Von Julian Korb
Die zunehmende Anzahl von negativen Preisen an der Strombörse wird für neue Freiflächen-Photovoltaik(PV)-Projekte zur Herausforderung. Im abgelaufenen Jahr fielen rund zwanzig Prozent der Erzeugungsstunden von PV-Anlagen in negative Preisphasen. Projektentwickler und Investoren suchen daher nach neuen Wegen, um die Wirtschaftlichkeit neuer Solarparks sicherzustellen.
Die Aachener Stadtwerke-Kooperation Trianel hat sich vorgenommen, künftig bei allen Freiflächenanlagen direkt ein Umspannwerk und einen Batteriespeicher mit einzuplanen. "Inzwischen reicht es nicht mehr aus, nur eine PV-Freiflächenanlage zu errichten", betont Herbert Muders, Geschäftsführer der Trianel Energieprojekte. Dahinter stecke auch die Überzeugung, dass der "günstige Strom aus Freiflächenanlagen gepaart mit Speichern die Zukunft darstelle".
Bau von Umspannwerken
Netzanschlüsse werden bei Solarfreiflächenanlagen immer mehr zur zusätzlichen Herausforderung. "In vielen Regionen hätten wir die Solarparks nicht ans Netz anschließen können, da die entsprechenden Netzkapazitäten auf der Mittelspannungsebene bereits erschöpft waren und der Netzausbau seit Dekaden hinterherhinkt", betont Muders.
Gerade der Bau von Umspannwerken sei aber nur möglich, weil diese mit der Einspeisevergütung aus dem EEG mitfinanziert werden könnten. "Wir entlasten damit den Netzbetreiber – und leisten auf diesem Wege bereits aktiv einen Beitrag zur Finanzierung und besseren Auslastung der Netze."
Wirtschaftlichkeit von Speichern
Bei großen Batteriespeichern hingegen sei derzeit eine "gute Wirtschaftlichkeit" gegeben, die aber perspektivisch abnehmen werde. "Derzeit werden sehr viele Speicherprojekte angekündigt", sagt Muders. "Aus unserer engen Kommunikation mit den Netzbetreibern wissen wir, dass voraussichtlich nur einige tatsächlich umgesetzt werden."
Auch die Diskussion um Baukostenzuschüsse findet Muders vor diesem Hintergrund "sehr hinderlich". "Sollten diese fällig werden, ist das Marktpotential der Speicher nochmals geringer", so der Geschäftsführer.
Die Bundesnetzagentur hatte Ende 2024 ein neues Positionspapier zu Baukostenzuschüssen im Übertragungsnetz veröffentlicht. Das Papier ist allerdings rechtlich nicht bindend, was in der Branche für Verunsicherung sorgte.
Kritsche Stimmen gegen Windenergie
Bei der Windenergie, die im Wahlkampf sowohl von Stimmen aus der Union als auch aus der AfD in Beschuss geriet, erlebt die Projektentwicklungstochter von Trianel vor Ort eine "hohe Akzeptanz, die auch weiter zugenommen hat", wie Geschäftsführer Herbert Muders versichert. In den Kommunen sei der Umgang mit Windenergieprojekten zudem professioneller geworden. "Die Kommunen erfahren einen Vorteil, da sie ihre selbstgesteckten Klimaziele erreichen und durch die Zuwendung nach § 6 EEG einen finanziellen Nutzen haben."
In der breiten Öffentlichkeit gebe es immer Gegner von Infrastrukturprojekten. Muders hält es für "völlig legitim", der Nutzung von Windenergie kritisch gegenüberzustehen. Aber: "Leider passiert es aber immer öfter, dass Kollegen bedroht werden. Das geht deutlich zu weit." Dies seien aber grundsätzliche Themen in der Gesellschaft, die nicht zwingend etwas mit dem Thema Wind zu tun haben müssten.
Im Wahlkampf war unter anderem Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) damit aufgefallen, dass er Windkraftanlagen als "hässlich" und als "Übergangstechnologie" bezeichnete. Im Sondierungspapier von Union und SPD klang das schon versöhnlicher. "Wir wollen alle Potenziale der erneuerbaren Energien nutzen." Dazu gehöre auch der "entschlossene" und "netzdienliche" Ausbau von Windenergie.
Im Jahr 2024 gab es eine Rekordzahl neu genehmigter Windprojekte. Die Windkraftbranche rechnet damit, dass 2025 deutlich mehr neue Windanlagen in Betrieb gehen werden als im Vorjahr.
Auswirkungen der Lex Sauerland
Geringe Einschränkungen erwartet Muders zudem durch ein noch mit schwarz-rot-grüner Mehrheit vor der Neuwahl beschlossenens Windkraft-Steuerungs- und -Akzeptanz-Gesetz. Das auch "Lex Sauerland" genannte Vorhaben war auf Wunsch der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung beschlossen worden. Es ging um Windkraftprojekte im Hochsauerlandkreis, gegen die es Klagen gab ‒ zufällig auch der Wahlkreis von Kanzler in spe Friedrich Merz.
Planungen von Trianel sind von der Neuregelung nicht betroffen. Die Stadtwerke-Kooperation will in besagtem Hochsauerlandkreis zwar ihren bisher größten Park mit 12 Windrädern und einer Gesamtleistung von 67 MW bauen; die Bauarbeiten sollen zeitnah beginnen. Allerdings befinden sich die Anlagen im Einklang mit Regionalplänen. Das neue Gesetz schränkt nur Windprojekte außerhalb von Windenergiegebieten ein.
Unsicherheit durch EEG-Reform
Für Unsicherheit bei den Projektentwicklern sorgt eher die Frage, wie es mit der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weitergeht. Das derzeitige Fördersystem ist nur noch bis Ende 2026 EU-rechtlich genehmigt. Zudem drängt die Union auf Kosteneinsparungen.
"Für jeden Projektierer sind verlässliche Rahmenbedingungen über die Planungsdauer von bis zu zehn Jahren essenziell", mahnt Muders von Trianel. Die Regierung solle daher einen minimalinvasiven Eingriff durchführen, der keinen Fadenriss beim Erneuerbaren-Ausbau verursacht. "Es ist aber auch klar, dass Fehlentwicklungen entgegengewirkt werden muss."
Erfreulich sei etwa die neue Regelung zur Überbauung von Netzverknüpfungspunkten. Damit können Wind- und PV-Projekte künftig an einen Netzverknüpfungspunkt angeschlossen werden. Hier spricht sich Muders dafür aus, dass Netzbetreiber solche Kombi-Projekte künftig genehmigen müssen. Derzeit handelt es sich um eine Soll-Regelung.
Aber auch die Überbauung von Netzknoten löst den langsamen Netzausbau nicht. Das hat auch Auswirkungen auf Trianel-Projekte. "Wir konzentrieren uns beim Ausbau der Windenergie auf die Mitte Deutschlands und vermeiden so Netzausbauinvestitionen, die nötig wären, wenn wir mit Windkraftprojekten im Norden Strom erzeugen würden, der in den Süden transportiert werden müsste", erläutert der Geschäftsführer von Trianel Energieprojekte.
Eine grundsätzlichere Lösung ist laut dem Manager "sicherlich Flexibilität". Diese müsse "schnellstmöglich auf Ebenen aktiviert werden". Gleichzeitig brauche es eine Diskussion, wie die Refinanzierung von erneuerbaren Energien und Flexibilitäten in einem System mit mehr als 80 Prozent Erneuerbaren funktionieren könne.



