Im Herbst hatte eine Reihe von Fernwärmeversorgern gute Kunde für ihre Kunden. Die Preise sinken – zumindest etwas. Bei den Stadtwerken Flensburg gingen sie zum Jahreswechsel je nach Haushaltsgröße um ein bis drei Prozent nach unten, bei der Wolfsburger LSW Energie um sechs Prozent und bei den Energie- und Wasserwerken Bautzen sogar um neun Prozent, hier zumindest der Arbeitspreis. Der Leistungspreis stieg in der Großen Kreisstadt in Ostsachsen leicht.
Einen umfassenderen Überblick über den deutschen Fernwärmemarkt liefert die Wärmepreis-Transparenzplattform, die die Fernwärmeverbände AGFW, VKU und BDEW seit einigen Monaten gemeinsam betreiben. Inzwischen sind auch dort Daten für dieses Jahr einsehbar. Insgesamt seien die Wärmepreise in den erfassten Fernwärmenetzen zwischen Januar 2025 und Januar 2026 weitgehend stabil geblieben, ordnet AGFW-Geschäftsführer Werner Lutsch auf ZFK-Anfrage ein. Demnach lag der mengengewichtete Durchschnittspreis im Januar 2025 bei 15,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Zum Stichtag 1. Januar 2026 sank er auf 15,7 Cent pro kWh.
VZBV: Preise bei Einfamilienhäusern nahezu unverändert
Eigene Berechnungen stellt der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) an. Auch er nimmt die Wärmepreis-Plattform als Grundlage. Die Preise sind demnach im Jahresverlauf 2025 ebenfalls leicht zurückgegangen.
Bei Mehrfamilienhäusern sei der Medianwert von rund 18 auf 17 Cent pro kWh gesunken, erläutert VZBV-Energieexperte Florian Munder. Bei Einfamilienhäusern sei er nahezu unverändert bei etwa 17 Cent pro kWh geblieben. Wichtig zur Einordnung: Anders als der AGFW können die Verbraucherschützer bislang nicht nach Menge gewichten. Absatzmengen sind bislang noch nicht auf der Plattform einsehbar.
Preise von 8 bis 36 Cent pro kWh
Groß bleibt die Preisspanne zwischen den einzelnen Netzen. Im Januar waren die Fernwärmepreise im sachsen-anhaltinischen Mücheln am niedrigsten. Hier lagen sie bei gut acht Cent pro Kilowattstunde (kWh). Für das brandenburgische Seelow wurden dagegen 36 Cent pro kWh gemeldet. Zum Vergleich: Im Vorjahr lagen die Fernwärmepreise auf der Plattform zwischen 10 und 36 Cent pro kWh.
Die teils großen Unterschiede lassen sich unter anderem durch lokale Faktoren wie Erzeugungsquelle, Netzlänge und Anschlusszahl erklären. Deshalb komme ein Preisvergleich zwischen Anbietern einem Vergleich von Äpfeln mit Birnen gleich, schreiben die Plattformbetreiber.
Naturgemäß deutlich kritischer blickt der VZBV auf Preisausreißer. "In diesem Monopolmarkt sind Verbraucher:innen den Vertragskonditionen ihres Versorgers weitgehend ausgeliefert", schreibt Munder. "Um Verbraucher:innen besser zu schützen, braucht es daher eine Preisobergrenze."
Investitionen in Fernwärme
Insgesamt erkennt der Verbraucherschützer auf dem Fernwärmemarkt trotz Preisdruck aus dem Gasmarkt nur wenig Bewegung. Stattdessen hätten einzelne Fernwärmeanbieter damit begonnen, ihr Preissystem mit Blick auf geplante Investitionen in eine erneuerbare Wärmeerzeugung umzustellen, schreibt Munder. Das habe zu höheren Fernwärmepreisen geführt. "Der VZBV erwartet daher auch in den kommenden Jahren keine Entlastung der Verbraucher bei den Fernwärmepreisen."
Auch AGFW-Geschäftsführer Lutsch verweist darauf, dass viele Unternehmen derzeit in den Aus- und Umbau ihrer Fernwärmesysteme investierten. Dies wirke sich derzeit auf Neuverträge aus, schreibt er. "Vor diesem Hintergrund ist die Preisentwicklung im Fernwärmesektor als Ergebnis verschiedener, überwiegend struktureller Einflussfaktoren zu verstehen."
Mehr Wärmenetze erfasst als vor einem Jahr
Die Zahl der auf der Plattform erfassten Fernwärmenetze ist seit Januar 2025 deutlich gestiegen – nach ZFK-Auswertung von 608 auf nun 695. Nach AGFW-Angaben sind im genannten Zeitraum rund 120 Teilnetze neu hinzugekommen.
Dabei habe es sich überwiegend um kleinere Unternehmen gehandelt, deren Wärmemengen vergleichsweise gering ausfielen, erläutert Geschäftsführer Lutsch. Zum Vergleich: Die Zahl aller Fernwärmenetze in Deutschland wird auf rund 3800 geschätzt.
Schwarz-Rot plant verpflichtende Plattform
Grundsätzlich ist die Teilnahme an der Transparenzplattform freiwillig. Das könnte sich bald ändern. Die Bundesregierung hat angekündigt, eine für Wärmeversorger verpflichtende Plattform einzurichten – ein Vorstoß, der beim Fernwärmeverband AGFW auf Zustimmung stößt.
"Wir begrüßen die Absicht der Bundesregierung, die Akzeptanz durch eine Stärkung der Preistransparenzplattform zu verbessern", kommentiert Geschäftsführer Lutsch. "Denn nur mit hoher Akzeptanz kann die Wärmewende gelingen."
Aus seiner Sicht besteht auch kein Bedarf an einem neuen, staatlich aufgesetzten Portal. Mit der vorliegenden Preistransparenzplattform existiere ein unbürokratisches und in der Branche etabliertes Instrument. "Eine gesetzliche Verankerung kann an dieses System anknüpfen", schreibt Lutsch. "So können Doppelstrukturen vermieden und eine schnelle und unbürokratische Lösung gesichert werden."
Nach AGFW-Angaben wird schon jetzt mehr als die Hälfte des gesamten Wärmeabsatzes in Deutschland auf der Plattform abgebildet – wenn man eine Gesamtabsatzmenge von 110 Terawattstunden (TWh) annimmt.
Größte Fernwärmeversorger dabei
Dabei fällt auf, dass praktisch alle großen Fernwärmeversorger vertreten sind. Das gilt für die Berliner Energie und Wärme (BEW) genauso wie für die Hamburger Energiewerke und die Stadtwerke München.
Auch Fernwärmenetze des Eon-Konzerns sind gelistet – etwa zwei von Eon Energy Solutions, acht von Avacon Natur und 40 von Hansewerk Natur. Dagegen fehlen etliche kleine Fernwärmeversorger – darunter auch Stadtwerke – sowie Fernwärme-Contracting-Unternehmen, heißt es in Branchenkreisen.
Erdgas dominiert Erzeugungsmix
Die vorliegenden Daten liefern spannende Einblicke in den Fernwärmemarkt von heute. Demnach setzen Unternehmen in 60 Prozent der erfassten Teilnetze auf einen jährlichen Anpassungsrhythmus. Bei weiteren 23 Prozent wird vierteljährlich angepasst. Seltener werden Anpassungen im Halbjahres- oder Monatstakt vorgenommen.
Erdgas dominiert den Erzeugungsmix weiterhin klar. In 93 Prozent der erfassten Teilnetze spielt der fossile Energieträger eine Rolle. In 38 Prozent der Fälle wird Fernwärme sogar ausschließlich mit Erdgas erzeugt.
In fast jedem zweiten Wärmenetz beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme weniger als fünf Prozent. Durch drei Prozent der Netze fließt demgegenüber ausschließlich Wärme, die als klimaneutral eingestuft werden kann. Fast jedes vierte Netz erfüllt schon jetzt die Erneuerbaren-Vorgabe von mindestens 65 Prozent, die aktuell im Gebäudeenergiegesetz verankert ist. Die schwarz-rote Bundesregierung möchte diese Regel kippen.
Bemerkenswert übrigens: Der Durchschnittspreis bei Netzen, durch die schon jetzt zu 100 Prozent erneuerbare Energie oder unvermeidbare Abwärme fließen, liegt bei etwas unter 15 Cent pro kWh, Bezugsgröße sind Einfamilienhäuser.
Grüne und günstige Fernwärme
Zwei der insgesamt drei Netze, bei denen der Fernwärmepreis unter zehn Cent pro kWh liegt, werden ausschließlich mit grüner Wärme betrieben. Neben dem sächsisch-anhaltinischen Mücheln (Biomasse) ist dies das Netz der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung im bayerischen Schwandorf. Dort wird Abwärme aus dem örtlichen Müllheizkraftwerk verwendet.
Demgegenüber kostet Fernwärme, die zu weniger als fünf Prozent aus erneuerbaren Energieträgern oder unvermeidbarer Abwärme stammt, im Durchschnitt knapp 18 Cent pro kWh. Das günstigste erfasste Fernwärmenetz in diesem Segment ist das Stadtnetz der Versorgungsbetriebe Hoyerswerda in Sachsen.
Dort werden aktuell noch Erdgas und Braunkohle eingesetzt. Genau genommen wird Abwärme aus dem nahe gelegenen Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe genutzt, das nach jetzigem Stand 2038 vom Netz gehen soll.
Nach eigenen Angaben will Hoyerswerda bis 2030 rund 30 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugen – etwa durch eine Kombination von Solarthermie und Wärmespeicher sowie Agri-Photovoltaik und Power-to-Heat-Anlagen für die Abdeckung der Spitzenlast. Heißt auch: Der Preisdruck bleibt.







