Von Ariane Mohl
Während der Entwurf für die Fernwärmeverordnung (AVBFernwärmeV) bei den Versorgern weiterhin für großen Ärger sorgt, haben die Verbände AGFW, BDEW und VKU ihre Preistransparenzplattform Fernwärme aktualisiert. Mit dem Onlineangebot wollen sie, so jedenfalls das selbstgesetzte Ziel, Verbraucher über die Entstehung und Zusammensetzung der Fernwärmepreise informieren, die von vielen Kunden als intransparent und unverständlich empfunden werden.
Mit der Neuauflage der Plattform geben nunmehr 283 Energieversorger mit 527 Teilnetzen Auskunft über ihre Fernwärmepreise – und damit 115 Unternehmen mehr als zum Start des Online-Angebots im Mai. Nach Angaben der beteiligten Verbände deckt die digitale Übersicht somit rund 50 Prozent Marktanteil am Wärmeabsatz ab.
Neu hinzugekommen sind mit den Städtischen Werken Magdeburg und der Chemnitzer Eins Energie zwei wichtige kommunale Player. Wer weiterhin fehlt, ist der Eon-Konzern mit seiner Geschäftssparte Energy Infrastructure Solutions (EIS).
Eon-Chef bleibt skeptisch: Äpfel nicht mit Birnen vergleichen
Eon-Chef Leo Birnbaum hatte die Plattform bereits zum Start in deutlichen Worten kritisiert. "Welche Transparenz soll da wie geschaffen werden?", fragte Birnbaum damals auf die ZfK-Anfrage zum Beitritt zurück. Eon tue sich schwer, "Äpfel mit Birnen zu vergleichen". Die Gefahr dieser Transparenzplattform ist aus seiner Sicht, dass dort eine Scheintransparenz hergestellt wird, beispielsweise abgeschriebene gegen nicht- abgeschriebene Anlagen.
"Wir haben deswegen eine gewisse Zurückhaltung angenommen, proaktiv alle möglichen Zahlen reinzustellen, bevor diese Plattform regulatorisch klar definiert ist". Sollte es Veränderungen durch den Gesetzgeber und Regulierer, werde Eon "allem nachkommen, was von uns gefordert wird", sagte er. Einige Eon-Beteiligungen wie etwa Avacon oder Hansewerk Natur sind aber weiterhin auf der Plattform vertreten.
Ungeachtet der Grundsatz-Kritik von Eon soll die Übersicht nach Verbandsangaben weiter wachsen. Damit möglichst viele weitere Versorger ihre Fernwärmepreise unkompliziert veröffentlichen können, wurde die Datenerhebung für die Unternehmen erleichtert, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.
Nach dem Start der Plattform hatten etliche Energieunternehmen auf ZfK-Nachfrage kritisiert, dass die Nutzung der Plattform für sie sehr zeitaufwändig sei. Einige hatten sogar angegeben, das aus ihrer Sicht eigentlich gute Angebot nicht nutzen zu können, weil die personellen Kapazitäten für die Teilnahme nicht da seien.
Den Versorgern entgegengekommen
Auch an anderer Stelle sind die Plattform-Macher auf Nutzer-Anregungen eingegangen: Es gibt nun eine bessere Suchfunktion. Stadtwerke hatten zuvor bemängelt, dass man sich mühsam durch die Liste arbeiten musste, etwa wenn man die eigenen Preise mit einem anderen Anbieter vergleichen wollte. Verbraucher wollen die drei Verbände offenbar mit überarbeiteten Erklärtexten zu Preisänderungen bei der Fernwärme besser abholen als mit der ersten Version der Internetseite.
Nach Einschätzung von AGFW, BDEW und VKU zeigt die Plattform, dass sich das Preisniveau bei der Fernwärme nach der Energiepreiskrise langsam wieder normalisiere. Sie schreiben in der Mitteilung von an vielen Orten stabilen oder sogar leicht sinkenden Preisen.
Die Plattform zeigt, dass die Preisspanne bei der Fernwärme deutschlandweit sehr groß ist. Im unteren Preissegment befindet sich etwa die Fernwärmeversorgung Niederrhein, die für das Teilnetz Dortmund-Scharnhorst in der Mehrfamilienhaus-Kategorie mit einem Preis von 9,15 Cent pro Kilowattstunde gelistet ist. Sie setzen dabei auf Erdgas, Leichtöl und unvermeidbare Abwärme Im oberen Preissegment tummelt sich etwa Hansewerk Natur mit einem Preis von 32,64 Cent pro Kilowattstunde für das Teilnetz Kastanienallee im schleswig-holsteinischen Reinfeld.
Preisanstieg beim ehemals günstigsten Anbieter
Zum Start der Plattform waren die bayerischen Stadtwerke Hemau bei Einfamilienhäusern mit einem Wärmepreis von 8,7 Cent pro Kilowattstunde am günstigsten. Sie setzen vor allem auf Wärme aus ihrem 2008 in Betrieb gegangenen Hackschnitzelwerk. Spitzen werden durch Gaskessel abgedeckt. In der Neuauflage der Plattform ist das kommunale Unternehmen nun mit einem Preis von 11,55 Cent pro Kilowattstunde bei Einfamilienhäusern gelistet.
Die Branchenverbände haben die Plattform auch ins Leben gerufen, um Verbraucherschützern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Fernwärmekunden beschweren sich in etlichen Kommunen über aus ihrer Sicht überteuerte Preise. Nicht selten werden "Abzockvorwüfe" laut.
Die Branche sieht sich jedoch zu Unrecht an den Pranger gestellt. AGFW-Präsident und MVV-Vorstand Hansjörg Roll stellte jüngst im ZfK-Interview klar, dass die Zahl der Verbraucherbeschwerden deutlich geringer sei als im Strom- und Gasbereich sei.
Umso verärgerter reagieren die Fernwärmeversorger auf den jüngsten Vorstoß aus dem Haus von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Insgesamt ist in der Branche der Eindruck entstanden, dass das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber dem Verbraucherschutzministerium eingeknickt sei. Für Unmut sorgt unter anderen, dass sich die Verbraucherschützer bei der Gewichtung von Markt- und Kostenelementen bei Preisänderungsklauseln klar durchgesetzt haben.
Lobo warnt vor Rückschlag bei der Fernwärme
VKU-Vize Kai Lobo warnte bei einer Podiumsdiskussion in Berlin gar davor, dass der von der Politik gewünschte Fernwärmeausbau zum Erliegen komme, wenn der Referentenentwurf aus dem Wirtschaftsministerium unverändert verabschiedet werde.
Parallel zum Start der aktualisierten Plattform stellte der VKU in einer Pressemitteilung klar, dass die Preisbildung bei der Fernwärme kein rechtsfreier Raum sei. Es gebe klare gesetzliche Regeln und funktionierende Kontrollmechanismen.
Ein Blick auf die Gesamtrechnung zeige zudem, dass Fernwärme absolut wettbewerbsfähig sei. Das Argument des Verbands: Wer mit Wärmepumpe oder Gastherme heize, müsse die Geräte samt Einbau und Wartung bezahlen, bei der Wärmepumpe häufig zusätzlich das Haus dämmen. Bei der Fernwärme komme die Wärme hingegen einfach aus der bisherigen Leitung. Auf eine teure Sanierung könne verzichtet werden.



