Cecil von Croy ist Mitgründer und CEO von Alva Energie. Das Berliner Start-up richtet sich an Wohn- und Gewerbeimmobilien und bietet Mieterstrom-Projekte und dezentrale Energiekonzepte an.

Cecil von Croy ist Mitgründer und CEO von Alva Energie. Das Berliner Start-up richtet sich an Wohn- und Gewerbeimmobilien und bietet Mieterstrom-Projekte und dezentrale Energiekonzepte an.

Bild: © ALVA Energie

Von Julian Korb

Von außen betrachtet wirkt die Energiewende im Quartier oft wie ein Puzzle: Photovoltaikanlagen, Ladepunkte, Speicher, Messkonzepte – alles da, aber nichts greift ineinander. "Das ist der Hauptgrund, warum so viele Projekte scheitern", sagt Cecil von Croy, Mitgründer und CEO vom Berliner Anbieter für dezentrale Energielösungen Alva Energie. Sein Unternehmen bietet dafür eine "One-Stop-Shop"-Lösung für Mieterstrom und gebäudeintegrierte Energieversorgung an.

"Wenn jede Partei für sich denkt – der Installateur, der Betreiber, der Eigentümer – dann verliert man sich in Zuständigkeiten, Schnittstellen und Missverständnissen", sagt von Croy. Alva übernehme dagegen die Rolle des Generalunternehmers: von der Planung über die Installation bis zur Abrechnung. Das Ziel: Mieterstrommodelle einfach, wirtschaftlich und massentauglich machen.

Warum Mieterstrom oft an der Praxis scheitert

Die typischen Stolpersteine kennt von Croy aus Dutzenden Projekten. Da wird etwa ein Ladepunkt installiert, während parallel ein Stromvertrag mit dem Stadtwerk abgeschlossen wird – und plötzlich passt nichts mehr zusammen. Oder Eigentümergemeinschaften (WEGs) streiten über die faire Verteilung von Kosten und Erträgen, weil der tägliche Verbrauch stark variiert. "Das sind keine bösen Absichten, sondern schlicht fehlende Erfahrung und fehlendes Know-how", so der Gründer.

Hinzu kommen Fehlinvestitionen: Anlagen, die billig errichtet, aber technisch ungeeignet für ein funktionierendes Messkonzept sind. "Wir müssen dann oft übernehmen, umbauen und alles neu denken", sagt von Croy. Trotz solcher Hindernisse sei die Umsetzung inzwischen deutlich effizienter geworden. Alva schafft es laut eigenen Angaben, Projekte von der Auftragserteilung bis zur Inbetriebnahme in rund vier Monaten umzusetzen.

Zwischen Mythen und Missverständnissen

Ein weiteres Hemmnis für die Branche sieht der CEO in der juristischen Unsicherheit nach dem BGH-Urteil zur Kundenanlage. Im Netz kursierten "unzählige Mythen", wonach Mieterstrom gar nicht mehr erlaubt sei. "Das ist schlicht falsch", betont von Croy. Das Gesetz zur Kundenanlage gelte weiterhin, Projekte könnten ganz normal umgesetzt werden.

Die Verunsicherung im Markt habe jedoch dazu geführt, dass Netzbetreiber und Kommunen Projekte zeitweise auf Eis legten. "Manche Netzbetreiber haben das Urteil als Vorwand genutzt, um komplexe Modelle nicht genehmigen zu müssen", so von Croy. Erst in den vergangenen Monaten habe sich die Lage wieder entspannt, weil die Bundesnetzagentur und das Wirtschaftsministerium klare Vorgaben gemacht hätten: Wenn Strom auf Gebäudeebene verbraucht wird und der Eigentümer für die Versorgung sorgt, liege kein Netzbetrieb vor.

Ein ungelöstes Problem bleibt allerdings die Quartiersversorgung. "Da ist noch unklar, wie Leitungen zwischen Gebäuden rechtlich bewertet werden. Aber wir rechnen damit, dass im kommenden Jahr eine Klärung kommt", so der Unternehmenschef.

Streit um Netzentgelte: "Man muss die Kirche im Dorf lassen"

In der Debatte um faire Netzkosten zeigt von Croy Verständnis für die Position der Bundesnetzagentur, warnt aber vor Fehlanreizen. "Natürlich braucht es den Netzausbau, aber die Mieterstrommodelle in der Wohnungswirtschaft sind kein Problem, sondern Teil der Lösung."

Denn bei Mehrparteienhäusern liege der Eigenverbrauchsanteil meist nur zwischen 20 und 40 Prozent – der Großteil des Stroms komme weiterhin aus dem Netz. "Wenn man solche dezentralen Lösungen bremst, verliert man Investitionen in der Kommune, lokale Wertschöpfung und Akzeptanz für die Energiewende", so von Croy.

Abnahmepflicht und Speicher – wie weit darf Regulierung gehen?

Auch zur Diskussion um eine Abnahmepflicht für Mieterstrom hat der Alva-Chef eine klare Meinung. "Wenn der Eigentümer günstigen, grünen Strom liefert, sollte der Mieter ihn auch verpflichtend abnehmen – ähnlich wie bei der Wärmeversorgung." Voraussetzung sei allerdings, dass der Strom tatsächlich günstiger sei als der Markttarif. "Es darf niemand gezwungen werden, teuren Strom zu kaufen."

Beim Thema Batteriespeicher plädiert von Croy für Pragmatismus. Im Gewerbe müsse sich der Einsatz wirtschaftlich rechnen, in der Wohnungswirtschaft dagegen werde er "in einem Jahr gar nicht mehr wegzudenken" sein. Noch verhindere die komplexe Abrechnung – etwa, wenn gespeicherter Strom an verschiedene Nutzer fließt – eine breite Umsetzung. "Aber das wird sich ändern. Technisch und regulatorisch sind wir kurz davor, dass Speicher zum Standard werden."

Smart Meter: Wettbewerb als Innovationstreiber

Wenig Verständnis zeigt der Gründer für die Überlegungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, den Smart-Meter-Rollout wieder in die Verantwortung der Netzbetreiber zu legen. "Ich bin ein großer Verfechter der wettbewerblichen Messstellenbetreiber", sagt von Croy.

Lesen Sie dazu auch: Streit um Zuständigkeit beim Smart-Meter-Rollout

Diese Anbieter hätten erst Bewegung in den Markt gebracht, etwa durch neue virtuelle Zählerkonzepte. "Wenn man den Rollout beschleunigen will, ist das sinnvoll. Aber das darf nicht dazu führen, dass der Wettbewerb verschwindet – sonst verliert man Innovation und Dynamik."

"Wir müssen aufhören zu sagen, Mieterstrom funktioniert nicht."

Der Umkehrpunkt ist erreicht

Trotz aller Hürden ist von Croy optimistisch. Die Kombination aus fallenden Hardwarekosten, steigender Stromnachfrage durch Elektrifizierung und digitaler Steuerung führe dazu, dass Mieterstrommodelle heute wirtschaftlich darstellbar seien. "Solarenergie ist die günstigste Energiequelle der Welt – das ist ein Fakt. Wir können Strom lokal produzieren, intelligent managen und günstiger anbieten. Jetzt braucht es nur noch den Mut, das auch zu tun."

Gerade auf Immobilienmessen wie der Expo Real spüre man den Wandel. "Vor ein paar Jahren war Mieterstrom ein Nischenthema. Jetzt ist es wirtschaftlich relevant. Immobilienentwickler, Kommunen, Energieversorger – alle suchen nach Lösungen. Und das ist gut so", sagt von Croy.

Seine Botschaft: "Wir müssen aufhören zu sagen, Mieterstrom funktioniert nicht." Die Rahmenbedingungen hätten sich geändert. "Jetzt geht es darum, gemeinsam anzupacken – pragmatisch, wirtschaftlich und mit Überzeugung."

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

EnWG-Novelle: Diese Knackpunkte treiben die Branche um

Kundenanlage in Gefahr: Warum die Energiewende klare Regeln braucht

Mieterstrom lohnt sich – trotz Hürden

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper