Die Stadtwerke Feuchtwangen sehen Grüngase als einen wichtigen Bestandteil ihrer Wärmestrategie.

Die Stadtwerke Feuchtwangen sehen Grüngase als einen wichtigen Bestandteil ihrer Wärmestrategie.

Bild: © Green Navigation GmbH

Die Stadtwerke Feuchtwangen, seit Januar ein eigenständiges Kommunalunternehmen, betrachten das 55 Kilometer lange Gasnetz als wertvolle Infrastruktur. Entsprechend stellen sie es bei ihren Wärmeplanungen auch in den Mittelpunkt: Künftig soll statt fossilem Erdgas Biomethan eingespeist werden.

Dem Technischen Vorstand Lothar Beckler war schon länger klar, "dass es bei der Dekarbonisierung der Wärme für unsere landwirtschaftlich geprägte Region in Richtung Grüngas gehen muss." Das Eckpunktepapier mit der geplanten Biogastreppe ändere nichts daran. "Wir haben die Alternativen vorher schon analysiert, sie sind alle viel teurer." Bei neuen Nahwärmenetzen zum Beispiel wären die Abnahmemengen bezogen auf die Rohrlänge zu gering gewesen. Und auch Wärmepumpen sind keine Lösung: Ein Großteil des Gebäudebestandes eignet sich nicht dafür.

Lothar Beckler ist Technischer Vorstand bei den Stadtwerken Feuchtwangen.Bild: @ Stadtwerke Feuchtwangen

Wir haben die Alternativen zum Grüngas vorher schon analysiert, sie sind alle viel teurer.

Lothar Beckler

Technischer Vorstand der Stadtwerke Feuchtwangen

Eine große zentrale Biogaserzeugungsanlage

Wie genau die Biomethanversorgung aussieht? Es wird keinen klassischen Biogas-Cluster geben, also die Bündelung von bestehenden Anlagen, deren Biogas dann über ein dafür extra zu bauendes Leitungsnetz zu einer zentralen Aufbereitungsanlage transportiert wird. Stattdessen ist ein Neubau geplant: eine gemeinschaftliche große Biogaserzeugungsanlage mit angeschlossener Aufbereitung. Das notwendige Substrat sollen sowohl die Betreiber bestehender Biogasanlagen liefern als auch Landwirte ohne Biogasanlage. Die Gespräche laufen, und Beckler rechnet fest damit, dass viele einsteigen werden.

Die Flächenkommune Feuchtwangen mit ihren über 6000 Hektar erlebe in den letzten Jahren ein "Bauernsterben", die Anzahl der Betriebe sinke kontinuierlich. Gleichzeitig gehe die Tierhaltung zurück. "Gerade junge Landwirte wollten keine Viehwirtschaft mehr, sie sehen in den Substratlieferungen ein stabileres künftiges Geschäftsmodell für sich." Auch die Biogasanlagenbetreiber hätten Interesse am Biomethanprojekt. Wegen des Auslaufens der EEG-Förderung wird es für sie immer schwieriger, die Anlagen, die überwiegend der reinen Verstromung dienen, wirtschaftlich weiterzubetreiben. Diejenigen, die künftig Substrat an die zentrale Anlage liefern, betreiben ihre eigenen Anlagen parallel weiter, solange es sich lohnt, und fahren sie dann herunter.

Die wirtschaftlichste Lösung

Beim Aufbau einer Biomethan-Infrastruktur gibt es grundsätzlich drei Szenarien, ordnet Beckler ein. Szenario Nummer eins – die einzelnen Biogasanlagenbetreiber methanisieren selbst – sei "ruinös" und deshalb nie infrage gekommen. Die Anlagen sind zu klein, die Wege zu weit. Auch Szenario Nummer zwei – die Betreiber bestehender Biogasanlagen bauen gemeinsam ein Leitungsnetz, über das ihr Biogas zu einer zentralen Aufbereitungsanlage transportiert wird – überzeugte nicht. "Für das Zusammenlegen der Altanlagen hätten wir 17 Kilometer Leitungsverbindungen gebraucht." Das wäre um ein Vielfaches teurer gewesen als der Neubau, der inklusive Aufbereitung 11,5 Millionen Euro kosten würde. Laut Betreiber sei es einfach wirtschaftlicher, eine neue große Biogaserzeugungsanlage zu bauen und das Substrat dorthin liefern zu lassen. "Wir wollen den Bürgern ja auch einen attraktiven Wärmepreis anbieten können."

Hinzu komme bei der Bündelung von Altanlagen die Frage, wer das Risiko trägt. Die Anlagenbetreiber wären ja verpflichtet, über längere Zeiträume bestimmte Mengen Biogas zu liefern. Es sei aber nicht klar, wie lange sich das noch rentiert. In den letzten drei Jahren habe sich niemand gefunden, der bereit war, Biogas zu einem Preis zu liefern, der dem Erzeugungspreis der neuen Gemeinschaftsanlage entspricht oder sogar darunter liegt. "Hätten wir diesen Betreiber, würde die Neuanlage nicht gebaut."

Wir haben eine hohe Deckung mit Eigenproduktion und können auch zukaufen.
Lothar Beckler, Stadtwerke Feuchtwangen

88 GWh sind möglich

Die neue Gemeinschaftsanlage wird auf einem städtischen Grundstück in der Nähe eines geeigneten Einspeisepunktes gebaut. Die Planungen laufen auf Hochtouren, spätestens im Herbst 2028 soll die Anlage in Betrieb gehen. Die erste Ausbaustufe wird bei 44 Gigawattastunden (GWh) erzeugter Wärme liegen. Mittelfristig steige der Bedarf an grünem Gas, erwartet Beckler. Je nach Marktlage lasse sich die Kapazität dann auf bis zu 88 GWh verdoppeln – das wäre mehr als die 70 GWh Wärmebedarf ganz Feuchtwangens.

"Wir haben eine hohe Deckung mit Eigenproduktion und können auch zukaufen", so Beckler. Gerade wegen der dramatischen geopolitischen Lage und den großen Abhängigkeiten sei es wichtig, einen großen Teil der Wärmeenergie in Zukunft selbst vor Ort erzeugen zu können. Biomethan passe da am besten zu Feuchtwangen. Bei Bio-Ölen ist Beckler dagegen eher skeptisch. Sie könnten zwar das Erdöl bei den Erdölheizungen in Feuchtwangen ersetzen, sie sind aber in der Erzeugung teurer als grünes Gas.

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