sie wies auf ein oft übersehenes Segment hin: Mieterstrom. Für Anlagen im urbanen Bereich fehlten schlicht die Rahmenbedingungen.

Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Koller betonte, Dachanlagen seien kein Randthema: "Wenn wir nur noch riesige Freiflächenanlagen installieren, verbrauchen wir viel Fläche."

Subvention oder Systemleistung?

Die Diskussion hat auch eine volkswirtschaftliche Dimension. Energieökonom Lion Hirth von der Hertie School argumentiert, dass Eigenverbrauchsanlagen mit Festpreistarif die Stromrechnung der Nachbarn erhöhten – weil sich Betreiber anteilig der Netzfinanzierung entzögen. Consentec-Geschäftsführer Christoph Maurer ergänzt: Kleine Dachanlagen seien spezifisch teurer als Freiflächenanlagen und würden indirekt durch höhere Netzentgelte der übrigen Nutzer mitfinanziert.

Peter Knuth, Chef des Solaranbieters Enerix, hält dagegen: Entscheidend sei nicht der Erzeugungspreis, sondern der Endpreis beim Verbraucher – der durch Netzentgelte, Abgaben und Konzernmargen künstlich in die Höhe getrieben werde. Wer eine Solaranlage baue, zahle oft nur ein Drittel dessen, was Netzstrom koste. "Dezentrale Energie ist nicht das Problem. Sie ist die Antwort auf ein System, das längst aus dem Gleichgewicht geraten ist."

Entwurf auf Arbeitsebene

Zwei Fragen bleiben im aktuellen Entwurf weitgehend unbeantwortet. Erstens: Was passiert mit Bestandsanlagen, die nach 20 Jahren aus der EEG-Vergütung fallen? Für sie fehlt bislang jede Anschlussregelung. Zweitens: Wie geht es mit Mieterstrom weiter? Anlagen im urbanen Bereich, bei denen weder hoher Eigenverbrauch noch Batteriespeicher realistisch sind, dürften sich ohne Förderung schlicht nicht mehr rechnen – und damit ein erhebliches Potenzial für die städtische Energiewende ungenutzt lassen.

Unionspolitiker Koller räumte in der EWS-Runde ein, dass der Entwurf auf Arbeitsebene entstanden und auf Leitungsebene noch nicht abschließend diskutiert worden sei. Ob die offenen Fragen dort noch Eingang finden, bleibt abzuwarten.

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