Rund 200 Interessensbekundungen, 160 unterbreitete Angebote, eine zweistellige Zahl an Bestellungen – und die Aktion läuft noch. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) hat in diesem Sommer eine Wärmepumpen-Bündelungsaktion gestartet, die Hauseigentümern den Weg zu einer neuen Heizungsanlage vereinfachen soll. Es ist der Versuch, die Pflicht zur Wärmeplanung in konkrete Installationen zu übersetzen.
Etwas mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen in Leinfelden-Echterdingen entstehen durch Heizenergie und Warmwasser. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein – ein Ziel, das sie ohne die Eigenheimbesitzer nicht erreichen kann.
Blaupause: Photovoltaik
Das Konzept ist dabei nicht neu. Bereits 2025 hat die Stadt gemeinsam mit dem Mannheimer Ingenieur- und Beratungsbüro MVV Regioplan und dem Stuttgarter Tech-Unternehmen Vreed eine Photovoltaik-Bündelungsaktion organisiert: 90 Solaranlagen kamen dabei in die Installation. "Rund 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger aus der Bündelungsaktion hätten sich ohne diese keine Solaranlagen installieren lassen", sagt Robin Hecker, Klimaschutzbeauftragter der Stadt.
Die Kosten für die Infrastruktur der Aktion fallen vergleichsweise gering aus: Die digitalen Gebäudesteckbriefe, die Vreed auf Basis von Satellitenbildern, 3D-Gebäudemodellen und Katasterdaten für jedes Wohngebäude der Stadt erstellt hat, kosteten einmalig 15.000 Euro.
Die Bündelausschreibung über MVV Regioplan schlug jeweils mit 5000 Euro zu Buche – für die Photovoltaik- und für die Wärmepumpen-Ausschreibung. Zum Vergleich: Ein früheres städtisches Förderprogramm für Balkon-Solaranlagen, das überwiegend Wohnungseigentümer statt der eigentlich anvisierten Mieter erreichte, hatte bereits 35.000 Euro gekostet.
Für die Wärmepumpen-Runde wollte die Stadt bewusst auch regionale Handwerksbetriebe einbinden. "Wärmepumpen sind wartungsintensiver und brauchen mehr Beratung als PV-Anlagen", erklärt Hecker. Das sei auch eine Lehre aus der PV-Aktion gewesen.
Neben dem Berliner Heizungsinstallateur Thermondo, bundesweit nach eigenen Angaben größter Heizungsinstallateur mit mehr als 1200 Mitarbeitern, wurde daher auch die Walz Haustechnik aus Steinenbronn (Baden-Württemberg) als zweiter Fachbetrieb ausgewählt. Walz ist ein familiengeführtes Unternehmen mit rund 15 Jahren Erfahrung im Heizungstausch, das sich auf Bestandswohngebäude spezialisiert hat.

Digitale Gebäudesteckbriefe als Einstieg
Kern der Aktion ist das von Vreed entwickelte Online-Tool, über das Hauseigentümer den energetischen Zustand ihres Gebäudes einsehen und verschiedene Sanierungsmaßnahmen durchspielen können. Das Tool liefert eine erste Einschätzung zur Eignung für eine Wärmepumpe sowie eine Kostenschätzung inklusive staatlicher Förderung und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung.
Wer Interesse hat, bekundet dieses unverbindlich auf der Plattform. Bei Interesse trägt man sich unverbindlich auf der Plattform ein. Die Kontaktdaten werden dann an die Fachbetriebe weitergeleitet, die vor Ort prüfen.
"Wir gehen davon aus, dass sich jedes Gebäude grundsätzlich für eine Wärmepumpe eignet", sagt Hecker. "Es muss sich vor Ort angeschaut werden." Das digitale Tool sei vor allem eine Datenbank, die den Fachbetrieben den Erstkontakt erleichtere.
Wir gehen davon aus, dass sich jedes Gebäude grundsätzlich für eine Wärmepumpe eignet.
Kunden erhalten Sonderrabatte
Für Thermondo ist das Kommunalgeschäft inzwischen ein eigener Geschäftsbereich. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben ein eigenes Team aufgebaut, das sich auf die Ausstattung von Eigenheimquartieren mit Wärmepumpen, Energiemanagement, Photovoltaik, Batteriespeichern und Wallboxen konzentriert.
Den Vorteil gegenüber lokalen Betrieben sieht Hannes Schwarzer, Head of Venture Development bei Thermondo, klar in der Skalierung: "Sowohl im Einkauf als auch bei Planung und Installation können wir über die Menge preiswerter agieren." Die gebündelte Nachfrage ermögliche es, Ressourcen wie Fahrtkosten und Beratungskapazitäten regional zu konzentrieren und schnell viele Angebote zu schreiben.
Diese Skaleneffekte könne das Unternehmen durch Sonderrabatte an die Kunden weitergeben. In Leinfelden-Echterdingen halfen die Erfahrungen der Tochtergesellschaft Febesol aus der PV-Bündelungsaktion, sich im Auswahlprozess durchzusetzen.
Wo die Grenzen des überregionalen Modells liegen, räumt Schwarzer allerdings auch ein. "Im Vergleich zu regionalen Anbietern fehlt uns die Nähe vor Ort. Dieses Vertrauensverhältnis, das lokale Anbieter haben, müssen wir uns erst erarbeiten." Genau dabei helfe die kommunale Partnerschaft: Die Anbieter könnten vom Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Stadt profitieren.
Wärmepumpe ist kein einfacher Abschluss
Die Konversionsrate vom Angebot zur Bestellung fällt bislang noch überschaubar aus. Dafür nennt Schwarzer mehrere Gründe: Der Förderdschungel sei bei Wärmepumpen weniger durchschaubar als bei Photovoltaik, die Planungszyklen seien länger und die Anzahlungssummen höher. Hinzu komme politische Unsicherheit. Das Gebäudeenergiegesetz hat Spuren hinterlassen.
"Bei Wärmepumpen ist durch die Heizungsgesetz-Novellierung mehr Unsicherheit da", sagt der Thermondo-Vertreter. Abwarten lohne sich dennoch nicht, da die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) schrittweise abgeschmolzen werde.
Auch Hecker von der Stadt Leinfelden-Echterdingen bleibt zuversichtlich: "Ich bin überzeugt, dass die Aufträge bei der Wärmepumpe kommen, auch wenn es sich zeitlich gerade etwas verzögert." Die Wärmepumpe sei eben "das Herz des Hauses" – und damit eine Entscheidung, die Eigentümer länger abwägen als eine Solaranlage auf dem Dach.
Ich bin überzeugt, dass die Aufträge bei der Wärmepumpe kommen, auch wenn es sich zeitlich gerade etwas verzögert.
Dezentral statt Wärmenetz
Hinter der Bündelungsaktion steckt für die Kommune auch eine strategische Weichenstellung. Der kommunale Wärmeplan, der 2023 fertiggestellt wurde, sieht in weiten Teilen des Kommunalgebietes eine dezentrale Wärmeversorgung vor, da – abgesehen von Geothermie – keine nennenswerten Wärmequellen vorhanden sind.
Die Stadt besitzt zwar bereits mehrere Wärmenetze und zwei weitere sind aktuell im Bau, jedoch sind die Investitionskosten enorm. Auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage ist die Planung weiterer Wärmenetze aktuell auf Eis gelegt. Zudem sei es eine Herausforderung, genügend Hausanschlüsse zu gewinnen.
Genau auf dieses Szenario setzen Anbieter wie Thermondo. Das novellierte Wärmeplanungsgesetz, über das das Bundeskabinett vor wenigen Wochen einen Regierungsentwurf beschlossen hat, soll Kommunen mit bis zu 15.000 Einwohnern entlasten und erlaubt das pauschale Ausweisen großflächiger Gebiete für dezentrale Wärmeerzeuger.
Für den Berliner Wärmepumpenspezialisten ist das ein Signal: Von den rund 11.000 Kommunen in Deutschland werden nach Einschätzung des Unternehmens viele auf dezentrale Lösungen setzen müssen. "Wir haben vor, gewisse Kontingente bei unseren Beratern zu schaffen, damit diese auch auf kleinere Kommunen zugehen können", sagt Schwarzer.
Wie schnell das gelingt, ist offen. Auch Hecker beobachtet, dass das leicht abzuschöpfende Potenzial bei Bündelungsaktionen irgendwann ausgereizt sein könnte – erste Rückmeldungen aus der laufenden zweiten PV-Ausschreibung deuteten darauf hin. Wie sich solche Aktionen dauerhaft verstetigen lassen und ob sie auch für überregionale Anbieter langfristig attraktiv bleiben, ist eine Frage, die beide Seiten noch beantworten müssen.
