Von Julian Korb
Zum Jahresende ließen zwei Dunkelflauten die Strompreise nochmal in die Höhe schnellen. Doch das war 2024 eher die Ausnahme. Denn über das ganze Jahr gerechnet, ging der durchschnittliche volumengewichtete Day-Ahead-Börsenstrompreis um satte 15,5 Prozent zurück. Mit 7,8 Cent pro Kilowattstunde lag er sogar erstmals wieder unter dem Niveau von 2021 – also vor Ausbruch des Russland-Ukraine-Krieges. Das zeigen Zahlen der Plattform "Energy-Charts" des Fraunhofer-Instituts ISE.
Für die Vergünstigung sorgten auch zahlreiche Stunden mit negativen Spotmarktpreisen. Mit Ausnahme von Februar und März kam es in jedem Monat zu negativen Preisphasen von mindestens sechs Stunden. Kürzere Phasen, in denen der Spotmarktpreis unter die Nulllinie fiel, gab es sogar in jedem Monat.
Immer mehr Negativpreise
Auf 457 Negativpreisstunden kam Deutschland insgesamt im abgelaufenen Jahr, wie aus Zahlen der Plattform "Smard" der Bundesnetzagentur hervorgeht. Im Jahr 2023 waren es noch 301 negative Preisstunden gewesen. Im Jahr zuvor sogar nur 69 Stunden.
Hinzu kamen im vergangenen Jahr noch rund 60 Preisstunden um Null Euro pro Megawattstunde, sogenannte Nullwerte. Auch diese nahmen gegenüber 2023 und 2022 deutlich zu, als es noch 24 beziehungsweise 6 Stunden waren, in denen Strom nichts kostete.
Branchenkenner gehen davon aus, dass die Zahl der Negativpreise sowie der Nullstunden noch eine Weile zunehmen könnte. Die rot-grüne Bundesregierung hofft, mit Stimmen der Unionsfraktion im Bundestag noch eine Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) durchzubringen. Änderungen bei der Steuerbarkeit von PV-Anlagen und bei der Direktvermarktung könnten langfristig für weniger Negativpreisstunden sorgen.
Spitzenpreise nehmen ab
Während im Frühjahr und im Sommer vor allem Negativpreise für Diskussionen sorgten, schossen die Preise im Herbst und Winter immer wieder in die Höhe. Im Dezember waren es zeitweise Preisausschläge von mehr als 900 Euro pro Megawattstunde.
Tatsächlich hat die Anzahl besonders hoher Preisstunden im vergangenen Jahr jedoch abgenommen, wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur weiter hervorgeht. Besonders hohe Großhandelspreise von mehr als 100 Euro pro Megawattstunde wurden demnach in 2296 von 8784 Stunden gezahlt. Im Jahr davor waren es mit 4106 von 8760 Stunden noch fast doppelt so viele. Der Rückgang wirkte sich auch positiv auf die durchschnittlichen Großhandelspreise aus.
Günstigeres Gas
Das lag auch an weniger fossilen Energien im Netz. Die Stromerzeugung mithilfe konventioneller Energieträger ging 2024 um rund 11 Prozent zurück, auf rund 177 Terawattstunden. Sowohl Braunkohle als auch Steinkohle lieferten weniger Strom.
Einzig die Erzeugung aus Erdgas legte um rund 9 Prozent zu, auf rund 57 Terawattstunden. Gas kam auf einen Anteil von gut 13 Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Dass die Gaspreise im Day-Ahead-Großhandel von im Schnitt 41 Euro pro Megawattstunde im Vorjahr auf nun rund 35 Euro fielen, wirkte sich ebenfalls kostensenkend auf den Börsenstrompreis aus.
Deutlich mehr Solarstrom
Ein weiterer wichtiger Faktor war günstiger Solarstrom. Die Solarstromerzeugung stieg 2024 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent – dank eines kräftigen Zubaus an PV-Anlagen. Gut 72 Terawattstunden Strom kamen aus der Sonnenergie. Davon flossen gut 12 Terawattstunden in den Eigenverbrauch. Insgesamt kam die Photovoltaik auf einen Anteil von 14 Prozent an der Stromerzeugung. Das belegen Zahlen sowohl von "Energy-Charts" als auch von "Smard".
Ein Drittel des Stroms kam zudem aus der Windkraft. Mit etwa 136 Terawattstunden fiel die Windstromerzeugung wetterbedingt allerdings etwas schwächer aus als im Vorjahr. Dennoch blieb sie mit Abstand die wichtigste Stromerzeugungsquelle.
Knapp 63 Prozent des in Deutschland im Jahr 2024 öffentlich erzeugten Stroms stammte aus Erneuerbare-Energien-Anlagen. Die CO2-Emissionen im Stromsektor waren daher so gering wie nie. Allerdings erreichten auch die Stromimporte einen neuen Höchststand.
Werden die Importmengen berücksichtigt, lag der Erneuerbaren-Anteil im deutschen Strommix immerhin noch bei 59 Prozent. Im Vorjahr hatte der Anteil noch bei 56 Prozent gelegen, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.



