Von Julian Korb
Die gut fünf Millionen installierten Solaranlagen in Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich mehr Strom erzeugen als die Braunkohlekraftwerke. Damit dürfte Solarenergie nach Windstrom und Erdgas auf Platz drei der wichtigsten Stromerzeugungsquellen aufsteigen. Das schreibt der Bundesverband der Solarwirtschaft (BSW Solar) in einer aktuellen Prognose.
Bereits im vergangenen Jahr war der Abstand nur noch gering. So lag der Braunkohle-Anteil bei 15,61 Prozent der gesamten deutschen Nettostromerzeugung. Sonnenstrom steuerte hingegen 15,57 Prozent bei, wie aus Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesystem (ISE) hervorgeht.
Wind und Gas am wichtigsten
Nochmal mehr Strom liefert Erdgas mit knapp 16 Prozent. Hier macht die industrielle Eigenproduktion mit rund 28 Terawattstunden (TWh) mehr als ein Drittel der gesamten Gasverstromung aus. Dieser Strom wird von Unternehmen vor Ort verbraucht und fließt gar nicht in das öffentliche Stromnetz.
Auch bei der Solarenergie macht der vor Ort verbrauchte Strom allerdings einen wichtigen Teil aus. Betrug die gesamte Stromerzeugung aus Solaranlagen im vergangenen Jahr knapp 73 TWh, entfielen davon knapp 13 TWh auf den Eigenverbrauch.
Wichtigste Stromerzeugungsquelle war im vergangenen Jahr die Windenergie, mit einem Anteil von knapp 29 Prozent. Wobei Windkraftanlagen an Land (Onshore) deutlich mehr Strom liefern als Windanlagen auf See (Offshore). Onshore-Wind stemmt allein fast 24 Prozent der gesamten Nettostromerzeugung.
Solarenergie wächst stark
Während im Jahr 2020 mit Datteln 4 das letzte neue Braunkohlekraftwerk in Betrieb ging, schreitet der Ausbau der Solarenergie rasch voran. Tatsächlich ist die Photovoltaik derzeit sogar die Technologie, die in Deutschland am schnellsten ausgebaut wird.
Nach Angaben des Branchenverbandes BSW Solar sind derzeit 105 Gigawatt (GW) Solarsysteme in Betrieb. Allein im vergangenen Jahr kamen 17,5 GW neue Photovoltaik-Leistung hinzu.
Der BSW Solar rechnet für 2025 mit einem weiteren Wachstum – wenn auch nicht so deutlich wie in den Vorjahren. "Bei der Errichtung ebenerdiger Solarparks rechnen wir ebenso wie bei Solarstromanlagen auf Firmendächern mit einem zumindest kleinen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr", sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.
Die Nachfrage auf PV-Anlagen auf Eigenheimen habe sich demgegenüber "auf hohem Niveau" stabilisiert. Bei Steckersolargeräten, sogenannten Balkonkraftwerken, rechnet der Verband sogar weiterhin mit einem Boom. Allerdings machen Mini-PV-Anlagen lediglich etwa ein Prozent der Gesamtstromproduktion aus.
Wind und Sonne 2025 noch ausbaufähig
Im bisherigen Jahresverlauf fällt die Solarenergie mit rund 24 TWh erzeugtem Strom allerdings noch hinter Braunkohle mit gut 27 TWh zurück. Aber: Die sonnenreiche Zeit kommt noch. Schon im März war Solarenergie die führende Energiequelle – zum erstem Mal. Im April lieferte die Photovoltaik mit knapp 10 TWh sogar fast doppelt so viel wie Braunkohle mit knapp 5,5 TWh.
Auffällig schwach – vor allem im ersten Quartal – war dagegen die Windstromerzeugung. Im April betrug die Windstromerzeugung nur knapp 5,9 TWh. Das dürfte auch erklären, warum aus Steinkohle im laufenden Jahr schon mehr als halb so viel Strom erzeugt wurde wie im gesamten vergangenen Jahr.
Kohleverstromung bleibt wichtig
Auch im europäischen Vergleich bleibt die Kohleverstromung für Deutschland allerdings weiterhin wichtig. Denn europaweit ist Solarenergie längst wichtiger als Braunkohle. Das liegt auch daran, dass zahlreiche Länder auf die Kernenergie setzen. In der EU lag der Anteil der Atomkraft an der öffentlichen Stromerzeugung im vergangenen Jahr sogar bei rund einem Viertel.
Braunkohle hingegen hatte 2024 nur einen Anteil von gut sechs Prozent. Deutschland verstromt als weit überdurchschnittlich viel Kohle. Auch der Steinkohleanteil überstieg hierzulande mit gut 5 Prozent den EU-Schnitt von gut 4 Prozent.
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