Von Julian Korb
Der rasante Ausbau der Photovoltaik (PV) in Deutschland hat sich auch 2024 fortgesetzt. Im abgelaufenen Jahr wurden Anlagen mit einer Leistung von rund 17 Gigawatt (GW) neu in Betrieb genommen, wie eine Hochrechnung des Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW Solar) anhand von Zahlen der Bundesnetzagentur zeigt.
Damit sind zehn Prozent mehr Leistung als im Vorjahr installiert worden. Durch Nachmeldungen im Marktstammdatenregister, dem zentralen Verzeichnis der Bundesnetzagentur, könnten die Zahlen sogar noch nachträglich steigen.
Im Jahr 2023 waren noch rund 15,4 Gigawatt an Solarleistung neu hinzugekommen. Damit schreitet der Zubau weiterhin bei hoher Geschwindigkeit voran. Laut BSW Solar hat die Gesamtleistung der in Deutschland installierten Solarstromanlagen mittlerweile sogar die historische Schwelle von 100 Gigawatt überschritten.
Wachstum in allen Segmenten
Wachstumstreiber waren 2024 vor allem ebenerdig errichtete Solarparks. Hier kamen rund 6,3 Gigawatt an Leistung hinzu – rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Solarstromanlagen auf Firmendächern rechnet der Branchenverband BSW Solar mit einem Wachstumsplus in Höhe von rund 25 Prozent unter Berücksichtigung von noch zu erwartenden Nachmeldungen. 3,6 Gigawatt Leistung seien hier zugebaut worden.
Einen anhaltenden Boom verzeichnete außerdem die Nachfrage nach Steckersolargeräten, sogenannten "Balkonkraftwerken". Ihre neu installierte Leistung hat sich 2024 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Aufgrund der geringen Leistungsfähigkeit der Anlagen beträgt der Leistungszuwachs jedoch nur rund 400 Megawatt.
Nach mehreren Rekordjahren in Folge verlangsamte sich hingegen der Zuwachs von Solarstromanlagen auf Eigenheim-Dächern im abgelaufenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr sank deren neu errichtete Photovoltaik-Leistung nach Hochrechnung des Verbandes um rund 15 Prozent. In der Leistungsklasse unter 30 Kilowattpeak betrug der Zubau rund 6,7 Gigawatt. In Verbindung mit einem Preisverfall bei Solarmodulen machte dies vielen Solarunternehmen im abgelaufenen Jahr zu schaffen, so der BSW Solar.
Schnellerer Ausbau gefordert
Um die Klimaziele zu erreichen, sei zudem weiterhin ein hohes Zubautempo nötig. Der Gesetzgeber strebt eine Solarleistung von 215 GW bis 2030 an. Nach Meinung von Verbandschef Carsten Körnig soll die nächste Bundesregierung dazu für die Photovoltaik "Marktbatterien abbauen und einen attraktiven Investitionsrahmen sicherstellen". Laut einer vom Verband in Auftrag gegebenen Studie spricht sich die Mehrheit der Wähler aller demokratischen Parteien zudem für einen schnelleren Solartechnik-Ausbau aus.
Die Bedeutung der Solarenergie im Stromsystem nimmt ebenfalls zu: Der solare Kraftwerksbestand deckte 2024 rund 14 Prozent des Stromverbrauchs. Im Vorjahr waren es noch 12 Prozent gewesen. Das zeigt eine Auswertung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) in Münster.
Auswirkungen auf Netze und Strompreise
Die kommende Bundesregierung dürfte jedoch auch gefordert sein, die Auswirkungen des Solar-Booms auf die Stromnetze in den Griff zu bekommen. Eine ZfK-Recherche unter kommunalen Netzbetreibern im Dezember 2024 hatte gezeigt, dass Netzkapazitäten in einigen Regionen Deutschlands bereits erschöpft oder nahezu ausgelastet sind.
Zudem kommt es durch die stark wechselnde Einspeiseleistung von PV-Anlagen mittlerweile immer häufiger zu Phasen mit negativen Stromgroßhandelspreisen. Bei gleichzeitiger Abschaltung von Kohlekraftwerken drohen gleichzeitig mehr Preisspitzen in Zeiten schwacher Solar- und Windstromeinspeisung, sogenannte Dunkelflauten. Branchenverbände drängen deshalb auch darauf, dass der Ausbau von Stromspeichern beschleunigt wird.
Folgen hat der Solarboom jedoch auch für den Steuerzahler. Im April, Mai und im Juli fielen die Marktwerte für Solarstrom auf unter vier Cent pro Kilowattstunde. Das führt zu immer höheren Förderkosten, da niedrige Marktwerte über Zahlungen aus dem Bundeshaushalt ausgeglichen werden müssen. So belegen Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), dass bis 2029 fast zwei Drittel der Förderkosten aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf Solaranlagen entfallen. Der Großteil davon auf private Aufdachanlagen.
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