Die prognostizierten Investitionskosten für den Ausbau der deutschen Übertragungsnetze belaufen sich bis zum Jahr 2045 auf rund 328 Milliarden Euro. Das geht aus einer Antwort von Philipp Nimmermann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, auf eine Kleine Anfrage der Gruppe Die Linke hervor.
Den größten Investitionsbedarf hat demnach der Übertragungsnetzbetreiber Tennet (119 Milliarden Euro). Ihm folgen Amprion (118 Milliarden Euro), 50Hertz (70 Milliarden Euro) und Transnet BW (21 Milliarden Euro).
Starker Investitionsanstieg
Wie hoch die jährlichen Investitionen bis 2045 sein könnten, geht aus der Antwort des Staatssekretärs nicht hervor. Im Durchschnitt über den gesamten Zeitraum dürften es aber zwischen 14 und 15 Milliarden Euro pro Jahr sein.
Wie hoch diese Summe ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Von 2008 bis 2011 betrugen die jährlichen Investitionen und Aufwendungen der Netzbetreiber in die Infrastruktur weniger als eine Milliarde Euro. Erst 2021 waren es erstmals mehr als fünf Milliarden Euro. 2023 waren es bereits gut neun Milliarden Euro.
Erdkabel gegen Freileitung
Vorschläge zur Begrenzung der Netzausbaukosten gab es in den vergangenen Monaten einige. So warben drei der vier Übertragungsnetzbetreiber dafür, den Vorrang von Erdkabeln vor Freileitungen bei neu zu bauenden Stromautobahnen, sogennanten HGÜ-Leitungen, abzuschaffen.
Nach ihren Berechnungen könnten dadurch bis zu 20 Milliarden Euro eingespart werden. Dem Vernehmen nach hat Bundeskanzler Olaf Scholz den Vorschlag jedoch abgelehnt.
Habeck-Vorstoß
Geht es nach der SPD, soll der Staat die Kosten für den Ausbau des Übertragungsnetzes übernehmen. (Die ZfK berichtete.) Dagegen sperrt sich die FDP.
Auch ein Vorstoß von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die Stromnetzentgelte zu strecken, lief bislang ins Leere. Bei der Vorstellung des Haushaltskompromisses 2025 hieß es lediglich, dass ein sogenanntes Amortisationskonto geprüft werde.
Linke für eine öffentliche Netzgesellschaft
Für eine radikalere Lösung spricht sich die Linke aus. "Es ist ein Standortnachteil, dass das deutsche Stromnetz auf vier größtenteils private Betreibergesellschaften aufgeteilt ist", kommentiert der Bundestagsabgeordnete und Haushaltsexperte Victor Perli. "Das Stromnetz ist ein natürliches Monopol und gehört vollständig in die öffentliche Hand. Damit soll niemand Rendite machen."
Tatsächlich versucht die Bundesregierung, über Anteilskäufe mehr Einfluss auf die Übertragungsnetzbetreiber zu nehmen. Derzeit hält sie rund 25 Prozent an der Transnet BW sowie 20 Prozent an 50Hertz.
Tennet-Deal gescheitert
Eine Übernahme des größten Übertragungsnetzbetreibers Tennet, der dem niederländischen Staat gehört, scheiterte dagegen kürzlich. Für Henn ein weiterer Beleg dafür, "dass die Ampelkoalition nicht weiß, was sie will." Für ihn ist klar: "Es reicht auch nicht aus, lediglich Minderheitsbeteiligungen anzustreben." (aba)



