Ein Eigengewächs des niedersächsischen Energiekonzerns EWE soll die 2022 in Schieflage geratenen Stadtwerke Osnabrück in die Zukunft führen. Wie das vollständig kommunale Unternehmen bekanntgab, wird Daniel Waschow spätestens im Oktober dieses Jahres Nachfolger von Interimschef Stefan Grützmacher.
Die Entscheidung im Aufsichtsrat fiel demnach einstimmig. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) bezeichnete Waschow als "Wunschkandidaten". Er soll den unter Grützmacher eingeschlagenen Weg fortsetzen und die "gewaltigen Aufgaben" der Energiewende, der Mobilitätswende und der digitalen Transformation bewältigen.
2021-Defizit in Höhe von 17 Mio. Euro
Überraschenderweise waren die Stadtwerke Osnabrück im Geschäftsjahr 2021 tief ins Minus gerutscht. Am Ende stand ein Defizit von 16,9 Mio. Euro. Die Stadtwerke führten das negative Ergebnis insbesondere auf ungeplante Verluste in der Energiesparte, unter anderem in der Direktvermarktung, zurück. In der Folge trat der damalige Vorstandsvorsitzende Christoph Hüls vorzeitig zurück. Auch Mobilitätschef Stephan Rolfes verabschiedete sich früher als geplant in den Ruhestand.
Übergangsweise übernahm Ex-Gasag-Chef Stefan Grützmacher, der zuvor schon bei anderen angeschlagenen Kommunalversorgern als Interimsmanager eingesprungen war. Unter seiner Führung stellten die Stadtwerke unter anderem die Planungen für eine Altreifen-Pyrolyseanlage im Stadtteil Hafen ein. Zudem beendeten sie ihr Regionalstromprodukt. (Die ZfK berichtete.)
Grützmacher bleibt vorerst an Bord
Auch personell trieb Grützmacher den Umbruch voran, holte den Vertriebsexperten Jan-Hendrik Funke vom Frankfurter Energiekonzern Mainova und machte ihn zum Chef der Osnabrücker Energiesparte.
Der Manager bleibt wohl auch mit Amtsbeginn des neuen Stadtwerkechefs Waschow weiter an Bord und soll den Übergang "maßgeblich begleiten", bis der zweite Vorstandsposten besetzt ist. Das Auswahlverfahren sei hierfür noch nicht abgeschlossen heißt es. Fest steht, dass die Aufgaben auf Führungsebene neu verteilt werden. Demnach soll der zweite Vorstand den Bereich Finanzen verantworten.
Karriere bei EWE
Waschow bezeichnet sich auf seinem Linkedin-Profil selbst als "Grenzgänger der Energiewirtschaft". Demnach studierte der nun 46-Jährige Politikwissenschaft und Publizistik, ehe er 2004 in den EWE-Konzern eintrat. 2008 übernahm er dort die Leitung der Unternehmenskommunikation – eine Funktion, die er sechs Jahre lang innehatte. Zuletzt war er Sprecher der Geschäftsführung der polnischen EWE-Tochter EWE Polska.
Laut Linkedin-Profil spricht Waschow fließend Polnisch. Und wie zum Beweis gab er auf der sozialen Plattform seinen Wechsel zu den Stadtwerken Osnabrück nicht nur auf Deutsch bekannt, sondern auch in der Muttersprache von Lech Wałęsa und Johannes Paul II. (aba)



