Von Julian Korb
Nach einem deutlichen Einbruch im Vorjahr schreitet der Hochlauf der Wärmepumpe mittlerweile wieder voran. Rund 210.000 Geräte sind nach drei Quartalen abgesetzt worden, schätzt der Bundesverband Wärmepumpe (BWP). "Wir gehen optimistisch von 300.000 am Jahresende aus", sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel bei einer Presseveranstaltung des Verbands in Berlin.
Im nächsten Jahr seien sogar rund 450.000 Geräte realistisch. "Die Wärmepumpe ist der Leistungsträger, der die Heizungsbranche gerade nach vorne bringt", betonte Sabel. Umso relevanter dürfte ein vom Verband in Auftrag gegebenes Gutachten zu den Auswirkungen von Wärmepumpen auf das Stromnetz, genauer die Verteilnetze, sein. Darin kommt die Energieberatung Consentec zu dem Ergebnis, dass Wärmepumpen nicht zur Überlastung des Stromnetzes führen, sondern durch ihre Flexibilität und Steuerbarkeit sogar Netzausbaukosten senken können.
Versorgungssicherheit an kalten Tagen
Laut Studienautor Christian Linke, Senior Consultant bei Consentec, benötigen Wärmepumpen zum einen nur ein Viertel der Energie einer Gasheizung. "Würden alle fossilen Heizungen durch Wärmepumpen ersetzt, müssten 70 bis 75 Prozent weniger Energie für Raumwärme in die Haushalte transportiert werden." Bereits heute sei der CO₂-Ausstoß einer Wärmepumpe zudem "halb so hoch wie bei einer Gasheizung – trotz eines teilweise fossilen Strommixes".
Aktuell verbrauchen rund 1,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland etwa acht Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr, was einem Anteil von 1,6 Prozent am Gesamtstromverbrauch entspricht. Nach der Consentec-Studie dürften Wärmepumpen im Jahr 2045 rund 104 TWh Strom benötigen – etwa neun Prozent des dann erwarteten Stromverbrauchs.
Auch an kalten Wintertagen erwarten die Berater dabei keine Versorgungsprobleme. Selbst im windschwachen Winter 2024/2025 hätten Erneuerbare an den schwächsten Tagen immer noch gut 20 Prozent des Stroms erzeugt, erklärte Linke. Die restliche Versorgung erfolge in solchen Phasen künftig über Stromspeicher und Gaskraftwerke. Consentec rechnet für das Jahr 2045 mit einer Leistung von 84 Gigawatt (GW) an thermischen Kraftwerken und 140 GW installierten Stromspeichern.
Flexibilität aus Wärmepumpen
Wärmepumpen könnten hierbei eher zum Trumpf werden als zum Hemmnis. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Steuerbarkeit. "Die Flexibilität von Wärmepumpen hat mehr Vorteile für das Stromnetz", sagte Linke. "Der Einsatz lässt sich um ein paar Stunden verschieben, je nach Wärmebedarf auch länger."
Dies könne entweder über Netzbetreiber-Eingriffe nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) oder über intelligentes Energiemanagement erfolgen. Wenn Wärmepumpen so eingesetzt würden, dass sie netzentlastend wirkten, könnten sie daher sogar Netzausbau einsparen.
"Unsere Wärmepumpen verfügen längst über intelligente Steuerungen", betonte Sven Kersten, Sprecher des BWP-Beirats Industrie sowie Regional Manager DACH International Affairs beim schwedischen Wärmepumpenhersteller NIBE. So seien in dem System etwa auch Wetterprognosen hinterlegt. "Das Energiemanagementsystem sorgt dafür, dass der Komfort beim Betrieb nicht eingeschränkt wird."
Wärmepumpen könnten zusätzlich auch bei minus 15 oder minus 20 Grad die nötige Wärme liefern, etwa über Heizstäbe. "Wir liegen in kalten Wintertagen dennoch bei einer Anschlussleistung von drei bis fünf Kilowatt, was für das Stromnetz machbar ist", so Kersten weiter. Die Netzbelastung durch Wärmepumpen gebe es nicht in der Form, wie dies zuletzt diskutiert worden sei.
Smart-Meter-Ausbau wird zur Bedingung
Linke von Consentec ergänzte, dass auch Verbraucher profitieren könnten, wenn sie die Flexibilität nutzten. "Wenn Wärmepumpen an Strompreisverläufe und die Netzauslastung angepasst werden, lassen sich einige Hundert Euro pro Haushalt und Jahr sparen."
Für die Kosteneinsparung müssten allerdings Informationen über Stromangebot und Netzkapazitäten für die Wärmepumpennutzer zur Verfügung stehen. Voraussetzung sei ein flächendeckender Smart-Meter-Einbau. "Aktuell liegen wir aber lediglich bei 15 Prozent der Pflichteinbaufälle", monierte der Berater.
In der Studie empfehlen die Berater außerdem, variable Strompreise und dynamische Netzentgelte stärker zu fördern. "Wir brauchen bei den Netzentgelten regional hochaufgelöste Entgelte, die sich eng an der tatsächlichen Netzsituation orientieren, nah an Echtzeit", sagte Linke. Die Steuerungssignale könnten dabei sinnvollerweise am Vortag an die Energiemanagementsysteme weitergegeben werden.
Gebäude als Wärmespeicher
Insgesamt zeigt das Gutachten, dass Wärmepumpen trotz steigenden Stromverbrauchs keine Gefahr für die Versorgungssicherheit darstellen. An Tagen mit sehr niedrigen Temperaturen könnten Backup-Kraftwerke einspringen. "Wenn man die Vorhaltekosten von Gaskraftwerken in der Größe von 80 GW auf den heutigen Stromverbrauch herunterrechnet, kommt man auf Kosten von etwa einem Cent pro Kilowattstunde", erklärt Berater Linke. "Ja, das kostet. Aber die Kosten sind beherrschbar."
Wärmepumpen-Manager Kersten betonte, dass es sinnvoll sei, das Gebäude selbst als Wärmespeicher zu nutzen. "Zwei bis drei Stunden muss die Wärmepumpe nicht laufen, wenn sie die Raumtemperatur vorher etwas angehoben hat. Selbst in schlecht gedämmten Gebäuden sind zwei Stunden gut machbar."
Linke zeigte sich optimistisch, dass das Stromnetz den Herausforderungen gewachsen ist. Die geringe Anzahl von Eingriffen nach § 14a EnWG derzeit zeige, dass Engpässe derzeit eher Ausnahmefälle seien. "Bei den Hochlaufgeschwindigkeiten von E-Autos und Wärmepumpen, die wir aktuell sehen, wird das aus Netzsicht im Regelfall funktionieren." Auch beim Smart-Meter-Rollout zeigte der Studienautor sich zuversichtlich. "Das geht in die richtige Richtung."
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