Gezielte Talentförderung: Anke Terörde-Wilde von ITB Consulting und Julia Villhauer von der MVV Energie stellten beim Online-Meeting des ZFK-Frauennetzwerks die Mannheimer Talentschmiede vor. Moderiert wurde der Talk von Laura Partikel, Managerin des ZFK-Frauennetzwerks.

Gezielte Talentförderung: Anke Terörde-Wilde von ITB Consulting und Julia Villhauer von der MVV Energie stellten beim Online-Meeting des ZFK-Frauennetzwerks die Mannheimer Talentschmiede vor. Moderiert wurde der Talk von Laura Partikel, Managerin des ZFK-Frauennetzwerks.

Bilder: © Screenshot

Frühzeitig den Bedarf an Fach- und Führungskräften sichern, um die Weichen für die Zukunft zu stellen – auch in der Kommunalwirtschaft ist das eine fortwährende Herausforderung. Umso wichtiger sind interne Programme, die das vorhandene Potenzial der Mitarbeitenden sichtbar machen und zielgerichtet fördern.

Die WSW Wuppertaler Stadtwerke sowie die MVV Energie Mannheim stellten im Rahmen des jüngsten digitalen Events des ZFK-Frauennetzwerks vor, wie sie die eigene Talentschmiede erleichtern. Während beide dabei ähnliche Elemente einbringen, gibt es doch unterschiedliche Ansätze, um Teilnehmende möglichst effektiv wachsen zu lassen.

Kathrin Milos, Leiterin der Personalentwicklung bei den WSW Wuppertaler Stadtwerken.Bild: © Screenshot

So legen die Stadtwerke Wuppertal bei ihrem Programm "CLIMB" etwa Wert auf reales Projektmanagement, erklärte Kathrin Milos, Leiterin der Personalentwicklung bei den Wuppertaler Stadtwerken.

Reale Projekte als wertvoller Lernansatz

"Das Ziel dabei ist, an echten Themen zu arbeiten, die das Unternehmen voranbringen. Es sind immer Themen, die uns aktuell auch beschäftigen", erläuterte sie. "Denn es gibt ja Potenzialträger-Projekte, von denen man schon ahnt, dass das Ergebnis gegebenenfalls in die Schublade kommt".

Vergangene Projekte befassten sich zum Beispiel mit dem Thema Prozessverschlankung oder dem Einsatz von Turbinen zur Energierückgewinnung im Wassernetzwerk.

Laut Milos erweist sich der Ansatz für alle Seiten als sehr wertvoll: Für die Teilnehmenden gestalte es sich spannend, früh an bestimmten Konzepten mitwirken zu können. Gleichwohl könne das Unternehmen Ziele vorantreiben, die ohnehin auf der Prioritätenliste stehen. Entsprechend werden die Projekte im Vorfeld auch mit den Führungskräften und Vertretern des Betriebsrates abgestimmt.

Über den Tellerrand hinausblicken

Bei der Auswahl der Kandidat:innen setzen die WSW auf multiple Facetten: Insgesamt zwölf Mitarbeitende werden unter Einbezug von Empfehlungen ihrer Vorgesetzten im Bewerbungsverfahren von einer Kommission nominiert. Ebenso legt man Wert auf eine "gute Mischung" aus kaufmännischen und technischen Hintergründen; berücksichtigt auch eine Frauenquote.

Über einen Zeitraum von anderthalb Jahren gibt es dann Präsenzveranstaltungen mit fünf unterschiedlichen Modulen – unter anderem Kommunikation, unternehmerisches Denken und Konfliktmanagement – sowie Einzel- und Gruppen-Coachings als auch begleitende Lernprogramme. Interne Netzwerke gewähren dabei auch Einblicke in andere Fachbereiche.

Isabell Dunschen, Beraterin und Expertin für Talent- und Führungskräfteentwicklung bei ContractBild: © Screenshot

Zusammengestellt wurde das Programm mit Unterstützung der Beratungsgesellschaft Contract. Isabell Dunschen, Beraterin und Expertin für Talent- und Führungskräfteentwicklung bei Contract, betonte beim Online-Seminar, dass CLIMB-Teilnehmende durchweg sehr motiviert seien.

"Alle sind hoch engagiert, und das bringen sie auch in das Programm mit. Sie sind schon gut, wollen aber noch mehr und haben den Anspruch, sich weiterzuentwickeln", so Dunschen. "Ganz wichtig ist uns, dass sie über den Tellerrand blicken können und einen größeren Blick entwickeln, mit anderen weiterdenken über ihren eigenen Bereich hinaus. Dadurch bringen sie auch den eigenen Fachbereich voran".

Selbstverantwortung als zentrales Element

Weitsichtiges und strategisches Denken unterstützt auch das Personalentwicklungsprogramm der MVV Energie Mannheim. Eine Besonderheit der Initiative ist das hohe Maß an Selbstverantwortung, das die Teilnehmenden demonstrieren müssen. Neben grundlegenden Pflichtmodulen sollen diese ihre Schwerpunkte nämlich selbst definieren, inklusive Budget- und Zeitmanagement.

Nach den ersten Durchgängen konnte auch das Mannheimer Unternehmen selbst wichtige Lernwerte bezüglich der Organisation erzielen – und setzt auch hier zunehmend auf den Aspekt der Selbstverantwortung.

"Die ersten beiden Durchläufe waren mit Nominierung durch Führungskräfte. Wir haben dann gesehen, dass das vielleicht nicht der beste Weg ist", erklärte Julia Villhauer, Senior-Talentberaterin bei MVV Energie. "Teilweise waren Mitarbeitende im Programm, die Interesse an ihrer Weiterentwicklung hatten, aber vielleicht gar nicht so passgenau zu dem, was Zielsetzung des Programms wäre. Oder Führungskräfte hatten ihre Mitarbeiter als Incentive im Programm, als Anerkennung oder Leistungsbelohnung. Uns hat einfach gefehlt, dass der oder die Mitarbeitende sich auch selbst bewerben kann, proaktiv und eigenständig".

Wichtig sei insgesamt, Kandidat:innen zu finden, die das Führungsverständnis des Unternehmens teilen und als Multiplikatoren dienen, auch um Mitarbeitende zu binden. "Nach außen ist das natürlich ein gewisser Werbeaspekt; das darf nicht außen vor gelassen werden", so Villhauer. "So ein Programm ist natürlich auch attraktiv für Mitarbeitende, die sich bewerben".

Potenzialfaktoren erschließen

Auch in Mannheim stehen insgesamt zwölf Plätze zur Verfügung, um in 15 Monaten neue Fähigkeiten zu erwerben und existierende Kompetenzen zu verbessern. Interessierte müssen verschiedenste Aufgaben bewältigen, etwa Präsentationen und Fallstudien zu fiktiven Unternehmen anfertigen. Insgesamt richtet sich das Augenmerk dabei auf Potenzialfaktoren wie Veränderungsbereitschaft, analytisches Denken und Lernfähigkeit oder auch soziale Flexibilität.

"Es gibt einen kleinen, aber sehr feinen Unterschied zwischen Kompetenz und Potenzial. Kompetenz ist das, was jemand heute kann", erklärt Anke Terörde-Wilde, Mitglied der Geschäftsleitung bei ITB Consulting, die das MVV-Konzept mitentwickelte. "Die entscheidende Frage ist aber, was kann jemand eigentlich in Zukunft können? Die Welt ändert sich rasant. Was heute noch aktuell ist, ist morgen schon wieder überholt. Deswegen haben wir im besonderen Maße das Potenzial in den Blick genommen".

Elementar für das Programm seien zudem Feedbackkultur und Selbstreflexion, betonte die Referentin. Teilnehmende müssen eigene Stärken und Entwicklungsfelder identifizieren, gleichwohl geben Mentor:innen eine Einstufung. Dabei gelte das Prinzip einer positiven Lernpsycholgie: Selbst bei einer Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung könne bei der Weiterentwicklung der Mitarbeitenden somit sinnvoll angesetzt werden.

Frauennetzwerk mit neuer Plattform

Auch das Frauennetzwerk selbst hat übrigens neues Territorium beschritten, um sichtbarer zu sein. Fortan ist die Gruppe auch auf Linkedin vertreten, so Frauennetzwerk-Managerin Laura Partikel. Mehr Informationen zum Frauennetzwerk und zu den nächsten Online-Events finden Sie hier.

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