Von Julian Korb
Wie geht es weiter mit dem Ausbau der Solarenergie in Deutschland? Auch im nun veröffentlichten Energiewende-Monitoringbericht der Bundesregierung geht es um diese Frage. Ein Blick auf den Zubau der Photovoltaik im laufenden Jahr 2025 zeigt dabei, dass vor allem das Eigenheim-Segment in der Krise steckt.
Angesichts dieser Entwicklung sei offen, ob die Ausbauziele der Bundesregierung bei der Solarenergie zu schaffen seien, machte Studienautor Philipp Artur Kienscherf vom Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) in Köln deutlich. Im Monitoring heißt es dazu: Der rückläufige Trend "könnte negative Effekte auf die Zielerreichung bis 2030 haben, wenn sich dies fortsetzt und nicht kompensiert wird."
Gleichzeitig hält die Bundeswirtschaftsministerin, Katherina Reiche (CDU), weiter an ihrem Plan fest, die feste Einspeisevergütung für neue Klein-PV-Anlagen abzuschaffen. Stattdessen soll auch für private Dachanlagen künftig die Direktvermarktung gelten, wie es im 10-Punkte-Plan des Wirtschaftsministeriums zum Monitoring heißt.
Stimmen aus der Solarbranche warnten bereits im Vorfeld des Monitoringberichts, dass die Verunsicherung bei potenziellen Solarkunden derzeit groß sei. Aber verschaffen Sie sich selbst einen Überblick mit unseren ZfK-Grafiken.
Anteil der Balkonkraftwerke nimmt zu
In den beiden vergangenen Jahren sind jeweils 1,1 Millionen PV-Anlagen neu zugebaut worden. Im laufenden Jahr sind es, mit Stand zum 15. September, rund 600.000 neue Anlagen. Bleibt es beim aktuellen Ausbau-Tempo, dürften es daher dieses Jahr wohl weniger sein – und das trotz einer steigenden Zahl von Balkonkraftwerken, welche die reinen Stückzahlen nach oben treiben.
Beim Leistungszuwachs hingegen sieht es besser aus. Der Zubau von 17 Megawatt (MW) aus dem Vorjahr erscheint zwar unrealistisch, ein Plus von 15 MW wie im Jahr 2023 wäre hingegen noch möglich. Das dürfte auch am steigenden Anteil von Freiflächensolaranlagen liegen.
Einzelne Monate stechen hervor
Auffällig: Im Februar 2025 wurden besonders viele Freiflächensolaranlagen in Betrieb genommen. Hintergrund dürfte sein, dass viele Betreiber den neuen Regelungen des Solarspitzengesetzes zuvorkommen wollten. Denn dieses trat am 25. Februar 2025 in Kraft. Anlagen über 100 kWp, die danach in Betrieb gegangen sind, erhalten bereits ab der ersten Stunde mit negativen Strompreisen an der Börse keine Einspeisevergütung mehr.
Auch bei Gebäude-PV-Anlagen könnte das Solarspitzengesetz zu "Vorzieheffekten" geführt haben. Während im Januar mit deutlichem Abstand die meisten neuen Anlagen in Betrieb gingen, war der März der schwächste Monat. Durch das Solarspitzengesetz müssen neue Solaranlagen ab einer Nennleistung von 7 Kilowatt (kW) mit einem Smart Meter und einer Steuerbox ausgestattet sein. Solaranlagen ohne diese Steuerung dürfen nur 60 Prozent ihrer Nennleistung einspeisen.
Im August wurden sogar noch mehr Freiflächen-Solaranlagen in Betrieb genommen als im Februar, wohl, um die halbjährlich sinkende Einspeisevergütung auszunutzen. Zweimal im Jahr sinkt der Vergütungssatz. Für Betreiber hat das Inbetriebnahmedatum dementsprechend auch finanzielle Auswirkungen.
Bei den Gebäudesolaranlagen zeigt sich dieser Effekt diesmal hingegen nicht. Der August war der bislang schwächste Monat im laufenden Jahr.
Diskussion um Einspeisevergütung
Während der Ausbau von Freiflächen-Solaranlagen zum Halbjahr 2025 bereits mehr als die Hälfte des Vorjahres erreichte, liegen Gebäude-Solaranlagen deutlich unter den Werten der Vorjahre 2024 und 2023. Eine Erholung des Marktes dürfte bis Ende des Jahres nicht zu erwarten sein.
Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Neben der Diskussion um die Einspeisevergütung und die Folgen des Solarspitzengesetzes dürften sich Solarkunden auch allgemein um die zunehmenden Negativpreise an der Börse Gedanken machen.
Aber auch bei den Solaranbietern zeigten sich zuletzt Probleme. Der Wettbewerbsdruck hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, große Solarunternehmen mussten Insolvenz anmelden.
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