Die Solarbranche fürchtet eine Kostenwelle für PV-Besitzer. (Symbolbild)

Die Solarbranche fürchtet eine Kostenwelle für PV-Besitzer. (Symbolbild)

Bild: © Adobe Stock

Das geleakte "Netzanschlusspaket" aus dem Bundeswirtschaftsministerium könnte den Markt für private Photovoltaik-Anlagen grundlegend verändern. Neben kapazitätslimitierten Netzgebieten und einem möglichen Wegfall der Redispatch-Entschädigung sorgt vor allem ein Punkt für Alarm: Baukostenzuschüsse für Einspeiser – möglicherweise auch bei bestehenden Hausanschlüssen.

In Kombination mit diskutierten Einspeisenetzentgelten und einer perspektivischen Abkehr von der festen Einspeisevergütung droht ein Bündel neuer Kosten- und Risikofaktoren für Hausbesitzer.

Bis zu 1000 Euro zusätzlich für eine typische Dachanlage?

Der Entwurf sieht vor, dass Betreiber erneuerbarer Anlagen künftig an Kosten für Netzausbau und -verstärkung beteiligt werden können. Konkret geht es um Baukostenzuschüsse (BKZ), die pro Kilowatt (kW) Anschlussleistung erhoben werden. In der Praxis bewegen sich diese derzeit in einer Größenordnung von 40 bis 150 Euro pro kW.

Für eine typische 10-kWp-Dachanlage wären das rund 1000 Euro – zusätzlich zu Investitionskosten, Zählerumbauten und gegebenenfalls einem Speicher.

Besonders umstritten ist in der Branche, dass ein BKZ nach Lesart des Entwurfs auch dann greifen könnte, wenn ein bestehender Netzanschluss genutzt wird. Felix Dembski, Vice President Legal & Regulatory beim Speicheranbieter Sonnen, kritisiert, dass Einspeiser unter Umständen "manchmal sogar zweimal" zahlen müssten: einmal für den ursprünglichen Verbrauchsanschluss, später erneut für die PV-Einspeisung.

Mehrere Unsicherheiten treffen zusammen

Für den privaten PV-Markt ist der BKZ allerdings nur ein Teil der Gleichung. Denn parallel dazu diskutiert die Bundesnetzagentur über sogenannte Einspeisenetzentgelte. Anders als der einmalige BKZ wären das laufende Entgelte für eingespeisten Strom. Betreiber müssten dann dauerhaft für die Nutzung des Netzes zur Stromabgabe zahlen.

Zudem mehren sich Hinweise, dass die feste Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) perspektivisch an Bedeutung verlieren oder ganz entfallen könnte. Damit würde ein zentrales Element der Kalkulationssicherheit wegfallen.

Hinzu kommt der geplante Redispatch-Vorbehalt in sogenannten kapazitätslimitierten Netzgebieten. Dort könnten Anschlussansprüche eingeschränkt und Entschädigungen für Abregelungen gestrichen werden. Private Betreiber müssten Ertragsrisiken künftig stärker selbst tragen.

"Knock-out" für dezentrale Energiewende

Philipp Schröder, CEO und Mitgründer des Solaranbieters 1Komma5Grad, warnt deshalb auf Linkedin vor einer systemischen Schieflage. "Das Netzpaket droht, die Energiewende faktisch abzuwürgen: Während fossile Kraftwerke staatlich abgesichert werden, sollen erneuerbare Erzeuger erstmals zusätzliche Netzkosten tragen."

Mit Blick auf mögliche Baukostenzuschüsse auch für bestehende Anschlüsse spricht Schröder von einer potenziell existenziellen Belastung für den dezentralen Ausbau: "Ohne eine Klarstellung droht diese Anschlussgebühr zum Knock-out-Kriterium für die dezentrale Energiewende zu werden."

Gerade im Eigenheimsegment entscheiden häufig wenige hundert Euro über die Investitionsbereitschaft. Nach dem Solarspitzengesetz war der Zubau bei Kleinanlagen zeitweise um rund 80 Prozent eingebrochen – ein Signal dafür, wie empfindlich der Markt auf regulatorische Veränderungen reagiert.

Intelligente Systeme immer wichtiger

Ökonomisch verschiebt sich das Modell damit weiter in Richtung Eigenverbrauch, Speicher und intelligente Steuerung. Wer flexibel agiert und wenig einspeist, ist weniger von Netzentgelten und Vergütungssystemen abhängig.

Schröder sieht darin zwar grundsätzlich eine Entwicklung hin zu "New Energy" mit intelligent gesteuerten Systemen. Doch der Zeitpunkt sei problematisch: "Mitten in der Wirtschaftskrise stellt der Entwurf geplante Investitionen infrage, gefährdet Hunderttausende Arbeitsplätze und die heimische Wertschöpfung – und lässt die günstigste Lösung ungenutzt: intelligente Einspeisung und Verbrauchssteuerung sowie flexible Netzentgelte, um Kosten dauerhaft für alle zu senken."

Investitionsbereitschaft dürfte nachlassen

Der private Dach-PV-Ausbau war zuletzt eine tragende Säule der Energiewende – schnell, dezentral und überwiegend privat finanziert. Sollten Baukostenzuschüsse, mögliche Einspeisenetzentgelte, der Wegfall fester Vergütungen und zusätzliche Abregelungsrisiken gleichzeitig greifen, dürfte die Investitionsdynamik spürbar nachlassen.

Für die Bundesregierung würde sich damit ein heikler Zielkonflikt verschärfen: Netzstabilität und Kostendämpfung auf der einen Seite – Ausbauziele und Akzeptanz der Energiewende auf der anderen.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper