Bis zum 30. Juni mussten laut dem Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) 80 Großstädte in Deutschland ihre kommunalen Wärmeplanungen abgeschlossen haben. Im August hatten 75 dieser Städte ihren Wärmeplan fertiggestellt und veröffentlicht, wie aus einer Auswertung des KWW hervorgeht.
Die Kommunen konzentrieren sich in ihren Wärmeplänen auf Wärmepumpen und den Ausbau von Wärmenetzen. Das bestätigt eine gemeinsame Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts. Doch viele Pläne lassen offen, wie die Wärme für die Netze künftig erzeugt werden soll. Wo Antworten vorliegen, setzen die Städte überwiegend auf eine Kombination aus Großwärmepumpen und Biomasse, ergänzt durch lokale Quellen wie Abwärme oder Geothermie.
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Nicht überall ist Fern- oder Nahwärme das Mittel der Wahl – und wo Wärmenetze geplant sind, unterscheiden sich die Wärmequellen teils erheblich. Ein Blick in ausgewählte Wärmepläne zeigt, wie unterschiedlich die Kommunen vorgehen.
Individuelle Lösungen statt Wärmenetze in der Pfalz
Wärmenetze rechnen sich nicht, wenn die Wohngebäude zu weit verstreut liegen – wie etwa in Kaiserslautern: Der Wärmeplan der rheinland-pfälzischen Stadt hält fest, dass es für knapp zwei Drittel aller Wohngebäude langfristig keinen Wärmenetzanschluss geben wird. Ein flächendeckendes Netz wäre wegen der Siedlungsstruktur mit weitläufigen und gering verdichteten Stadtteilen nicht wirtschaftlich.
78 Prozent der Wohngebäude werden laut Wärmeplan derzeit mit Erdgas beheizt. Der Wärmeplan sieht jährlich 900 neue Wärmepumpen und den Austausch von 1100 Öl- beziehungsweise Erdgaskesseln vor.
Die Stadt will stärker auf individuelle Lösungen wie Wärmepumpen und energetische Sanierungen setzen. Dafür will die Stadt vor Ort beraten: Sie will wechselnde öffentliche Foren in den Stadtteilen veranstalten, um über Heizungstausch, Sanierungsmöglichkeiten und Förderanträge zu informieren.
Die Stadt verweist zudem auf Nachfrage der ZFK auf eine bestehende Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, die "eine kostenfreie und individuelle Energieberatung durch einen qualifizierten Gebäudeenergieberater beinhaltet".
Geplant sei zudem ein "digitaler Ratgeber für das Eigenheim". Bei Stadtfesten soll es Infostände zu Gebäudesanierungen geben – Kaiserslautern geht von einer jährlichen Sanierungsrate von zwei Prozent aus. Laut Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle lag die Gebäudesanierungsrate für ganz Deutschland bei rund 0,7 Prozent im Jahr 2025.
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Außerdem will die Stadt die Bevölkerung dazu aufrufen, bei einem "Tag der offenen Haustür" mitzumachen. Dort können Nachbar:innen über ihre Sanierungsmaßnahmen und ihre Erfahrungen mit Wärmepumpen sprechen.
Chemnitz: Rückzug bei Wasserstoff
Einen anderen Schwerpunkt wählte Chemnitz: Der Plan sieht eine Prüfung von Wasserstoffnetzen für die Wärmeversorgung vor. Laut Wärmeplan soll der Netzbetreiber Inetz in den Jahren 2026 und 2027 einen detaillierten Wasserstoff-Transformationsfahrplan erarbeiten. Aufbauend darauf könnte der Stadtrat 2028 Wasserstoffnetzgebiete offiziell festlegen.
Als Grundlage für diese Vorhaben im Wärmeplan dienen Preiskorridore aus einer Auswertung mehrerer Studien, die für 2045 Wasserstoffkosten von 11 bis über 20 Cent pro Kilowattstunde für Haushaltskunden prognostizieren. Deshalb bewertet die Stadt in ihrem Wärmeplan Wasserstoff als mögliche wirtschaftliche Alternative zu Wärmepumpen, insbesondere in Bestandsgebäuden mit Gasanschluss.
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Auf Nachfrage der ZFK zu den Planungen und Preisen zog die Stadt sich jedoch zurück: Konkrete Fragen könnten "aktuell nicht beantwortet werden". Die Presseabteilung erklärte, dass der Wärmeplan "lediglich Prüfgebiete" ausweise. Außerdem habe sich die Rechtslage inzwischen geändert: Wärmepumpen hätten nun Vorrang, Biomasse sollten sie ergänzen. Damit ist die Rolle des Wasserstoffs gegenüber dem ursprünglichen Plan deutlich kleiner geworden.
Rhein-Main-Gebiet: Abwärme aus Rechenzentren und Abfall
Andere Städte konzentrieren sich hingegen auf die Nutzung von Abwärme, so wie etwa Offenbach am Main. Die hessische Stadt will ihre Fernwärme vor allem mit zwei Wärmequellen dekarbonisieren: mit Abwärme aus Rechenzentren und aus der Abfallverbrennung.
Mehrere Rechenzentren sind im Stadtgebiet bereits in Betrieb, weitere sind in Planung und im Bau. Die Stadt rechnet nicht mit einem Scheitern der Projekte: Die Nähe zum größten Internetknoten Europas, dem DE-CIX, mache das Rhein-Main-Gebiet zu einem der wichtigsten Rechenzentrumsstandorte überhaupt.
Der Wärmeplan kalkuliert vorsichtig mit Auslastung und verfügbarer Wärmemenge. Zusätzliche Großwärmepumpen sollen Wärme aus Abwasser und Flusswasser nutzen und Ausfälle der Rechenzentrumsabwärme absichern. Dabei räumt die Stadt aber ein, dass diese energetisch nicht die Quelltemperaturen des Kühlwassers aus Rechenzentren erreichen können.
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Bei der zweiten Säule der Wärmeversorgung nennt Offenbach konkrete Maßnahmen: Das Energiewerk zur Abfallverbrennung liefert derzeit rund 50 Prozent der benötigten Fernwärme. Das Energiewerk wird derzeit modernisiert und erweitert: Hier soll nicht einfach mehr Müll verbrannt werden, sondern die Wärme aus Abdampf und Rauchgasen effizienter genutzt werden. Geplant ist zudem ein Fernwärmespeicher, der Schwankungen zwischen Erzeugung und Bedarf ausgleicht.
Auch Ludwigshafen setzt auf Müllverbrennung: Das städtische Müllheizkraftwerk speist zurzeit rund 290 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr ins Netz ein. Der Wärmeplan der Stadt am Rhein beziffert das jährliche Potenzial der Anlage auf bis zu 370 GWh. Dieser Maximalwert entspräche rund 31 Prozent des jährlichen regionalen Wärmebedarfs von 1205 GWh.
Der kommunale Versorger Technische Werke Ludwigshafen (TWL) plant außerdem seine erste Großwärmepumpe, die Wärme aus dem Abwasser einer Kläranlage gewinnen soll. Diese Anlage ist laut TWL eine "auch in Zukunft sichere Wärmequelle".
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Für den Fall, dass weitere industrielle Abwärmepotenziale nicht erschlossen werden, verweist TWL auf laufende Untersuchungen zu Geothermie und anderen Abwärmequellen im Stadtgebiet sowie auf dezentrale Wärmepumpen. Konkrete Standorte oder Zeitpläne nennt das Unternehmen dabei nicht.
Die Wärmepläne verdeutlichen, dass es keine Universallösung geben kann. Entscheidend sind die lokalen Voraussetzungen und die Bereitschaft vor Ort, bestehende Potenziale zu nutzen.